Hinger em Ladetisch

Spiez

Fröhlicher Rollentausch im Bücherperron Spiez: Während die Chefin Hanni Meinen Peternell zwecks Weiterbildung in Leipzig weilte, feierte ein Teil ihrer lesefiebrigen Stammkundschaft während insgesamt dreier Nachmittage seine eigene kleine Buchmesse.

Im Element: Musikerin und Bücherwurm Ursina Humm Zürcher (2. v.?l.) übt sich unter Aufsicht von Johanna Suter (l.) im Einkassieren. Monika Lanz (2. v.?r.) und Kundin Evi Hürlimann (r.) schauen interessiert zu.<p class='credit'>(Bild: Nadja Keiser)</p>

Im Element: Musikerin und Bücherwurm Ursina Humm Zürcher (2. v.?l.) übt sich unter Aufsicht von Johanna Suter (l.) im Einkassieren. Monika Lanz (2. v.?r.) und Kundin Evi Hürlimann (r.) schauen interessiert zu.

(Bild: Nadja Keiser)

Frontenwechsel – und das in meinem erklärten Lieblingsgeschäft! Ehrlich, etwas Respekt hatte ich schon vor der Aufgabe. – Oh nein, nicht wegen des Handlings der Kasse oder aus purem Lampenfieber. Aber allein der Gedanke, während eines ganzen Nachmittags von Büchern umgeben zu sein und nicht darin zu schmökern – unvorstellbar!

Wie oft wollte ich doch schon den Estrich aufräumen und wurde nach Stunden von hungrigen Söhnen gefunden, dem Sog erlegen, friedlich unter der Dachschräge kauernd und in eines meiner alten Jugendbücher vertieft. Da sehen Sie nur. Doch, oh Wunder – es gelang. Nicht zuletzt dank der überaus tüchtigen Lernenden Johanna Suter. Die angehende Buchhändlerin im ersten Lehrjahr versorgte mich und meine beiden Mitstreiterinnen Nadja Keiser und Monika Lanz kompetent und mit pädagogischem Geschick nonstop mit Informationen und Arbeit. So fand ich mich alsbald mit der Neugestaltung des Ostertisches betraut, während Nadja und Monika beim Einordnen von Neuzugängen laufend das Alphabet neu erfanden.

Da bimmelte auch schondie ­Türglocke eine Variation von ­Beethovens Fünfter. Kundschaft! ­Verständnisvoll lächelnd, erklärte sich die nette Dame bereit, von ihren bestellten Büchern je eines in bar und eines mit der Kreditkarte zu bezahlen. Zu Übungszwecken. Ach, wie waren wir glücklich, wenn wieder ein korrekter Kassenbon in die Schublade und ein zufriedener (und wohl reichlich amüsierter) Kunde aus dem Geschäft wanderte!

Fast etwas zu schnellverging unsere Schicht, bereits spähte die Ablösung über die Schulter, um von der Vorgängerin zu lernen. Bevor ich mich doch noch etwas dem Schmökern widmete, wollte ich von Johanna wissen, wie sie mit der originellen Aktion ihrer Chefin umgehe. Johanna war erfrischend ehrlich: «Ich habe sehr viel Verantwortung und ­längere Präsenzzeiten. Aber es ist auch toll, sturmfrei zu haben und schon mal den Ernstfall proben zu können.»

Mit der Idee,das Verkaufspersonal während ihrer Abwesenheit mit bereitwilligen Stammkunden zu ergänzen, zeigt Hanni Meinen Peternell, dass es ihr nicht an Einfällen mangelt, um das Bücherperron immer neu ins Gespräch zu bringen. Das ist auch gut so: Ab dem 1. Mai wird die Buchhändlerin das Bücherperron übernehmen und als Inhaberin weiterführen.

Berner Zeitung

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