In den SAC-Hütten geht ein Traumsommer zu Ende

«Unglaubliche Frequenzen»: Die Pächter der 26 Berghütten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) finden für die zu Ende gehende Saison nur lobende Worte.

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«Drei Monate lang durften wir ohne einen Tag Unterbruch täglich Gäste bewirten»: Artur Naue verbuchte in seinem vierten Sommer als Wart der Trifthütte Rekordfrequenzen, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Und so landen der gebürtige Schwabe und seine Partnerin Nicole Müller dieses Jahr bei knapp 2600 Übernachtungen.

Für den absoluten Rekord von 2900 im Jahr 2009, als die neue Trifthängebrücke eröffnet worden war, reichte es also nicht. Naue: «In Anbetracht der Anfang Jahr schlechtesten Wintersaison in unserer Karriere sind wir mit diesem Gesamtresultat mehr als nur zufrieden.»

Die neu erschlossenen und dokumentierten Gratklettereien rund um die Hütte hätten sich zunehmender Beliebtheit erfreut und seien von allen in hohem Mass gelobt worden.

Am kommenden Sonntag ist Saisonschluss in der Trift. Bis dann steigen nur noch Hardcorealpinisten da hoch, «denn für den Hüttenweg sind Steigeisen und Eispickel ein absolutes Muss», sagt Naue.

Durchgehend Superlativen

Praktisch alle der 26 SAC-Hüttenwarte im Berner Alpenraum sprechen von «Hammersaison, Rekordsommer, Supersaison». So konnten Hans und Hildi Ho­stettler in ihrem elften Hüttenwartsommer in der Blüemlisalp­hütte erstmals die Rekordmarke von 6000 Übernachtungen knacken. Sie machten die Hütte am letzten Sonntag winterdicht. Geschlossen ist seit Sonntag auch die Wildhornhütte.

Monika und David Schmid hatten den ganzen Sommer über gerade einen einzigen Abend ohne Gäste und rechneten knapp 3500 Logiernächte ab; das ist für die ausgesprochene Skitourenhütte mehr als sonst in einem ganzen Jahr.

Ähnlich sieht es bei Gisela Teuscher und ihrer Tochter Larissa aus, die in der Tierberglihütte über 4000 Übernachtungen erzielte und die Hütte diesen Sonntag schloss.

«Wir sind total zu Hause auf dem Tierbergli und freuen uns schon wieder auf die nächste Saison», blickt die Grindelwalderin nach zwei Jahren Tierbergli bereits motiviert in die Zukunft.

Drei Hütten: Pächterwechsel

Die seit Ende September geschlossene Wildstrubelhütte bekommt mit dem Lenker Konrad Rösti und seiner Partnerin Maxi Weiner neue Pächter: Katja und Thomas Heiniger übernehmen nach je drei Jahren in der Gspaltenhorn- und Wildstrubelhütte das Berghotel Rigi-Burggeist.

Ebenfalls Anfang Oktober verliess Yvonne Feuz nach drei Saisons letztmals die Doldenhornhütte. Laut Hüttenchef Adrian Bachmann konnten Heidi und Fritz Wenger aus Utzenstorf als Nachfolgerehepaar verpflichtet werden.

Schliesslich drehten auch Petra und Cornelia Wyssen den Schlüssel zur Gspaltenhornhütte vor drei Tagen zum allerletzten Mal: Das Schwesternpaar hatte die Hütte diesen Sommer während achteinhalb Wochen ohne Unterbruch ausgebucht, «und wir konnten in diesen zwei Sommersaisons sehr wertvolle Erfahrungen sammeln».

Dennoch haben sie ihr Pachtverhältnis mit der SAC-Sektion Bern als Hüttenbesitzerin gekündigt: «Die Zusammenarbeit mit der Sektion stimmte leider nicht.» Cornelia Wyssen will nicht näher auf diese Unstimmigkeiten eingehen. Hüttenverwalter Jürg Häberli bedauert den Abgang von Wyssens: «Ich hab das Gefühl, sie haben einen guten Job gemacht.» Wer die Gspaltenhornhütte nächsten Sommer übernimmt, steht noch nicht fest.

Hollandia bald ohne Gletscher

Bereits seit Mitte September geschlossen sind die Mutthorn-, Oberaarjoch- und Lauteraarhütte. Letztere hatte diesen Sommer fast zwei Drittel mehr Übernachtungen als im Vorjahr, wie Hüttenwart Stefan Hablützel nach seiner zweiten Hüttensaison berichtet: «Die Ummarkierung des Hüttenwegs auf Weiss-Rot-Weiss hat einige dazu bewogen, den Weg ab dem Grimselhospiz unter die Füsse zu nehmen, was sie sich vorher nicht zugetraut hätten.»

«Während 92 ­Betriebstagen hatte ich nur gerade an einem einzigen Abend keine Gäste.»Richard Riedi, Schreckhornhütte

Anfang Oktober gingen die Baltschieder-, Gleckstein-, Dossen- und Fründenhütte in den Winterschlaf. Letzten Sonntag schlossen auch die Balmhorn- und die Gaulihütte.

Am Dienstag schloss Egon Feller sein siebtes Jahr als Wart der Hollandiahütte ab. Der Walliser Bergführer stellt fest, «dass die Hütte vom Lötschental aus wegen des Schwundes des Langgletschers möglicherweise bereits in wenigen Jahren ohne Steigeisen erreicht werden kann».

Die übrigen Hütten...

Bis zum kommenden Wochenende sind nebst der Trift- auch die Lämmeren- und Geltenhütte noch offen. Esther und Bernhard Bitschnau schliessen die Bächlitalhütte morgen Donnerstag: «Unsere erste Saison als Hüttenwarte war ein Senkrechtstart mit vielen wertvollen Begegnungen.»

Sofern das Wetter mitmacht, bleibt Peter Schläppi noch bis zum 21. Oktober in der Gelmerhütte: «Ich hatte noch nie so viele Übernachtungen wie in dieser zu Ende gehenden Saison.» Auch Adrienne Thommen betreibt die Windegghütte in ihrem ersten Jahr noch während der nächsten zehn Tage.

Schliesslich sind folgende restlichen SAC-Hütten der Berner Alpen ebenfalls alle geschlossen: Finsteraarhorn-,Konkordia-,Oberaletsch- und Schreckhornhütte.

Letzterer Hüttenwart Reinhard Riedi: «Ich verbuchte 60 Prozent mehr Logiernächte als in meinem ersten Hüttenjahr 2017. Während 92 Betriebstagen hatte ich nur gerade an einem einzigen Abend keine Gäste.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 10.10.2018, 06:18 Uhr

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