Jungfraujoch

«Letzte Möglichkeit auf dieser Höhe für etwas ganz Grosses»

Jungfraujoch Die Jungfraubahnen planen eine neue Exklusivität: Auf dem Ostgrat der Jungfrau soll ein «House of Clocks» gebaut werden. Die Kosten sind auf rund 70 Millionen Franken veranschlagt.

Das Gebäude der ehemaligen Richtfunkstation auf dem Ostgrat der Jungfrau wird abgerissen und macht Platz für ein «House of Clocks».

Das Gebäude der ehemaligen Richtfunkstation auf dem Ostgrat der Jungfrau wird abgerissen und macht Platz für ein «House of Clocks». Bild: PD/Christian Betschart

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«Es ist die letzte Möglichkeit, auf dieser Höhe etwas ganz Grosses zu realisieren», sagt Urs Kessler. Nun wird erstmals öffentlich, was der Direktor der Jungfraubahnen mit «etwas ganz Grosses» konkret meint: Oberhalb des Jungfraujochs, auf dem Ostgrat der Jungfrau, soll die ausgediente Richtfunkstation abgerissen und durch ein «House of Clocks» ersetzt werden.

«Es geht darum, immer wieder neue Produkte zu lancieren – fast so wie in der Pharmabranche.»Urs Kessler, CEO Jungfraubahnen

Das aus einem Architek­turwettbewerb und einem Studienauftrag geborene Projekt des Ingenieurbüros Edelaar Mosayebi Inderbitzin + Dr. Lüchinger & Meyer ist bereits weit gediehen, der Baubeginn ist auf 2026 terminiert, die Eröffnung auf 2028. Vorher will das Unternehmen die V-Bahn (Ende 2020) undden angekündigten Ausbau des Jochbahnhofes (Ende 2025) fertigstellen.

Ein exklusives Vergnügen

Doch was verbirgt sich hinter dem beziehungsweise im «House of Clocks»? «Die neue Attraktion wird als weltweit exklusives Angebot positioniert», gibt sich Urs Kessler zunächst etwas geheimnisvoll. Dann, auf Nachhaken, wird er konkret.

Im «House of Clocks», dessen Grund- und Aufriss einem Uhrwerk gleichen, sollen Uhren aller Art verkauft werden, die es sonst nirgends zu kaufen gibt. Welche Marken vertreten sein werden, ist noch nicht ganz entschieden, entsprechende Verhandlungen mit möglichen Partnern laufen.

Die bisherige Transportbahn im Stollen durch das Gletschereis soll durch eine neue «Ice Railway» ersetzt werden. Foto: PD Exklusiv werden jedoch nicht nur die Uhrenmodelle sein, betont Kessler, «sondern das gesamte Erlebnis». Das beginne schon auf dem Jungfraujoch auf 3454 Meter über Meer, wo der Gast in eine sogenannte «Ice Railway» steigt. Diese Transportbahn erreicht in sechs Minuten das «House of Clocks» auf 3705 Meter Höhe.

Das Besondere daran: Die Bahn fährt unterirdisch nicht nur durch den Fels, sondern quert auch einen Gletscher. Dann, auf dem schmalen Ostgrat, bietet sich dem Besucher der einzigartige Rundblick in die Walliser und die Berner Alpenwelt und weit darüber hinaus.

Was soll dem Gast dieses Erlebnis wert sein? «Wir rechnen mit einem Pauschalpreis ab Jungfraujoch von etwa 50 Franken», sagt Kessler. Und ergänzt, dass aus Kapazitätsgründen pro Tag maximal 500 Leute ins «House of Clocks» transportiert werden könnten.

Ostgrat Aussenbild «House of Clocks» stand Projektüberarbeitung

Eine Frage der Positionierung

Apropos Franken: Für die Realisierung des ganzen Projektes rechnen die Jungfraubahnen mit rund 70 Millionen Franken. «Selbstverständlich handelt es sich dabei auch um eine Marketingmassnahme», sagt Urs Kessler.

«Mit diesem Angebot wollen wir unsere Marke Top of Europe noch höher und noch erfolgreicher als schon bisher positionieren.» Es gehe darum, immer wieder neue Produkte zu lancieren – «fast so wie in der Pharmabranche».

Ziele, so Kessler, seien «nicht ein kurzfristiges Wachstum, sondern langfristige Vorteile inklusive eines hohen Durchschnittsertrags pro Besucher statt nur Frequenzrekorde». Um diese Ziele zu erreichen, müsse man sich aber «Zeit lassen für eine seriöse und saubere Ausarbeitung der Produkte».

Bleibt die Frage, ob Uhren denn tatsächlich mehr als nur die Gunst der Stunde geniessen, ob sie auch in zehn, zwanzig Jahren noch so begehrt sind wie momentan vor allem von den asiatischen Touristen. «Trends zum Beispiel bezüglich der Herkunft der Touristen können sich ändern», antwortet Urs Kessler. «Aber wir sprechen ja nicht nur Asiaten an. Für Uhren besteht weltweit ein grosses Interesse.»

(Berner Oberländer)

Erstellt: 06.10.2018, 09:33 Uhr

Chronologie auf dem Ostgrat

57 Jahre lang sorgte die Richtfunkstation für Radio- und TV-Übertragungen von Süd nach Nord und umgekehrt


Die ehemalige Richtfunkstation auf dem Jungfrau-Ostgrat. Inzwischen sind die Parabolantennen abgebaut, das Gebäude wird abgerissen. Foto: PD

Mit den Plänen für einen Neubau auf dem Ostgrat geht die Geschichte der Richtfunkstation Jungfraujoch definitiv zu Ende. Begonnen hatte alles bereits 1948 mit ersten Übertragungsversuchen zwischen dem Joch und dem Monte Generoso. Ein Jahr später gab die Generaldirektion der PTT den Projektauftrag für Europas höchstgelegene Richtfunkstation oberhalb des Jungfraujochs auf 3705 Metern über Meer.

1954 war es so weit: Die Anlage wurde eingeweiht und diente fortan für Radio- und TV-Übertragungen von Nord nach Süd und umgekehrt. Gestartet wurde unter anderem mit einer Sendung über das Narzissenfest in Montreux sowie Spielen der Fussball-Weltmeisterschaft in Bern.

1961 wurde das bisher auf die Verbindung Bern–Lugano beschränkte Telefonie-Richtfunknetz mit neuen Strecken ergänzt. 1962 folgte eine bauliche Erweiterung des dreistöckigen Gebäudes, 1966 der Bau einer neuen Stromversorgung. 1981 wurde der gut einen Kilometer lange Zugangsstollen durch Fels und Eis eingeweiht.

Nach vielen weiteren technischen und baulichen Verbesserungen nahte dann aber trotzdem das Ende. Mit Einführung von Satellitenverbindungen und Glasfasernetz wurde die Richtfunkstation von der modernen Technik überholt und 2011 ­definitiv stillgelegt. Für einen symbolischen Preis von einem Franken kaufte die Jungfraubahn Holding AG den Bau ­inklusive Areal von der Swisscom. Am 1. Januar 2014 fand die Übergabe statt.

Schon zuvor waren die riesigen Parabolantennen und andere Einrichtungen abmontiert worden. Derzeit steht nur noch das Hauptgebäude – und auch das nicht mehr lange, es wird abgerissen und macht Platz für das «House of Clocks».

aka

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