Gipfeli statt Cervelats für die Muslime

Frutigen

Der IZRS lud zur Wanderung rund um das Frutiger Elsighorn. Die rund 30 Personen wurden von der Jungen SVP mit Gipfeli – anstelle der geplanten Cervelats – in Empfang genommen.

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Stefan Geissbühler

Sonntagmorgen bei der Talstation der Elsigenalpbahn in Elsigbach ob Frutigen: Mitglieder der Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) spannen Transparente mit den Parolen «Islamisierung stoppen» und «Eidgenossen schützen, IZRS stürzen» auf. Fabian Wyssen, Präsident der Jungen SVP Wahlkreis Berner Oberland, redet mit Journalisten. Eine Gruppe Christen beobacht die Szenerie, mehrere Kantonspolizisten halten sich im Hintergrund bereit.

Zum Protest gegen die Wanderung des Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS) und die «schleichende Islamisierung des Berner Oberlands» aufgerufen hatte letzte Woche Fabian Wyssen und sein Parteikollege Nils Fiechter. Man werde an der Talstation der Elsigenalpbahn Cervelats verteilen, so die Jungpolitiker.

«Wollen nicht provozieren»

Doch von Cervelats ist an diesem Morgen weit und breit nichts zu sehen. Auch von Mitinitiant Nils Fiechter keine Spur. «Wir sind von Cervelats auf Gipfeli umgeschwenkt, da sich viele kritische Stimmen aus der Region bei uns gemeldet haben», sagt Fabian Wyssen. Man wolle den IZRS nicht unnötig provozieren. «Wir wollen friedlich protestieren und das Gespräch mit diesen Leuten suchen», so Wyssen. Und wo ist Mitinitiant Nils Fiechter? «In den Ferien», so die lapidare Antwort.

Dann fahren mehrere Autos und Kleinbusse auf dem Parkplatz der Elsigenalpbahn vor. Rund dreissig Personen sind dem Ruf des IZRS gefolgt und wollen den Weg rund ums Elsighorn unter die Füsse nehmen – mit von der Partie auch IZRS-Präsident Nicholas Blancho. Die dreissig Personen gehen an den Pnos-Transparenten vorbei in Richtung Elsigenalpbahn.

IZRS-Generalsekretärin Ferah Ulucay trifft auf Fabian Wyssen. Sie kommen ins Gespräch. «Wir haben nichts gegen euch als Personen» sagt Wyssen, «aber wir wollen nicht, dass die Scharia hier eingeführt wird», sagt er. «Ich kenne keine einzige Person in der Schweiz, die das will», entgegnet die gebürtige Bernerin. Und jetzt wolle sie vor allem eines: Die Wanderung geniessen. Die dreissig Musliminnen und Muslime steigen in die Seilbahn und schweben nach oben.

«Die Leute sind willkommen»

«Diese Leute sind bei uns willkommen, aber wir wollen den Geist des Islam nicht», sagt der Adelbodner Christ Christian Zenger. Und: «Es ist kein Zufall, dass der Islamische Zentralrat diese Wanderung am Bettag durchführt», ist er überzeugt. In dieselbe Kerbe haut Yannic Nuoffer, Vorsitzender Pnos Kanton Bern: «Wir sind mit der Weltanschauung des radikalen IZRS nicht einverstanden», sagt er. Die Pnos suche das Gespräch mit den Muslimen nicht, sondern protestiere still.

Alles bleibt ruhig

Und die Polizei? Sie verzeichnet einen ruhigen Einsatz. «Wir wurden von verschiedener Seite her auf den Anlass aufmerksam gemacht», stellt ein Kantonspolizist fest. Und: «Wir helfen zu vermitteln.» Das ist an diesem Sonntagmorgen aber nicht nötig, und auch nach der Rückkehr der IZRS-Wandergruppe sind keinerlei Zwischenfälle zu verzeichnen, wie ein Mediensprecher der Kantonspolizei am Abend auf Anfrage sagt.

Berner Oberländer

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