Klarer Zuspruch für erhöhten Abfluss

Spiez

Ein glasklares Verdikt: Der Spiezer Souverän sprach sich an der Urne für das 3,21-Millionen-Hochwasserschutzprojekt in Faulensee aus. Davon profitiert auch Hondrich.

Hier im Gebiet Kirschgarten (vor dem gelbbraunen Artilleriewerk) ist der Bau eines befahrbaren Schutzdammes und eines Einlaufwerkes geplant.

Hier im Gebiet Kirschgarten (vor dem gelbbraunen Artilleriewerk) ist der Bau eines befahrbaren Schutzdammes und eines Einlaufwerkes geplant.

(Bild: Jürg Spielmann)

Unbestritten war das Geschäft bereits Ende Februar im Grossen Gemeinderat gewesen. Mit 32:0 Stimmen folgte das Spiezer Gemeindeparlament dem Antrag des Gemeinderates und winkte es an die Urnenabstimmung durch. Deren Resultat fiel am Sonntag kaum weniger klar aus: Mit 3178 Ja- zu 945 Nein-Stimmen sprachen sich die Spiezerinnen und Spiezer für das Projekt Hochwasserschutz Dorfbach Faulensee aus.

«Wir haben Freude, weil es uns die Möglichkeit gibt, die geplanten Massnahmen einzuleiten und damit auch die blockierten Bauprojekte in Faulensee und Hondrich vorangetrieben werden können», kommentierte Jolanda Brunner das Abstimmungsergebnis. Auch die Stimmbeteiligung von 46,8 Prozent sorgte für Zufriedenheit bei der SVP-Gemeindepräsidentin. «Es zeigt, dass die Demokratie in Spiez gelebt wird.»

Gegens Wasser…

Mit dem Wasserbauvorhaben schlägt die Gemeinde Spiez zwei Fliegen auf einen Streich: Einerseits wird der zu grössten Teilen eingedolte Dorfbach baulich entschärft. Laut der Gefahrenkarte von 2009 kann er «bereits bei geringerem Abfluss als ein dreissig-jährliches Hochwasser (HQ30) zu Überschwemmungen im Siedlungsraum führen».

Besonders gefährdet ist der unterste Bereich vor der Mündung in den See. Letztmals wurden 2005 und 2006 Keller geflutet, nachdem der Bach über die Ufer getreten war. «Es bestehen Schutzdefizite, die Personen, Gebäude und Infrastrukturen gefährden», führte Rudolf Thomann (SVP) gegenüber dieser Zeitung aus. Er ist nicht nur Spiezer Bauvorsteher, sondern präsidiert auch die Burgerbäuert Faulensee.

Wie aber soll der Dorfbach, welcher Hondrich, Teile des Seeholzwaldes und des Kummli, die Moosallmend, das Gebiet Zelg sowie grosse Teile Faulensees entwässert, fit getrimmt werden? Im Gebiet Kirschgarten (oberhalb des Artilleriewerks) soll ein befahrbarer Schutzdamm das Oberflächenwasser abhalten. Dort ist der Bau des Einlaufbauwerks vorgesehen. Daran anschliessend wird eine 500 Meter lange Entlastungsleitung zum See gezogen.

Dank eines Entlastungsbauwerks beim Allmendweg (Höhe altes Schulhaus) und einer Druckleitung mit bis zu 1,5 Meter Durchmesser soll die Kapazität deutlich erhöht werden. Diese neue Leitung, deren Auslaufbauwerk beim Strandbeizli Seetüfeli zu stehen kommt, wird nur bei Hochwasser gebraucht, normalerweise fliesst das Wasser weiterhin über den Dorfbach ab.

… und fürs Bauen

Andererseits können dank des Schutzprojekts in Faulensee und Hondrich blockierte Wohnbauvorhaben auf 2014 eingezontem Land weiterverfolgt werden. Weit über hundert Wohneinheiten – etwa im Bifang und Gumperstal (Hondrich) oder der Dorfmatte und im Kirschgarten (Faulensee). Grund: Die neuen Sauberwasseranschlüsse sind heute nicht bewilligbar, weil die Kapazität des Dorfbaches ausgeschöpft ist und keine neuen Anschlüsse von Sauberabwasser an den Dorfbach mehr möglich sind.

Die Gesamtkosten für das Vorhaben belaufen sich auf 3,21 Millionen Franken. Im Grossen Gemeinderat sagte Rudolf Thomann, dass der Gemeinde Spiez nach Abzug der Subventionen für den Hochwasserschutz - von Bund und Kanton werden rund 1,9 Millionen Franken erwartet - circa 1,3 Millionen Franken verbleiben würden. Davon sind 540'000 Franken der Siedlungsentwässerung zuzuschreiben und spezialfinanziert (Abwasserentsorgung).

Die Gemeinde möchte das Projekt, für das der Kanton noch den Wasserbauplan genehmigen muss, gerne ab nächsten Winter umsetzen. Der Kanton plant im Januar/Februar 2020 eine ausserordentliche Seeabsenkung, was die Startarbeiten beim Auslaufbauwerk am See vereinfachen würde. Es wird mit einer Bauzeit von einem Jahr gerechnet.

Berner Oberländer

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