Wimmis

«Mich werdet ihr nicht los . . .»

Wimmis Fünf Alben oder 15 Jahre dauerte es, bis Sängerin Sandee ihre erste Nomination für einen Musikpreis erhielt. Am 9. Februar möchte die Mundartrockerin an den Swiss Music Awards in Zürich als «beste Künstlerin» ausgezeichnet werden.

Sängerin mit Oberwasser: Sandee alias Sandra Moser auf der Thuner Mühleschleuse.

Sängerin mit Oberwasser: Sandee alias Sandra Moser auf der Thuner Mühleschleuse. Bild: Jürg Spielmann

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Haben Sie Erfahrung auf dem Bau?
Sandee: Nein, nicht wirklich. Kürzlich bestellte ich jedoch im Internet eine Form, mit der ich selber Betonplatten für den Garten giessen kann. Dieses Projekt will ich im Sommer in Angriff nehmen. Die alten Platten riss ich weg, weil sie beschädigt und auch schief waren. Da fand ich: Hey, man kann coole Neue selber machen – das probiere ich. Ich habe allerdings noch keine Ahnung, wie Beton angerührt wird (lacht).

Das trifft sich gut: Ein Muster gibt es womöglich am 9. Februar im Zürcher Hallenstadion. Sie könnten dort einen Betonklotz, sprich: einen Swiss Music Award gewinnen.
Ja! (deutet Jubel an) Für mich ist es wunderschön, wurde ich no­miniert. Ich mache seit zwanzig Jahren Musik, bin seit 2003 als Sandee solo unterwegs. Es ist sowohl eine Genugtuung als auch eine Ehre. Die Freude ist riesig.

«Die Nomination ist sowohl eine Genugtuung als auch eine Ehre.»

Sie sind als beste Solokünstlerin nominiert, gemeinsam mit Popsängerin Eliane und Chansonnière Phanee de Pool. Hat sie Ihre erste Nomination überrascht?
Ich hätte nicht damit gerechnet, weshalb ich mich auch überhaupt nicht mit dem Anlass auseinandergesetzt habe. Darum ist es nun wohl umso schöner.

Hätten Sie den «Klotz» verdient?
Das ist selber äusserst schwer zu sagen. Es ist keine Jury, die abstimmt, sondern das Publikum. Ich habe gehört, man könne so oft voten, wie man will. Daher ist es auch ein wenig Glückssache. Ich habe zwar auf meiner Website ein Video dazu aufgeschaltet, doch verspüre ich keine Lust, Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen, nur damit möglichst viele für mich voten. Die Leute sollen bestimmen, wen sie wollen.

Wie gross sind Ihre Chancen, Nachfolgerin von Schlagersängerin Beatrice Egli zu werden?
(Zögert) . . . 33,33 Prozent.

Welchen Wert hat der Award?
Die Nomination ist die Anerkennung der Musikbranche, das Voting die des Publikum, das entscheidet. Darum wäre es schon cool, den Preis zu gewinnen. Für mich wäre er von grossem Wert und von grosser Bedeutung. Es lässt sich daraus ableiten, dass den Leuten draussen gefällt, was man tut. Klar kann man sich immer über die «Wichtigkeit» solcher Preise streiten und monieren, die Szene feiere sich selbst. Ich glaube aber, er gäbe mir die Möglichkeit, neue Leute abzuholen und sie für meine Sache zu begeistern.

Und was bringt er finanziell?
Gibt es dafür Geld? (Lacht) Ich glaube schon, dass der Gewinn ­etwas verändern könnte. Ich würde mir zum Beispiel erhoffen, einen Schritt vorwärtszumachen, dass ich für mehr Auftritte gebucht werde. Für kurze Zeit hat man eine sehr grosse Medienpräsenz in der Schweiz.

Die SMA sind die Gala einer vorab jungen Musikergeneration. Der vierfach nominierte Nemo könnte mit seinen 18 Jahren Ihr Sohn sein. Wie fühlt man sich da als gestandene Mundartrock-Lady?
Ich bin ja mit Gölä und den «Züris», die alle noch etwas älter sind als ich, in guter Gesellschaft. Mit 20 wäre ich im Vorfeld wohl fast gestorben – wie ziehe ich mich bloss an? Wie verhalte ich mich? Nun bin ich nicht wirklich nervös, ich gehe dorthin und hoffe, einen guten Abend zu haben.

Worauf freuen Sie sich speziell?
Darauf, einige Leute zu treffen, die ich schon länger nicht mehr gesehen habe. Und, wenn es denn so sein soll, den Preis abzuholen.

Haben Sie schon vor dem ­Spiegel die Dankesrede geübt?
Vor dem Spiegel? «Ne-nei.» Klar macht man sich seine Gedanken. Ich wüsste, was ich sagen würde, möchte das aber hier nicht verraten. Wer es wissen will, muss halt wohl oder übel für mich voten . . .

Gölä ist mit dem Chüjermutz-Projekt «Urchig» zweimal nominiert, Volksmusikpopper Trauffer war 2017 mit zwei Auszeichnungen der Abräumer. Wann schnürt Sandee das Dirndl für den kommerziellen Erfolg?
Grundsätzlich finde ich: Schuster, bleib bei deinem Leisten. Es ist nicht die Welt, in der ich mich musikalisch bewege. Höre ich gute Jodler, kriege ich eine Gänsehaut – für zwei, drei Lieder. Machst du etwas, musst du die Materie kennen, finde ich. Trotzdem hat mich mein Leben gelehrt, dass manchmal Dinge passieren, die so nie ­geplant waren. Ich würde nicht sagen, dass ich nie mit jemandem aus dieser Szene arbeiten würde. Ein Sandee-Jodelalbum wird es aber bestimmt nie geben.

