Hugenschmidts sensationeller Streckenrekord

Grindelwald

Stephan Hugenschmidt gewann den 5. Eiger Ultra Trail in neuer Rekordzeit. Der Frutiger Urs Jenzer kam als Zweiter ins Ziel und krönte sich damit zum Schweizer Meister im Trailrunning. Andrea Huser aus Sigriswil wiederholte ihren Vorjahressieg.

Sie dominierten den 5. Eiger Ultra Trail: Der Sieger Stephan Hugenschmidt und der Zweitklassierte Urs Jenzer aus Frutigen.

Sie dominierten den 5. Eiger Ultra Trail: Der Sieger Stephan Hugenschmidt und der Zweitklassierte Urs Jenzer aus Frutigen.

(Bild: Peter Russenberger)

OK-Präsident Ralph Näf und Rennleiter Marcel Marti hatten bei der 5. Ausgabe des Eiger Ultra Trail für einmal keine Wetter­sorgen. Vor Jahresfrist musste nach einem Kälteeinbruch in den höchsten Lagen noch Schnee herausgeräumt werden. Königsdisziplin war der 101 Kilometer und 6700 Höhenmeter aufweisende Eiger Ultra Trail. Am für die Ultra Trail World Tour zählenden Grindelwalder Grossanlass wurden erstmals auch die Schweizer Meister ermittelt.

Die Faszination Eigernordwand lockte rund 2600 Teilnehmer aus 67 Nationen nach Grindelwald. 662 Männer und 108 Frauen nahmen um 4.30 Uhr den Eiger Ultra Trail unter die Füsse.

Jenzer taktiert geschickt

Der Frutiger Urs Jenzer, mit zwei Siegen der grosse Dominator der ersten drei Auflagen, war wieder am Start. Letztes Jahr liess eine Muskelverletzung eine Teilnahme nicht zu. «Mister Eiger Ultra Trail» musste sich mit der Betreuung seiner Kandertaler Trailrunner begnügen.

Dem nunmehr 46-Jährigen gelang auf seinem Lieblingstrail eine Rückkehr nach Mass. Nach einem klugen Steigerungslauf stiess der Bankangestellte aus achter Position noch auf die zweite Position vor. Plätze gut machte der erfahrene Taktiker beim beschwerlichen Aufstieg von Burglauenen Richtung Wengen und Männlichen.

Der Frutiger Urs Jenzer kam als Zweiter ins Ziel. Bild: Peter Russenberger

Hartnäckigster Duellant war in dieser Wettkampfphase noch der Spanier Jordi Gamito-Baus. Als der Sieger von 2014 und 2015 rund 14 Minuten nach dem souveränen Sieger 2017 Stephan Hugenschmidt (Schlusszeit: 11 Stunden und eine Minute) über die erstellte Passerelle in die Zielarena kam, zelebrierte Speaker Chrigel Graf auch für den Zweiten und neuen Schweizer Meister einen grossartigen Empfang.

Auch der nunmehr dreifache Schweizer Meister wie später auch die überragende Frauensiegerin Andrea Huser durften das kribbelige Gefühl des glorreichen Einmarsches über die Treppe gleich doppelt geniessen. «Ich bin in jeder Beziehung sehr zufrieden mit meiner auch taktisch aufgegangenen Leistung», liess sich der Kandertaler entlocken. Auch er hat Iker Karreras Streckenrekord von 11 Stunden 38 Minuten deutlich unterboten.

Der im süddeutschen Radolfzell aufgewachsene und jetzt im bündnerischen Schiers wohnende Sieger und Streckenrekordinhaber Hugenschmidt sprach davon, dass ihm der beste Lauf seines ­Lebens gelungen sei. Overalldritter von 422 Finishern wurde Jordi Gamito-Baus vor sechs weiteren ausländischen Teilnehmern.

Trotz Sieg nicht zufrieden

Obwohl Andrea Huser ihren Vorjahressieg wiederholen konnte und auch wieder Schweizer Meisterin wurde, sah sie nicht so richtig glücklich aus. «Dass Kathrin Götz, als Vorjahreszweite, schwer verunfallte, wollte mir nicht aus dem Kopf. Mit ihr hätte es bestimmt ein Duell um den Sieg ­gegeben», bedauert die auch als Polysportlerin viele Siege feiernde Sigriswilerin. Und dass sie über 37 Minuten langsamer war als letztes Jahr, begründete die 44-jährige Pflegefachfrau damit, im Raum Schynige Platte falsch gelaufen zu sein. «Ja, und dann lief sonst vieles nicht so optimal wie im Vorjahr», gestand die fröhliche Oberländerin mit Toggenburger Vergangenheit.

Harter Kampf bei den Damen

Auch Helene Ogi war, obwohl sie als Overalldritte in der SM-Wertung Silber holte, mit ihrem über beinahe fünfzehnstündigen Auftritt rund um das Eigerdorf nicht restlos zufrieden. «Ich war bis Burglauenen noch zweite Frau. Nach dem happigen Aufstieg auf den Männlichen hat mich dann die vierte Frau eingeholt, und wir spürten hinter uns den Atem von zwei weiteren Konkurrentinnen», klagt die 40-jährige Fitnessinstruktorin.

Das Wechselbad der Positionen nahm seine Fortsetzung, als Ogi auf dem Weg zum Marmorbruch zur in zweiter Position laufenden Martina Trimmel aufschliessen konnte. Letztlich habe sie trotz Blasen und grossen Beinschmerzen noch den dritten Platz retten können, seufzt die nunmehr fünffache Eiger-Trail-Finisherin. Es finishten letztlich 62 Frauen. Aus Oberländer Sicht sticht in der Kategorie E16 der souveräne Sieg des mehrfachen Berglaufsiegers Philipp Feuz heraus.

Ranglistenauszug:E 101: 1. Stephan Hugenschmidt, Schiers. 2. Urs Jenzer, Frutigen. 3. Jordi Gamito-Baus, ESP. 4. Thomas Evans, GB. Scotty Hawker, NZL. Daniel Jung, I. 7. Fulvio Dapit, I. 8. Ugo Ferrari, F. 9. Michael Arend, D. 10. Samir Akhdar, Stettlen. Schweizer Meisterschaft: 1. Urs Jenzer, Frutigen. 2. Samir Akhdar, Stettlen. 3. Patrick Willcock, Münswangen. Frauen: 1. Andrea Huser, Sigriswil. 2. Martina Trimmel, A. 3. Helene Ogi, Kandergrund. 4. Denise Zimmermann, Wangs. 5. Marie Mcnaughton, Hong Kong. Schweizer Meisterschaft: 1. Andrea Huser, Sigriswil. 2. Helene Ogi, Kandergrund. 3. Denis Zimmermann, Wangs.

Sämtliche Resultate: www.datasport.ch

Berner Oberländer

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