Hühnerhaut aus vielerlei Gründen

Das Weltcüpli erscheint täglich während der Berner Oberländer Weltcupwoche. Die Skiglosse beleuchtet Ungeahntes, Unbekanntes oder auch Unerhörtes.

«Ice Man» Carlo Janka macht seinen Namen auch bildlich alle Ehre und zieht sich kurzerhand im Ziel um.

«Ice Man» Carlo Janka macht seinen Namen auch bildlich alle Ehre und zieht sich kurzerhand im Ziel um.

(Bild: Nathalie Günter)

Nathalie Günter@nathalieguenter

Das erste Mal stellten sich mir die Haare am Unterarm auf, als im Zielgelände der Lauberhornrennen die Schweizer Nationalhymne erklang. Die kriegt mich immer. Und schon rauschte die Patrouille Suisse in atemberaubender Geschwindigkeit und Synchronität über die Köpfe von uns 37'000 Zuschauern hinweg. Jedes Jahr dasselbe, jedes Jahr gleich eindrücklich. Speziell bei diesem Prachtswetter.

Das zweite Mal, als ich Hühnerhaut kriegte, hatte einen ganz anderen Grund. Inmitten vieler anderer Medienleute stand ich im Zielraum und wartete gerade gespannt wie ein Flitzebogen auf die Fahrt von Beat Feuz. Als sich vor mir «Ice Man» Carlo Janka seines Renndresses entledigte. Die Hühnerhaut hatte nichts mit dem schön gestählten Sportlerbody zu tun, sondern vielmehr mit dem Gedanken: «Wie kann sich der jetzt bei dieser Eiseskälte quasi füdliblutt ausziehen?» Eh nu, dachte ich mit halb gefrorenen Füssen, ein «Ice Man» bleibt halt ein «Ice Man».

Nahe an den Tränen war am Abend Ivica Kostelic, der zwischen Slalom-Startnummernauslosung und Abfahrtssiegerehrung noch mit einem Geschenk verabschiedet wurde. Der kroatische Slalomspezialist hatte 2017 seine Karriere schweren Herzens beendet. Das OK um Urs Näpflin hatte befunden, dem sechsfachen Lauberhornsieger – dazu kommen sieben Podestplätze – noch eine Plattform für seinen Abschied zu geben. Kostelic dankte es mit einem emotionalen Auftritt, inklusive «Vogulisi»-Performance mit der Gitarre. «Alle Slalomhänge haben was von Wengen, aber Wengen hat alles», erklärte er seine Liebe zum Lauberhorn. Seine Freude schwappte auch aufs Publikum über – Hühnerhautmoment.

Und zum Schluss waren es die unzähligen Helfer, die bei mir einen Hühnerhautmoment hervorriefen. So viele leisten so viele unbezahlte Helferstunden. Diese zu summieren, ist wohl fast unmöglich. Kein Wunder, bedankt sich OK-Chef Urs Näpflin bei jeder Gelegenheit bei allen seinen Helfern. Auch Bundesrat Alain Berset nutzte das kurze «Platzinterview» im Girmschbiel richtig: «Ich danke den Freiwilligen, sie haben sehr stark gearbeitet», sagte er kurz und knapp.

Berner Oberländer

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