«Ein Sandee- Jodelalbum wird es bestimmt nie geben.»

Auch mit Schlager wäre der grosse Reibach zu machen . . .
Das ist so. Ich habe die Einstellung, dass die Musik Hobby ist, weil ich sie so viel mehr geniessen kann. Da man mit einem Hobby bekanntlich nicht primär Geld verdienen muss, habe ich das Glück, nur das zu machen, wofür ich Herzblut habe.

Vor knapp einem Jahr ist Ihr Fünftling «Zrügg zu mir» erschienen. Wie gut kam Sandee nach sechs Jahren Pause zurück?
Sehr gut. Ich bin auf Platz 2 in die Charts eingestiegen und erstmals in der Jahreshitparade vertreten. Zu Beginn spielten wir drei ausverkaufte Konzerte in der Mühle Hunziken. Was will man mehr . . . Die Albumverkäufe haben sich in den Jahren meiner Abwesenheit stark rückläufig entwickelt. Meine seien noch beachtlich, heisst es bei der Plattenfirma.

Wie viele Konzerte – die sind heute die Einnahmequelle der Musiker – haben Sie gespielt?
Eine exakte Zahl kann ich spontan nicht nennen. Von mir aus hätten es aber mehr sein dürfen. Nach all den Jahren brachen die Veranstalter nicht allesamt in Jubel aus und sagten: «Yeeh, sie ist wieder da!» Das Pflaster ist in der Zeit, wo ich weg war, härter geworden. Es gibt heute noch mehr tolle Bands auf dem Markt, der Konsument ist aber nicht bereit, mehr Geld für die Musik auszugeben. Ich hätte viel mehr Konzerte spielen können, wenn ich dies fast gratis getan hätte. Am Ende aber muss die Rechnung aufgehen. Auch wenn es ein Hobby ist, muss die Musik einen Wert haben.

Werden Sie grössere Open Airs spielen? Am Seaside Festival in Spiez sind Sie auch bei der zweiten Ausgabe nicht dabei.
Ende Herbst, wenn die Open Airs gebucht werden, hatte ich Wechsel, trennte mich vom Management und der Bookingagentur. Alles wird derzeit neu aufgegleist. Richtig los geht es im Herbst mit der Rock- und Bluescruise. Kommen Anfragen, bin ich offen.

Was steht 2018 musikalisch an?
Als Polo Hofer, mein musikalisches Teenieidol, letztes Jahr starb, hatte ich eine Songidee. Entstanden ist «Dini Lieder», ein Song für und über ihn. Ich habe diesen mit meiner Band, die auch aus Mitgliedern der Schmetterband besteht, umgesetzt. Wir spielen ihn live, die Resonanz ist Wahnsinn. Es ist geplant, das Lied noch in diesem Jahr zu veröffentlichen. Zudem arbeite ich auch an neuen Songs, lasse mich jedoch nicht stressen.

«‹Dini Lieder› ist ein Song für und über Polo. Wir spielen ihn live, die Resonanz ist Wahnsinn.»

Aber es wird es ein sechstes Sandee-Album geben?
Die Chancen stehen gut. Ich würde sagen, sie liegen bei über 33,33 Prozent . . .

Sie sagten einst, dass Sie so lange weitermachen, wie es läuft. Vielleicht bis fünfundachtzig.
Das ist eine Drohung, mich werdet ihr nicht los (lacht herzhaft). Ich mache es einfach so lange, wie es «fägt». Im Moment macht es mir grosse Freude.

Demnach bleiben noch viele Chancen, einen Swiss Music Award einzuheimsen.
Wer weiss, vielleicht pflastere ich meinen Garten dereinst mit Preisen und nicht mit selbst gegossenen Betonplatten. Bis ich 85-jährig bin, reicht es vielleicht gar bis zum Gartenhüsli . . .


Sandee alias Sandra Moser (41) lebt mit ihrem Sohn Fabian in Wimmis, wo sie auch aufgewachsen ist. Seit 2003 hat die in klassischem Gesang ausgebildete Mundartrockerin fünf Alben veröffentlicht. Die ehemalige Gesangspartnerin von Gölä und des unlängst verstorbenen Hanery Amman bestreitet ihren Lebensunterhalt auch als Gesangslehrerin und gibt Workshops.

Das Voting: Unter dem Weblink www.swissmusicawards.ch/de/voting/kann für die Nominierten der Swiss Music Awards abgestimmt werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.01.2018, 10:17 Uhr

Tonangebende Berner

Einmal mehr führt an den Swiss Music Awards kein Weg an den Berner Musikschaffenden vorbei. Nebst Sandee («beste Solokünstlerin») sind Gölä mit «Urchig» («bester Solokünstler» und «bestes Album»), Züri West («beste Band» und «bestes Album») und Lo & Leduc («beste Band» und «bester Hit») gleich zweimal nominiert. Am 9. Februar an der SMA-Gala im Zürcher Hallenstadion könnte der Bieler Nemo mit vier Nominationen («bester Solokünstler», «bester Newcomer», «bester Live-Act» und «bester Hit» ) zum grossen Abräumer avancieren.jss

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