«English Lounge» mit Suspense

Wilderswil

In der Bibliothek gab die kanadische Autorin Hannah Mary McKinnon Einblicke in Handwerk und Kunst des Schreibens – und in eine Liebe, die in ihrer Kindheit auf dem Bödeli erwachte.

So geht «Suspense»: Hannah Mary McKinnon las in der Bibliothek Wilderswil aus ihren neuesten Büchern.

So geht «Suspense»: Hannah Mary McKinnon las in der Bibliothek Wilderswil aus ihren neuesten Büchern.

(Bild: Sibylle Hunziker)

Eine Frau sucht via Radio die Eigentümerin eines Rings, den sie auf dem Spielplatz gefunden hat. Ein Aufruf, den viele Hörer bei der nächsten Einspielung wohl schon wieder vergessen haben. «Doch was, wenn die Frau die Eigentümerin findet?», fragte sich Hannah Mary McKinnon. «Und was, wenn diese Frau ein fabelhaftes Leben führt, um das die Finderin sie beneidet?» Aus dem Einfall entstand der Roman «Sister Dear», der nächstes Jahr erscheint.

Blick hinter die Kulissen

Was zwischen einer ersten Idee und einem fertigen Buch passiert, erzählte die kanadische Autorin im Gespräch mit den zahlreichen Besucherinnen (und wenigen Besuchern) der speziellen «English Lounge» am Mittwoch in der Bibliothek Wilderswil.

Unterhaltsam berichtete sie von den Erfahrungen einer Autorin auf der Suche nach einem Verlag für ihr Erstlingswerk oder von den zahllosen Überarbeitungen, die eine Geschichte braucht. Oder von der schmerzvollen Erfahrung, wenn die Lektorin ganz nüchtern eine wundervolle Szene streicht, weil sie nichts zur Entwicklung der Geschichte beiträgt.

Wie sie auf ihre Themen kommt, wollten die Zuhörerinnen von der Autorin wissen, wie ein Buchtitel entsteht, woher sie die Namen für die Personen in den Büchern nimmt, wie es beim Verkauf von Filmrechten zugeht, wie lange sie an einem Roman schreibt, was sie selbst gern liest – und natürlich, wie sie zum Schreiben gekommen ist.

Oberländer Aufsätze

In der Schule wünschte sich die junge Hannah nichts mehr als Aufsätze schreiben – zum Leidwesen der Mehrheit ihrer Klasse. Das erzählte Hannah McKinnon(-Abplanalp) auf Berndeutsch, denn mit ihrem Vater, der aus Brienzwiler stammt, und ihrer englischen Mutter lebten Hannah und ihre Schwester meist auf dem Bödeli.

Nach ihrer Zeit als Au-pair in Genf, einer KV-Ausbildung und arbeitsintensiven Managementerfahrungen zog McKinnon mit ihrer Familie nach Kanada und wandte sich ganz ihrer Liebe, dem Schreiben, zu.

Dass ihre Romane Familiengeschichten und «Suspense» verbinden, liegt an McKinnons Interesse für Menschen und für die Beziehungen, die Menschen und ihre Wahrnehmung, ihr Handeln und Reden formen. Wie sich ein Beziehungsgeflecht mit einer facettenreichen Sprache präzise beschreiben und so Spannung erzeugen lässt, zeigten zwei kurze Lesungen aus «The Neighbors» und «Her Secret Son».

Open End

Nach der Lesung, die von der Bibliothek Wilderswil und der Buchhandlung Bödeli organisiert worden war, wollten die Zuhörerinnen die Autorin noch lange nicht gehen lassen. Mussten sie auch nicht; Bibliotheksleiterin Margrit Gertsch und ihr Team hatten für Verpflegung und den Schlüssel gesorgt.

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