Handelte ein Onkel missbräuchlich?

Ein 52-jähriger Mann steht seit Mittwoch wegen vermuteter sexueller Handlungen mit zwei Nichten in Thun vor Gericht. Bei einer Verurteilung droht ihm der Landesverweis.

Ein Mann steht in Thun vor Gericht, weil er seine zwei minderjährigen Nichten gegen ihren Willen an intimen Stellen berührt haben soll (Symbolbild).

Ein Mann steht in Thun vor Gericht, weil er seine zwei minderjährigen Nichten gegen ihren Willen an intimen Stellen berührt haben soll (Symbolbild). Bild: iStock

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Gerichtsverhandlungen sind öffentlich, und deshalb ist es auch möglich, darüber zu berichten. Hinter dem, was im Gerichtssaal verhandelt wird, stehen aber sehr viele Befragungen und Nachforschungen, die ganze Ordner füllen, die aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. So auch im gestrigen Verfahren.

Wie komplex die Familienverhältnisse sind, in denen die mutmasslichen sexuellen Handlungen mit Kindern stattgefunden haben sollen, ist jedoch zu erahnen.Angeklagt war ein 52-jähriger Mann aus Portugal, der seit 30 Jahren in der Schweiz lebt und arbeitet.

Betroffen waren zwei Schwestern, eine heute 20-jährige und eine heute 15-jährige Frau. Sie sind die Nichten des mutmasslichen Täters; er ist der ­Ehemann der Schwester ihrer Mutter.

Auslöser für das Gerichtsverfahren war der Umstand, dass der Onkel in der Vorweihnachtszeit 2016 die jüngere Schwester auf dem Sofa in seiner Wohnung unter dem Büstenhalter und am Bauch berührt und gestreichelt haben soll. Dieser Vorfall bewog die ältere Schwester, so sagte sie vor Gericht aus, den Onkel bei der Polizei anzuzeigen, um «Schlimmeres zu verhindern».

Dabei machte sie auch eine Anzeige in eigener Sache: Der Onkel habe sie 2011 oder 2012 an einem Ort in Thun unter dem Vorwand, ihr ein Spiel zu zeigen, ebenfalls sexuell berührt, am Hals geküsst und über den Kleidern Brust und Bauch gestreichelt. Er habe sie gefragt, ob es ihr gefalle. Als sie dies verneinte, habe er sie nach einem «Give me Five» in Ruhe gelassen.

Mehrere Personen befragt

Auf der Suche nach der Wahrheit in diesem Fall, in dem es keine direkten Zeugen gibt, befragte Gerichtspräsidentin Evelyne Salzmann am Mittwoch mehrere Personen. Die ältere der beiden jungen Frauen war Privatklägerin und Auskunftsperson. Unter den Zeugen war die älteste Schwester der jungen Frauen, die ihnen zur Anzeige geraten hatte. Diese ­Anzeige ist Ende Januar 2017 ­erfolgt.

Die Staatsanwaltschaft Berner Oberland beantragt als Sanktion eine Geldstrafe von 240 Tagessätzen und eine Landesverweisung von 5 Jahren. Im Zeugenstand war auch ein Cousin der jungen Frauen. Sie hatten ihm von den Vorfällen berichtet, aber er glaubte nach einer Rücksprache mit dem Angeklagten eher an dessen Unschuld.

Kompliziert wurde es bei zwei weiteren Zeugen, die in einem Schreiben bestätigt haben sollen, dass der Angeklagte 2011 oder 2012 gar nicht an dem Ort gewesen sein konnte, an dem die strafbare Handlung mit der älteren Schwester mutmasslich begangen worden war. Es wurde nicht klar, ob und was sie unterschrieben hatten.

Was war das Motiv?

Die Anwältinnen der beiden Frauen stellten in ihren Plädoyers die Glaubwürdigkeit der Aussagen der beiden jungen Frauen in den Vordergrund. Ihre Schilderung des Geschehens sei immer stimmig und detailliert gewesen. Sie hätten sich trotz de Wissens, dass es in der Familie Probleme geben werde, dafür entschieden, ein Unrecht anzuzeigen. Der Verteidiger plädierte im Namen des Angeklagten auf nicht schuldig.

Er suchte ­nach Anhaltspunkten, was die beiden ­jungen Frauen bewogen haben könnte, den Onkel zu bezichtigen. Ein Motiv könnte die Suche nach mehr Aufmerksamkeit sein, die die ältere Schwester insbesondere bei ihrem Vater hätte erwirken wollen. Das Urteil wird heute eröffnet. (Berner Oberländer)

Erstellt: 16.05.2018, 20:52 Uhr

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