Höher fliegen geht kaum mehr

Saanen

Das Gstaad Menuhin Festival hat letztes Jahr nochmals alle Rekorde gebrochen. Mit dem Thema «Paris» gibts ein mutiges Programm. Im Wissen: Höher geht wohl nicht mehr.

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Das Motto «Les Alpes» passte letztes Jahr wie kein zweites. Das Staraufgebot mit Jonas Kaufmann, Juan Diego Flórez und David Garrett passte ebenfalls – auch wenn Letzterer dann wegen einem Bandscheibenvorfall absagen musste. Zwei Zeltkonzerte waren ziemlich rasch ausverkauft. Die Kasse klingelte. Die Zuschauer kamen in Scharen. Über 23'000 waren es, die der 62. Ausgabe des Gstaad Menuhin Festivals Folge leisteten. Das gab nochmals einen oben drauf, nachdem sich die Besucherzahlen in den letzten Jahren der 20'000er-Grenze angenähert und diese dann sukzessive überschritten hatten. Kann man das noch toppen?

7-Mio.-Grenze überschritten

Aldo Kropf, der Verwaltungsratspräsident der Gstaad Menuhin Festival und Academy AG, sprach an der Generalversammlung (GV) im Hotel Landhaus in Saanen am frühen Montagabend vom «wohl erfolgreichsten Festival». «Das Gesamtbudget von Festival, Academy, Gstaad Festival Orchestra, Gstaad Digital Festival und Kinderprojekt Discovery hat mittlerweile die 7-Millionen-Grenze überschritten», sagte er. «Dieses Jahr konnten alle geplanten Rückstellungen getätigt werden und wir realisierten einen Gewinn von rund 9500 Franken», tat er in seinem Jahresbericht kund. Kropf kann zufrieden feststellen: Das Festival steht auf gesunden Beinen. In der Jahresrechnung 2017/18 – durch Linda Bieri von der Ribo Treuhand AG präsentiert – stach besonders der positive Kartenverkauf ins Auge: Dieser war von 1,313 Millionen Franken aus dem Vorjahr auf 1,618 Millionen Franken angewachsen.

Rund 500 freiwillige Helfer

Die Ticketeinnahmen decken rund einen Drittel der Kosten. Darum ist Aldo Kropf auch froh und dankbar, auf Aktionäre, Sponsoren, Mäzenen, Stiftungen, Festivalfreunde und die öffentliche Hand zählen zu können. Und natürlich auf die engagierten Mitstreiterinnen und Mitstreiter in der Geschäftsstelle sowie den verschiedenen Mandatsträgern und den rund 500 freiwilligen Helferinnen und Helfern, die das Festival zu dem machen, was es ist. Thomas Frey, Hotelier und Vertreter des Saaner Gemeinderats, brachte es an der GV auf den Punkt: «Ich möchte nicht wissen, wie die Hotellerie dran wäre ohne das Festival.»

Mutiges Programm

Einer, der das erfolgreiche Programm verantwortet, durfte im Kreis der 25 Anwesenden nicht fehlen: Intendant Christoph Müller weibelt schon auf Hochtouren für die 63. Ausgabe, die sich dem Motto «Paris» verschrieben hat. Und somit bekannte Kompositionen aus unserem westlichen Nachbarland zum Erklingen bringen wird. Eine Festivaldelegation war jüngst in der französischen Metropole, um mit einem Konzert und tags darauf einer Medienkonferenz für die Perlen im Saanenland zu werben. Sol Gabetta, Vilde Frang und Bertrand Chamayou müssen die rund 35 Journalisten vor Ort bezirzt haben. Das mediale Interesse könnte gross werden.

Ob auch das zahlkräftige Publikum Neugier für Bizet, St. Saëns, Ravel und Co. aufbringt, wird sich zeigen. CEO Müller spricht jedenfalls von «einem der mutigeren Programme in meiner Zeit als Intendant». Er hofft mit dem aufgebauten Vertrauen, interessanten Programmierungen und hochkarätigen Besetzungen zu punkten – auch ohne die absoluten Topstars und ohne die fast durchgängig populären Werke des letzten Sommers. Christoph Müller und Aldo Kropf wollen an die starken Werte von 2016 und 2017 anknüpfen – wissend, dass man weiterhin hoch fliegen wird, aber nicht unentwegt und grenzenlos noch höher fliegen kann.

Berner Oberländer

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