Im Notfall zum Hausarzt ins Spitalzentrum

Interlaken

Bagatellfälle, Hausarzthilfe ausserhalb der Praxiszeiten: Der Hausarztnotfall Region Interlaken (Hani) im Spital schliesst eine Versorgungslücke in der Region und entlastet den Notfalldienstdes Spitals. Nun fand die Eröffnung statt.

Feierliche Eröffnung: Urs Gehrig (l.), Direktor Spitäler fmi AG, und der Ringgenberger Hausarzt Marcus Grossen­bacher durchschneiden das Band am Eingang des Hausarztnotfalls Region Interlaken im Spital Interlaken.

Feierliche Eröffnung: Urs Gehrig (l.), Direktor Spitäler fmi AG, und der Ringgenberger Hausarzt Marcus Grossen­bacher durchschneiden das Band am Eingang des Hausarztnotfalls Region Interlaken im Spital Interlaken.

«Mit der Einrichtung des neuen Hausarztnotfalldiensts im Spital Interlaken werden Synergien genutzt, die Infrastruktur ist zukunftsweisend», sagte Urs Gehrig, Direktor des Spitals Interlaken. Die Eröffnungsfeier fand am Tag der Hausarztmedizin, Freitag, 1. April, im Ambulatorium des Hauses E statt, wo der Hausarztnotfalldienst (Hani) für die nächsten drei Jahre untergebracht ist.

Insgesamt 24 Hausärztinnen und -ärzte sowie 4 medizinische Praxisassistentinnen kümmern sich nun ausserhalb der Bürozeiten an 365 Tagen im Jahr um Bagetellfälle und kleinere Beschwerden, gemäss dem Hani-Slogan «Hani Bobo, gani Hani». So wird der Notfalldienst des Spitals entlastet und kann sich auf die schwereren Fälle konzentrieren. Auch dem drohenden Hausärztemangel in den kommenden Jahren wird wirkungsvoll vorgebeugt.

Das Einzugsgebiet des Hani liegt zwischen Iseltwald im Osten, Leissigen im Westen, Habkern im Norden und Gündlischwand im Süden. «Nun verfügen alle bernischen Regionalen Spitalzentren über eine hausärztliche Notfallpraxis direkt beim Spital», sagte Gehrig. Die Hausärzte sind somit dort, wo Patienten im Notfall hingehen, und helfen mit, die Wartezeiten beim Spitalnotfall zu verkürzen, der weiterhin 365 Tage im Jahr 24 Stunden offen ist. Ein Vorteil des Hani ist zudem, dass Assistenzärzte und Hausärzte sich kennen lernen.

GmbH mit Spitalbeteiligung

Der Hani ist eine GmbH, an der das Spital Interlaken zu 20 Prozent beteiligt ist. Die GmbH ist Mieterin der Räume des chirurgisch-orthopädischen Ambulatoriums, dessen Infrastruktur wie Empfang, Telefonie, Warte- und Untersuchungszimmer sie ausserhalb der Bürozeiten nutzen kann. Hausarzt Marcus Grossenbacher (Ringgenberg): «Wir mussten nur ein Labor anschaffen, eine Apotheke mit Frigor und die EDV. Da wir keine Röntgen­geräte benötigen, entstanden insgesamt nur Kosten von etwa 80'000 Franken.»

Bei der Elektronik geht der Hani neue Wege: Die elektronische Krankengeschichte wird mithilfe von Tablets erfasst; das Softwaresystem Rockethealth der Winterthurer Firma Helmedica leitet den Arzt mit Fragen bei der Diagnose und «hilft, damit man nichts vergisst», so Grossenbacher. Die sensiblen Gesundheitsdaten seien in unterschiedlichen Clouds doppelt gesichert, informiert der Hausarzt.

Gegründet wurde die GmbH von vier Initianten, den Hausärzten Marcus Grossenbacher, Christoph Hurni, Martin Kistler und Thomas Michel. Die Eröffnung des Hani zehn Jahre nach dem Tag, an dem die Schweizer Hausärzte erstmals auf dem Bundesplatz Bern für die Volksinitiative «Ja zur Hausarztmedizin» demonstrierten, erfüllt die Initianten mit Genugtuung. Dazumal gelang es, die Hausarztmedizin und die medizinische Grundversorgung in der Bundesverfassung verankern zu lassen. Nachzulesen ist dies im Buch «Mut zur Wut» (Peter Tschudi, Bernhard Stricker). Grossenbacher: «Dieses Buch liegt in unserem Warte­zimmer auf, für alle unsere Pa­tienten».

Notfallnummer: 0900 576 747 (Fr. 1.98/Minute vom Festnetz)

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