Grindelwald

Ein Sonnennest im grünen Ozean

GrindelwaldAn der Landart in Grindelwald nehmen zwölf Mannschaften aus der ganzen Welt teil. Noch bis morgen Abend bleibt Zeit, ein vergängliches und natürliches Kunstwerk in den Wald zu setzen.

Heidi Brawand aus Grindelwald ist mit ihrem Sonnennest beschäftigt.

Heidi Brawand aus Grindelwald ist mit ihrem Sonnennest beschäftigt. Bild: Christoph Buchs

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Für die meisten Spaziergänger ist es einfach nur ein Wald an der Lütschine beim Golfplatz Aspi. Die Landart-Künstler betrachten die lauschigen Grünflächen schon anders. Das müssen sie auch; schliesslich ist ihre Kreativität gefragt. Und es bleibt nur eine knappe Woche Zeit.

Bis dahin haben die Teilnehmer der Landart Grindelwald ihre Ideen umgesetzt. Und aus natürlichem Material der Umgebung – hier sind die Regeln ziemlich strikt – etwas erstellt, das so lange dort bestehen bleibt, bis die Natur es sich zurückholt. «Zum Teil erkennt man noch die Kunstwerke der vergangenen Jahre», so Mitorganisatorin Marianne Scheitlin. Sie erklärt auch, dass die meisten Teilnehmer Floristen sind.

Eine dieser Floristinnen ist Heidi Brawand, die im örtlichen Blumengeschäft arbeitet. Zusammen mit Erwin Bernhard bildet sie das Team Grindelwald, eines von drei Schweizer Duos im international besetzten Feld. Sie setzen ein überdimensionales Vogelnest in die Landschaft und nennen es Sonnennest.

«Ganz zum Schluss stecken wir für jedes teilnehmende Team eine Sonnenblume rein», sagt Heidi Brawand. Die Blumen stehen symbolisch für das sommerliche Wetter, das leider dieses Jahr während der Landart nur spärlich eingesetzt hat. Arbeiten bei Regen gehöre dazu, erklärt die Grindelwalderin bestimmt. «Man muss sich halt entsprechend anziehen.»

Das italienische Duo Gabriele Meneguzzi und Vincenzo Sponga hat im grünen Wald sofort einen Ozean erblickt und ist dabei, Surfbretter aus Tannzweigen zu basteln. Vom Wasser inspirieren lassen haben sich auch Li-Hui und Janson Chen, das taiwanische Duo. «Segeln bedeutet Freiheit», sagt Janson und deutet auf seine hölzernen Tücher. Bis Ende Woche sollen noch ein paar mehr dazukommen.

Janson Chen aus Taiwan arbeitet an den Komponenten für sein Segelschiff. Bild: Christoph Buchs

Rangliste gibt es übrigens keine: Am letzten Tag gibt es einen geführten Rundgang, bei dem die Teilnehmer ihre Kunstwerke vorstellen. Initiant ist der künstlerische Leiter Peter Hess, ein international anerkannter Vegetationsplastiker mit eigenem Atelier. Aus einem Kurs, den er mit russischen Teilnehmern auf der First durchführte, entstand im Jahr 1999 die heutige Landart, die nun zum 18. Mal stattfindet.

Ein Naturfestival völlig fernab der kommerziellen Welt. Einem deutschen Team erteilte Hess eine Absage wegen Lohnforderungen. «Leider ist bei solchen Anlässen zunehmend mehr Geld im Spiel», sagt er. In Grindelwald sei dies anders: Der Landart-Verein gibt sämtlichen Teams am ersten Arbeitstag 150 Franken. «Davon kaufen sie sich vielleicht ein Souvenir. Am Schluss landet dieser Betrag wieder in Grindelwald.» Somit bringe der Anlass der Region auch etwas. Nicht nur optisch.

Die Landart in der Nähe des Golfplatzes Aspi endet am Samstag um 11.45 Uhr mit der Würdigung der Skulpturen. Weitere Informationen: www.landart-grindelwald.ch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.06.2016, 11:46 Uhr

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