Interlaken

Mogelpackung führe zu Verkehrschaos

InterlakenDer Abstimmungskampf zur Verkehrsinitiative ist eröffnet. Die Botschaft des Komitees Pro Interlaken: Die Initiative sei eine Mogelpackung und eine Annahme würde ein Verkehrschaos verursachen.

Das Fahrverbot im Schlauch soll bestehen bleiben, fordert das Komitee Pro Interlaken und will die Verkehrsinitiative bekämpfen.

Das Fahrverbot im Schlauch soll bestehen bleiben, fordert das Komitee Pro Interlaken und will die Verkehrsinitiative bekämpfen. Bild: Samuel Günter

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«Wenn wir am 4. März die Weichen falsch stellen, endet unsere gemeinsame Fahrt in einem Sackbahnhof», erklärte Urs Grossenbacher am Donnerstag im Victoria-Jungfrau. Das ehemalige Mitglied des Grossen Gemeinderats Interlaken gehört dem Komitee Pro Interlaken an, das die Verkehrsinitiative «Keine Verkehrsverlagerung in die Wohnquartiere» bekämpft.

Der Titel der Initiative sei eine Mogelpackung: «Es geht den Initianten einzig um die Öffnung des «Schlauchs», die Entlastung der Wohnquartiere und die Schulwegsicherung sind nur vorgeschoben.» Der «Schlauch» ist das Teilstücks des Höhewegs zwischen Postkreuzung und Hotel Splendid.

Chaos befürchtet

Die Wiedereröffnung des «Schlauchs» würde zu einem Verkehrschaos führen, sind Grossenbacher und seine Mitstreiter überzeugt. «Falls sich bis zu 300 Reisecars, Mietautos und Fahrzeuge der hiesigen Bevölkerung durch das Teilstück winden, gibt es für Fussgänger, Fahrräder und den ÖV keinen Platz mehr», meint David Bühler, Betreiber der Villa Sonnenhof. «Dann müssen wir den Touristen am Ende Atemmasken aushändigen.»

Bühler ist überzeugt, das eine Öffnung des «Schlauchs» die Quartiere nicht entlasten, sondern stärker belasten würde. «Dadurch würden wir den Verkehr wieder ins Zentrum ziehen.» Da man das Signal setze, dass das Zentrum eine Durchgangsroute sei. «Eben genau entgegen dem Verkehrsrichtplan.» Wenn es dann im «Schlauch» zum Stau käme, würde der Ausweichverkehr in den Quartieren zunehmen.

Dies unterstreicht auch Ruedi Simmler, Alt-Gemeinderat und stellvertretender Leiter Region Bern bei Postauto. Der bestehende Verkehrsrichtplan ziele darauf, das Zentrum zu entlasten. «Schritt für Schritt wurden entsprechende Massnahmen umgesetzt. Eine Annahme würde all dies zunichtemachen.»

Und könnte laut Bühler die Gemeinde teuer zu stehen kommen. «Einerseits sind da die Beiträge von Bund und Kanton an die Umsetzungsmassnahmen.» Diese hätten die Entlastung des Zentrums zur Grundlage gehabt. «Wenn wir nun diese Grundlage streichen, könnte es sein, dass Bund und Kanton Gelder zurückfordern und die zugesicherten Mittel an die Sanierung der Marktgasse zurückziehen.» Anderseits wären bauliche Massnahmen nötig. «Es bräuchte wieder einen Kreisel beim Postplatz, und der Gehweg im «Schlauch» müsste verschmälert werden.»

Viel geändert

Laut Simmler habe sich die Situation im Vergleich zu 2014, als der «Schlauch» geschlossen wurde und die Initiative zustande kam, grundsätzlich verändert. «Damals war der Goldswiler Viadukt teilweise gesperrt, und auch an der Waldeggstrasse wurde gebaut.» Inzwischen seien diese Baustellen weg. «Auch die Navigationssysteme kennen nun die Situation, und die Bevölkerung hat sich an die Sperrung gewöhnt.»

«Nicht machbar»

Eine Anpassung des Verkehrsrichtplans innerhalb von zwei Jahren, wie es die Initiative fordere, sei schlicht unmöglich, meint Bühler. «Wenn die Nachbargemeinden und der Kanton mitmachen würden, dauert das immer noch mindestens drei bis vier Jahre.» Noch länger würde es dauern, bis die Massnahmen greifen würden. «Kostbare Zeit, die verloren ging. Zum Leidwesen auch der Quartiere.»

Harte Worte findet Grossenbacher für die Initianten und deren «Hintermänner». Wer ein demokratisches Instrument wie das Volksbegehren missbrauche, um seinen Unwillen gegenüber den Behörden auszudrücken, schadet der Gesellschaft im Allgemeinen und der Bevölkerung im Besonderen.

Beschränkte Mittel

Im Gegensatz zum Initiativkomitee verfüge man nur über beschränkte finanzielle Mittel dafür, einen Abstimmungskampf zu führen. «Aber wer keine Argumente hat, muss halt mit Geld um sich werfen», meint Grossenbacher. «Allerdings können wir auf eine breite Unterstützung zählen, die ständig wächst, wie man auf unserer Homepage Prointerlaken.ch sieht.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 28.12.2017, 14:23 Uhr

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