Lappland: Vereiste, aber in der Regel griffige Strassen

«Snörök» – so nennen die Schweden den dort typischen Schneestaub. War dieser mitschuldig am tödlichen LKW-Unfall, bei dem sechs Schweizer starben? Ein Erlebnisbericht.

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Bruno Petroni

Masugnsbyn im Hohen Norden Skandinaviens, 110 Kilometer nördlich des Polarkreises. Im Bereich von Masugnsbyn kollidierten am Samstag die sechs jungen Adelbodner und ein weiterer Mann aus dem Mittelland mit ihrem Minibus frontal mit einem entgegenkommenden Lastwagen. Einer der Adelbodner und der LKW-Fahrer überlebten den Unfall, letzterer blieb gar unverletzt. Sechs Insassen des Minivans fanden dabei den Tod.

Das 60-Seelen-Dörfchen Masugnsbyn liegt mitten in Lappland an der Überlandstrasse 395, 80 Kilometer südöstlich der Eisenerz-Stadt Kiruna, welcher es politisch angehört. Eine Überlandstrasse, die täglich rege von mit Magnetit-Eisenerz schwer beladenen Lastwagen befahren wird. Eine Gegend, in welcher während der Wintermonate normalerweise Temperaturen unter dem zweistelligen Minusgradbereich herrschen und die Sonne im Dezember während mehrerer Wochen nicht über den Horizont steigt, was eine mehrstündige Dämmerung zur Folge hat.

Auf Grund der tiefen Temperaturen bildet sich Schneestaub, in Schweden «Snörök» genannt. Auf der Strasse löst dieser Schneestaub oftmals tückische Schneeverwirbelungen aus, die einem bei Überhol- oder Kreuzungsmanövern komplett die Sicht nehmen können. Solche Verwirbelungen sind auch mit Scheibenwischern oder Lampen kaum zu bekämpfen. Insbesondere entgegenkommende Laster wirbeln oft viel Schneestaub auf. Sturmwinde können zudem zeitweise und ohne Ankündigung plötzlich für regelrechte Schneevorhänge sorgen und hohe Schneeverwehungen verursachen.

Eis griffiger als Matsch

Im Gegensatz zur verbreiteten Schwarzräumung in unseren Breitengraden wird im Hohen Norden die Weissräumung angewendet. Dabei wird der Neuschnee regelmässig zur Seite geschoben und der verbleibende Schnee auf der Fahrbahn festgefahren, sodass sich eine feste Decke bildet. Meist bildet sich durch den Verkehr und die gebräuchlichen Spikesreifen eine raue Eisoberfläche, die weniger rutschig ist als sie auf den ersten Blick den Anschein macht. Es ist nicht unüblich, dass der Verkehr selbst auf der Schnee- und Eisdecke seinen gewohnten Lauf mit den üblichen Fahrgeschwindigkeiten nimmt. Einheimische Autofahrer empfinden das Fahren auf den bedeckten und trotzdem recht griffigen Strassen als weit angenehmer als auf Schneematsch, der sich dann in der wärmeren Frühlingszeit bildet.

Der Grossteil der Nordskandinavier fährt im Winter auf Spikesreifen; auch Mietwagen sind fast ausschliesslich mit Spikes ausgerüstet. Im Süden, beispielsweise in Stockholm, sollen Reifen mit Spikes hingegen gar verboten sein.

Berner Oberländer

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