Erlenbach

Eisfischen: «Das Schönste ist das Drumherum»

ErlenbachIrgendwie bissen die Forellen am achten Eisfischwettbewerb am Stockhorn ob Erlenbach nicht so richtig an: Viele der 45 Teilnehmer gingen diesmal leer aus.

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Wer fischt die längste Regenbogenforelle aus dem Hinterstockensee? Zum achten Mal stand der Eisfischwettbewerb am Stockhorn an. Bereits in der Bahngondel fielen die Wettkämpfer auf: individuell vermummt und mit filigranen Fischruten, die irgendwo aus Rucksäcken ragten.

Der Kanton Bern meint es gut mit den Eisfischern. Auf seiner Website (www.vol.be.ch) mahnt er zum Beispiel, dass eine starke Sonnencreme in den Rucksack gehöre. Und er gibt einen Tipp: «Normalerweise ist das Fischen mit der Hegene die ‹fängigste› Angeltechnik.»

Für nicht so erfolgreiche Angelfischer hält er zudem einen Trost bereit: «Beim Eisfischen ist das ganze Drumherum am schönsten. Man fährt mit Freunden in die Berge, richtet sich gemütlich ein und geniesst fischend die verschneiten Berge.» Im Fall vom Hinterstockensee sind dies der Laseberg und das Cheibenhorn. Dunkle Tannen, Sonne, der verschneite See, viele Spuren, Grüppchen von Fischern: Die Atmosphäre stimmte.

Keinen kantonalen Tipp gibts, wie das Loch ins Eis kommt. Das zeigten Fischereifachmann Markus Steffen und Toni Brunner, der am Engstlensee mit einem 103 Zentimeter langen kanadischen Seesaibling einen Schweizer Rekord erzielt hat. Die beiden betreuen die 45 Wettbewerbsteilnehmer. Mit einem grossen Handbohrer mit einer Spirale wird die gut 30 Zentimeter dicke Eisschicht durchbohrt.

Mit einer Kelle schöpft man abgesplitterte Eisstücke ab. Die Angelrute kann versenkt werden. Als Köder dienen Bienenmaden oder ein bisschen Poulet. Und manchmal fällt das Wort Knoblauch, als Duftnote für Forellen anscheinend ein Geheimtipp.

Der Hinterstockensee ob Erlenbach ist 17 Meter tief. «Die Fische halten sich meist eher oben im Wasser auf», weiss Markus Steffen. Gefischt werden ­eingesetzte Regenbogenforellen, heimisch im Bergsee sind nur Elritzen. Unter der Eisschicht ernähren sich die ursprünglich aus Nordamerika stammenden, robusten Fische von Plankton und Larven und bewegen sich eher auf Sparflamme. Fische im See hat es auf sicher. «Auf den Winter hin haben wir zweimal 120 Kilo eingesetzt», sagte Michael Künzi, Marketingchef der Stockhornbahn.

Am Wettbewerbstag haben sie sich anscheinend ziemlich gut versteckt. Nach der Wettbewerbsdauer von vier Stunden wurden der Jury nur zehn Fische vorgelegt, schön eingepackt in ein Küchentuch. Viele Eisfischer waren alte Bekannte. Zum Beispiel Jan Sollberger und Tobias Näpflin, die im Vorjahr mit nacktem Oberkörper fürs Foto posiert haben, oder der Erlenbacher Rolf Wyssmüller, der 2013 den Wettbewerb gewonnen hat. Damals sass er etwas auf Nadeln, denn die Geburt des zweiten Kindes stand kurz bevor.

Zum Eisschöpfen benützt er eine Militärsuppenkelle, und mit dieser lassen sich auch die gefangenen Forellen betäuben. Er fing dieses Jahr die zweitlängste Forelle. Hans Peter Steffen aus Hilterfingen hat den Eisfischtag am Stockhorn geschenkt bekommen. Er genoss den Tag und freute sich, wenigstens eine Forelle gefangen zu haben.

Die «alten Hasen» unter den ­Hinterstockensee-Forellen hatten sich wohl gut versteckt. Die Fangmasse der Siegerfische lagen zwischen 32 und 33 Zentimeter, der Sieg war also eine enge Sache. Zwei Preise gingen an Elliott Frison und Nathalie Zeller, beides Frauen aus der Romandie. (Berner Oberländer)

Erstellt: 29.01.2017, 18:38 Uhr

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