Dorf will Schulhaus kaufen

Gimmelwald

Es soll wieder Leben ins Schulhaus einkehren. Die Gimmelwalder wollen eine Genossenschaft gründen, die das Gebäude kauft und saniert.

Das Schulhaus Gimmelwald steht mit verschlossenen Fensterläden da. Die IG Gimmelwald will das ändern.

Das Schulhaus Gimmelwald steht mit verschlossenen Fensterläden da. Die IG Gimmelwald will das ändern.

(Bild: Bruno Petroni)

Samuel Günter@samuel_guenter

An der Lauterbrunner Gemeindeversammlung im November versenkten die Gimmelwalder den Verkauf «ihres» Schulhauses. Dies, weil sie, wie es ein Votant ausdrückte, «um die einzigen öffentlichen Räume im Dorf» fürchteten. Dies sind die Gemeindestube im Schulhaus und der Schulhausplatz.

Nun wollen die Gimmelwalder beweisen, dass sie nicht nur Nein sagen, sondern auch konstruktive Lösungen bieten können: Eine Genossenschaft soll das Schulhaus kaufen. Treibende Kraft hinter diesem Ansinnen ist die IG Gimmelwald, der praktisch alle Dorfbewohner ­angehören. Der ehemalige Gross- und Gemeinderat Emil von Allmen ist Teil des achtköpfigen Kernteams.

«Ein Ort der Begegnung»

«Wir wollen das Schulhaus als Ort der Begegnung behalten», erklärt er. Es soll nicht in private Hände übergehen, sondern es soll wieder Leben einkehren. Als Schulstandort hat das Gebäude seit 2010 ausgedient. Und die ehemalige Lehrerwohnung steht leer. «Das Schulhaus steht mit geschlossenen Fensterläden trostlos in der imposanten Berglandschaft», meint von Allmen.

Damit dies möglich ist, braucht es aber Investitionen. Heizung und Dach müssen saniert werden, und auch die Wärmedämmung und die sanitären und elektrischen Anlagen bedürfen in der nächsten Zeit einer Überholung. «Am besten wäre natürlich, wir könnten alles auf einmal machen», meint von Allmen. Gleichzeitig soll die bestehende Wohnung saniert und weitere Mietwohnungen eingebaut werden. «Gimmelwald leidet stark unter der Abwanderung, und trotzdem hat es für Zuzugswillige keinen entsprechenden Wohnraum.»

Von Allmen rechnet mit Baukosten von mindestens 1,2 bis 1,5 Millionen Franken, je nachdem, ob der Estrich auch ausgebaut wird oder nicht. Dazu kommt noch der Kauf des Gebäudes. Beim Gemeindeversammlungsgeschäft wurde der Verkaufspreis mit rund 480'000 Franken be­ziffert.

Suche nach Genossenschaftern

Dies würde die finanziellen Möglichkeiten Gimmelwalds übersteigen. Eine Genossenschaft soll Abhilfe schaffen. Die IG sucht nun Zeichnungswillige. An sämtliche Haushalte in der Gemeinde Lauterbrunnen wurde ein Flyer mit Zeichnungsschein verschickt, und die Kerngruppe wird beim Markttag der Gimmelwalder Marktfrauen am Ostersamstag mit einem Stand beim Stägerstübli in Mürren vertreten sein und Fragen beantworten. «Verschiedene Zielgruppen haben wir direkt angeschrieben», erklärt von Allmen. «Etwa die Vereine und die Bergschaften, die ja auf die Gemeindestube und den Schulhausplatz angewiesen sind.»

Weitere Infos: Emil von Allmen (033 855 10 82, 079 332 98 44) oder unter www.schulhaus-gimmelwald.ch.

Berner Oberländer

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