«Es ist ein einmaliges Schiessen»

Guttannen

Trotz seiner relativ kurzen Geschichte ist das Schlachtgedenkschiessen an der Grimsel zu einer Tradition für Schützen und Schiesssportfreunde geworden.

Schlechtwettervariante am Grimselschiessen: Vierfrucht-Regenschutz bei den Buchholterberg-Schützen.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Am 14. August 1799 lieferten sich Franzosen und Österreicher auf der Grimsel eine blutige Schlacht. Die Guttanner Bevölkerung litt, weil die Soldaten im Dienst Frankreichs sich auf dem Weg auf die Grimsel holten, was sie brauchten. Ein Käselager auf Handegg, das sie damals fanden und plünderten, ist heute noch zu sehen.

1999 wurde eine Schlachtgedenkfeier organisiert, wobei Versöhnung, Frieden und Freiheit im Zentrum standen. Die Feldschützen Guttannen trugen mit einem Schiessen zur Feier bei. Der Aufwand war gross, die Anlage in einer romantischen Alpenlandschaft gut ausgedacht. Die Guttanner suchten Verbündete, um das Schiessen in die Zukunft zu führen. Sie fanden sie bei den Schützen von Innertkirchen, Schattenhalb, Balm, Unterbach und Hasliberg.

Seither organisiert eine Kommission unter der Leitung von Peter von Bergen das Schiessen, das sich seit 2015 offiziell als «historisches Schiessen» bezeichnen darf, wie Murten, Morgarten, Rütli, Sempach oder Grauholz.

Ohne seidene Fahnen

In der Schönwettervariante wehen jeweils die seidenen Fahnen der sechs Schützengesellschaften, hauptsächlich in Rot-Schwarz-Gold, auf einem der grossen Felsbrocken auf der grünen Alpweide vor dem blauen Himmel. Droht wie am Dienstag Regen, lassen die Gesellschaften ihre teuren Fahnen zu Hause.

Dafür gibts Schützen, die unter militärischem Tarnregenschutz schiessen, wenns nötig ist. Die 57 Gruppen zu je acht Schützinnen und Schützen, die am Dienstag am 19. Grimselschiessen teilnahmen, hatten gemischtes Wetter; vernebelt waren aber die 16 Scheiben am Berghang nie. «Es ist ein einmaliges Schiessen in der Bergwelt», sagte Nationalrat Werner Salzmann, Präsident des Berner Schiesssportverbands.

In seiner Ansprache vertrat er vehement Schützenanliegen. Er kündigte ein Referendum an, wenn das neue Waffenrecht das Sturm­gewehr zur illegalen Waffe erklären sollte. Grossrätin Madeleine Amstutz aus Sigriswil lobte die Freiwilligenarbeit, welche die Schützen leisten.

«Etwas Ungefähres»

Zweimal hat bisher am Grimselschiessen ein Schütze jedes Mal ins Schwarze getroffen: Robert Seematter aus Saxeten 2008 und Christian von Bergen aus Guttannen 2010. Heuer erzielte Noë Bächler (Jahrgang 2001) aus Liebistorf-Kleinbösingen traumhafte 49 Punkte. Abzugeben auf die 383 Meter entfernte Scheibe sind zehn Schüsse, einer einzeln, drei im Kurzfeuer und sechs im Schnellfeuer.

Bei den vier ersten Schüssen schaut ein Helfer mit Feldstecher genau, wo die Zeiger hoch oben am Berg ihre Kelle hinhalten, damit der Schütze weiss, ob er ein bisschen zu hoch, zu tief oder zu seitlich getroffen hat.

Doch was macht einen guten Grimselschützen aus? Anita Bieri, Mitglied der Schützengesellschaft MIU (Matten, Interlaken Unterseen), hat am Dienstag ausgezeichnete 47 Punkte geschossen. «Es hat fast ein bisschen etwas Ungefähres, manchmal liegt man zum Beispiel auf einer Grasmutte und muss sich einrichten», sagte sie. Der Preis für die Besten ist eine Hellebarde , die Christian Isler, ehemaliger Dorfschmied von Aeschi, für die Grimselkommission schmiedet.

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