Jungfraubahnen: Zwei langjährige Pächter gehen

Wirt André Schärer verlässt die Kleine Scheidegg nächsten Herbst. Martin Soche, Pächter auf dem Jungfraujoch, erhielt von den Jungfraubahnen die Kündigung. Das Bahnunternehmen nennt noch keine konkreten Gründe.

Ganzjahresbetrieb auf der Kleinen Scheidegg: Im Bahnhofsgebäude zwischen den Gleisen ist unter anderem die Röstizzeria untergebracht. Die Zukunft des Gastronomieangebots auf der Scheidegg ist ungewiss.

Ganzjahresbetrieb auf der Kleinen Scheidegg: Im Bahnhofsgebäude zwischen den Gleisen ist unter anderem die Röstizzeria untergebracht. Die Zukunft des Gastronomieangebots auf der Scheidegg ist ungewiss. Bild: Alex Karlen/zvg

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An acht Standorten besitzen die Jungfraubahnen gastronomische Infrastruktur: Winteregg, Harder, Schynige Platte, First, Grindelwald Grund, Kleine Scheidegg, Eigergletscher und Jungfraujoch. Alle Standorte sind verpachtet — ins Bewirtungsgeschäft mischt sich das Bahnunternehmen gegenwärtig nicht selber ein.

Das könnte sich ändern. Anhaltspunkte, die diese These stützen, gibt es seit einigen Wochen. Auf der Kleinen Scheidegg, bei ­Eigergletscher sowie auf dem Jungfraujoch verabschieden sich die Pächter. Zumindest in einem Fall geschieht dies nicht aus ­freiem Willen.

Martin Soche ist seit November 2009 Pächter der Restaurants auf dem Jungfraujoch sowie bei der Station Eigergletscher. Er übernahm damals von Urs Zumbrunn, der seinerseits 20 Jahre lang auf dem Joch wirtete. Soche, vom Interlakner Restaurant Des Alpes gekommen, erlebte auf dem Jungfraujoch eine gastronomische Hochkonjunktur.

Die Jungfraubahnen steigerten ihre Gästezahl bis zum Rekordjahr 2015, als sie auf der höchstgelegenen Bahnstation Europas die Millionengrenze knackten. Von den maximal 5000 Touristen pro Tag, die das Joch besuchen, macht logischerweise ein schöner Teil in Martin Soches Stuben halt. «Das Geschäft läuft gut», sagt Soche.

Martin Soche, Pächter auf dem Jungfraujoch.

Oben betreibt er das Restaurant Crystal mit 110 Plätzen, dazu ein Selbstbedienungsrestaurant mit 250 Plätzen, ein indisches Restaurant, eine Prosecco- und eine Kaffeebar; unten bei Eigergletscher zusätzlich ein ganz­jährig geöffnetes Restaurant mit Sonnenterrasse. Soche beschäftigt 70 zum Teil langjährige Mitarbeitende.

«In meiner Lebensplanung war es nicht vorgesehen, nochmals einen Job zu suchen.»Martin Soche

Diesen Herbst haben die Jungfraubahnen den bis 2020 laufenden Pachtvertrag mit Martin ­Soche gekündigt. Dies per Oktober 2018. «In meiner Lebensplanung war es nicht mehr vorgesehen, nochmals einen Job zu suchen», so der 56-Jährige.

Schärer befürchtet Einbussen

Auch der Wirt auf der Kleinen Scheidegg, André Schärer, nimmt den Hut. Dies bereits im Spätherbst 2017, also noch vor der nächsten Wintersaison. André Schärer übernahm den Betrieb im Jahr 2000 von seinem Onkel Horst Schärer. Er betreibt neben dem Bahnhofbuffet, der Röstizzeria und Übernachtungsmöglichkeiten auch diverse Aussenstationen, so zum Beispiel das ­Tipi, welches insbesondere bei jungen Wintersportlern als beliebter Treffpunkt gilt.

Das Tipi erfreut sich insbesondere bei jungen Wintersportlern grosser Beliebtheit. Bild: Alex Karlen/zvg

Im Gegensatz zu Martin Soche hat Schärer keine Kündigung erhalten, sondern sein Pachtvertrag wurde im gegenseitigen Einverständnis mit den Jungfraubahnen nicht verlängert. «Für mich stimmt das so», sagt Schärer. Für ihn sei ohnehin klar gewesen, die Scheidegg zu verlassen, sobald die V-Bahn Realität sei.

«Es scheint, dass die Jungfraubahnen den Betrieb auf der Scheidegg selber führen wollen.»André Schärer

Schärer befürchtet in seinem ganzjährig geöffneten Restaurant vor allem in der Sommersaison Umsatzeinbussen. Und er räumt Differenzen mit den Jungfraubahnen ein, die Teile seines Gastronomieangebots gerne abgeändert gesehen hätten. «Es scheint, dass die Jungfraubahnen den Betrieb auf der Scheidegg künftig selber führen wollen. Allerdings ist mir noch kein Konzept bekannt.»

Um ihn müsse man sich keine Sorgen machen, sagt Schärer, der auf Mallorca zusätzlich ein ­Landhotel mit Rebberg betreibt. Ausserdem suche er auf dem ­Bödeli nach einem Standort für einen neuen Betrieb. Sorgen ­mache er sich aber um seine 42 Mitarbeiter auf der Scheidegg, die teilweise seit Jahrzehnten hier beschäftigt seien. «Immerhin besteht seitens der Jungfraubahnen ein Interesse, meine Mitarbeiter weiterzubeschäftigen.»

«Scheidegg neu positionieren»

Die Jungfraubahnen nehmen zur Zukunft der Gastronomie auf der Scheidegg und auf dem Joch nicht konkret Stellung. «Im Zuge einer strategischen Neuaus­richtung überdenken wir auch unsere Gastronomiekonzepte», sagt Mediensprecherin Patrizia Bickel auf Anfrage. Die Kleine Scheidegg sei ein Ort, der mit der Realisierung der V-Bahn neu positioniert werden müsse, und zwar «als attraktives Ausflugsziel, als Erlebnis in den Alpen».

Man sei sich auch der Bedeutung des Après-Ski-Segmentes bewusst und würde auf der Kleinen Scheidegg im Winter sicherlich auch in Zukunft etwas zur Verfügung stellen. «Ob dies ein Tipi-Zelt oder sonst etwas ist, können wir noch nicht sagen.» Die an­deren Gastronomiebetriebe der Jungfraubahnen werden im bisherigen Rahmen weitergeführt.

Martin Soche nimmt seine Kündigung nicht einfach so hin. Er wehrt sich. «Zu einem laufenden Verfahren möchte ich aber nicht weiter Stellung nehmen.»

(Berner Oberländer)

Erstellt: 25.11.2016, 15:42 Uhr

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