Hütten im Wandel der Zeit

Oberland

SAC-Hütten sind in der Regel einfache Unterkünfte. Doch immer mehr hält auch die Moderne mit mehr Komfort Einzug. Ein Buch beleuchtet die Veränderungen in der Architektur.

Die Wildstrubelhütte mit Neu- und Altbau wie sie im Buch abgebildet ist.<p class='credit'>(Bild: PD)</p>

Die Wildstrubelhütte mit Neu- und Altbau wie sie im Buch abgebildet ist.

(Bild: PD)

153 Unterkünfte gibt es in den Schweizer Bergen mit mehr als 9000 Schlafplätzen. Der Komfort in den Hütten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) ist dabei so eine Sache: Der wird immer besser; Wolldecken und Massenschläge gehören zunehmend der Vergangenheit an. Das gefällt aber nicht allen wie ein Beispiel der Lämmerenhütte zeigte.

Einige wünschen sich mehr Purismus, während andere die Modernisierung begrüssen, etwa Zweierzimmer oder genügend Steckdosen, um Smartphones aufzuladen.

Die Modernisierung der Architektur der SAC-Hütten, diesem Aspekt hat Architekt und Abenteurer Martin Zettel aus Bern ein Buch gewidmet. SAC-Hüttenarchitektur heisst das Werk aus dem Thuner Verlag Werd & Weber mit 352 Seiten und noch mehr Abbildungen.

Architekt und Abenteurer Martin Zettel. Bild: PD

«Die Funktion einer SAC-Hütte ist simpel, sie soll dem Berggänger Schutz bieten», schreibt der Autor im Vorwort. In den letzten 25 Jahren habe sich das Hüttenbild stark verändert. Sei es durch den vermehrten Einsatz von Architekturwettbewerben, sei es durch neue Bedürfnisse und Anforderungen.

Gedanklich auf Reisen gehen

Auch drei Oberländer Hütten haben es unter die 24 Hüttenporträts geschafft: die Wildstrubel-, Gauli- und Lauteraarhütte. So machte die Wildstrubelhütte eine richtige Metamorphose durch, vom Neubau 1927 zum Umbau 1974 bis zur Erweiterung mit Neubau im Jahr 2004.

Das Buch ist aber kein Architekturführer: Neben Hüttenfotos wird auch die Umgebung der Unterkünfte gezeigt. Baupläne, Wanderrouten plus Übersichtskarten runden das Ganze ab.

Mit so viel Information kann der Leser gedanklich schon zu einer abwechslungsreichen Reise aufbrechen: Der Start beginnt mit Erinnerungen an die Hütte, die er vielleicht als schon Kind besucht hat. Beim Lesen sinniert er über die Hintergründe und Absichten der Bauherren und Gedanken zur Nachhaltigkeit.

Wegbegleiter ist der Autor, der einem auf jeder ­Seite Wissenswertes erzählt, auch wenn auf seinen Wanderungen wettertechnisch nicht immer eitel Sonnenschein herrscht. Man erfährt im Buch etwas zu Flora und Fauna oder kulturhistorischen Fakten, ergänzt mit teilweise ganzseitigen Bildern.

Mitunter wird man überrascht, etwa mit dem Wissen, dass die Gaulihütte die älteste noch in Betrieb stehende Hütte des SAC ist. Sie wurde 1895 als einfacher Blockbau errichtet. «Wer sich auf den Weg macht, wird erstaunt sein, welche Vielfalt an Hütten der SAC in den Schweizer Bergen sein eigen nennen darf», schreibt der Autor.

Und ergänzt auf Anfrage, er habe durch das Bergwandern seit je einen Bezug zu den SAC-Hütten. «Das Spannende jedoch war bei meiner Recherche, dass ich hinter die Kulissen blicken konnte.» Zudem hätte er auf das umfangreiche SAC-Archiv Zugriff gehabt und konnte etwa alte und neue Bilder und Konstruktionspläne ver­gleichen.

Breitere Betten

Während in den ersten Jahren die Schutzfunktion im Vordergrund stand, seien nun auch neue Konstruktionsmaterialien und nachhaltige Haustechnikkonzepte dazu gekommen. Auch die Bettenbreiten seien mit den Jahren gewachsen, von 60 auf 80 Zentimeter.

«Die topmoderne Monte-Rosa-Hütte zeigt sicher, was technisch und architektonisch machbar ist», sagt Zettel. Er persönlich finde jedoch, dass man so – wie man die Wanderregion auswählt – auch die Wahl hat, ob man in einer topmodernen oder in einer sanft renovierten SAC-Hütte übernachten möchte. «Das heisst zum Beispiel im Massenlager oder im Viererzimmer oder mit der Möglichkeit, zu duschen oder aber den Brunnen vor der Hütte zu ­nutzen.»

Berner Zeitung

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