Eine neue Stockhorn-Bahn zum Geburtstag

Erlenbach

Nach rund dreieinhalb Monaten Bauzeit wurde am Samstag pünktlich zum Saisonstart der Stockhornbahn die neue Pendelbahn zwischen der Tal- und der Mittelstation eingeweiht.

Die neue Pendelbahnkabine fasst maximal 52 Personen und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 9 Metern pro Sekunde.

(Bild: Kerem S. Maurer)

Am Samstag um 7.15 Uhr begrüsste Alfred Schwarz, Geschäftsführer der Stockhornbahn AG, bei Kaffee und Gipfeli die zur Jungfernfahrt geladenen Gäste aus regionaler und kantonaler Politik und Wirtschaft sowie Vertreter der Bäuerten und Grundbesitzer, über deren Land die Bahn schweben darf. «Ohne euch wären wir heute nicht hier, und die Bahn könnte ihr 50-Jahre-Jubiläum nicht feiern», sagte Schwarz.

Er versprach eine erste Fahrt in der neuen Bahn «mit einem Blick aus der Kabine, der Freude macht, weil man plötzlich Sachen entdeckt, die vorher versteckt waren.» Er warf einen Blick auf das bewegte Geburtsjahr der Stockhornbahn mit seinen Studentenunruhen, den Bürgerrechtsbewegungen und der allerersten Fahrt von Erlenbach zum Chrindi im Juli 1968.

Lautloses Schweben

Nach der geschichtsträchtigen Durchtrennung des roten Bandes, welche die eigentliche Eröffnung der neuen Pendelbahn symbolisierte, gelangten die ersten Gäste in die Panoramakabine und bestaunten den Komfort. Die Kabinen sind weniger hoch, sodass man sich gut an den Deckengriffen festhalten kann, die Ellbogenfreiheit bei maximaler Auslastung mit 52 Fahrgästen ist deutlich grösser als bisher. Die Panoramafenster, die fast bis an den Boden reichen, halten, was Alfred Schwarz versprochen hatte.

Beinahe geräuschlos und bemerkenswert sanft setzte sich die Kabine in Bewegung. «Wir haben das Rollwerk von 24 Rollen auf 16 reduziert, dadurch haben wir deutlich weniger Abrollgeräusche», erklärte Kurt von Allmen, Betriebs- und technischer Leiter der Stockhornbahn AG. Die ausgeklügelte Technologie macht sich auch bei der Fahrt über die Masten bemerkbar. Federleicht und elektronisch gesteuert, schwingt die Kabine kaum merklich aus und macht die rund achtminütige Fahrt zu einem echten Hightecherlebnis.

Die neue Bahn erreiche eine maximale Geschwindigkeit von 9 Metern pro Sekunde, die über die Masten auf 5,5 Meter gedrosselt werde, erklärte von Allmen weiter. Doch dieses Tempo werde nur in absoluten Spitzenzeiten angestrebt. Im Normalfall werde die Bahn mit 7 Metern pro Sekunde betrieben. Die Förderleistung wird mit 312 Personen pro Stunde ange­geben. Im Chrindi angekommen äusserte sich ein Fahrgast euphorisch: «Die Bahn louft sydefiin!»

«Schweizer Topprodukt»

In seiner Ansprache in der Mittelstation zu den Meilensteinen der neuen Bahn warf Ueli von Niederhäusern, Verwaltungsratspräsident der Stockhornbahn AG, einen humoristischen und teilweise ernsten Blick auf 50 Jahre Bahngeschichte, die er hautnah miterlebt hatte. Es habe auch schwierige Momente gegeben, man habe zweimal praktisch vor dem Aus gestanden, und die aus wirtschaftlicher Sicht notwendige Schliessung des Skiliftes am Lasenberg habe 2004 in Erlenbach beinahe zu einem Bürgerkrieg geführt.

Man sei in Erlenbach im Simmental stolz auf seinen «markanten Voralpengipfel» und habe in den letzten 50 Jahren mit Herzblut, Hingabe und Liebe zum Stockhorn alle Hindernisse in gemeinsamen Anstrengungen bewältigt. Heute präsentiere man mit Stolz «eine hochmoderne Pendelbahn, die ein richtiges Schweizer Topprodukt ist». Gebaut wurde die Seilbahn von Garaventa, die Kabinen lieferte die CWA Construction SA, die elek­trische Steuerung stammt von der Sisag AG.

Berner Oberländer

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