«Die Schneeschmelze wird die Rutschgeschwindigkeit wieder erhöhen»

Kandersteg

Unter dem Gipfel des Doldenstocks rutscht eine ganze Bergflanke von einem halben Quadratkilometer Grösse. Ein grösserer Abbruch des Geländes könnte bis in den Oeschinensee gelangen.

Bis zu vier Millimeter rutscht das Gelände. Das sei aus geologischer Sicht enorm schnell, sagt Nils Hählen, Leiter der Abteilung Naturgefahren.<p class='credit'>(Bild: Bruno Petroni)</p>

Bis zu vier Millimeter rutscht das Gelände. Das sei aus geologischer Sicht enorm schnell, sagt Nils Hählen, Leiter der Abteilung Naturgefahren.

(Bild: Bruno Petroni)

Die Hälfte der 20 installierten Messspiegel ist verschneit. Trotzdem stellt die Abteilung Naturgefahren des Amtes für Wald des Kantons Bern fest, dass 50 Hektaren rund um den so genannten Spitzen Stein selbst im Winter bis zu vier Millimeter pro Tag im Rutschen begriffen ist. Deren Leiter Nils Hählen: «Das ist aus geologischer Sicht enorm schnell. Und der Rutschhang wird sich beschleunigen, sobald die Schneeschmelze viel Wasser ins Erdreich eindringen lässt.»

Er kündigt deshalb für den kommenden Sommer umfangreiche geologische Messungen an, die mehr über das Gesamtvolumen aussagen sollen, das momentan bis zu 15 Millionen Kubikmeter gross geschätzt wird. «Bei den geplanten Untersuchungen wird ein neuartiges Geo-Radar zur Anwendung kommen, und die Uni Freiburg will mit geophysikalischen Messungen mehr über den Rutschhang herausfinden», sagt Nils Hählen. Probebohrungen direkt im Gelände seien auf Grund der hohen Rutschgeschwindigkeit nicht möglich: «Sobald man 50 Meter tief gebohrt hätte, wäre das Loch an der Oberfläche bereits wieder zu.»

Bis zur Kander hinunter?

Ein grösserer Abbruch des Geländes könnte bis in den Oeschinensee oder via Oeschibach in Richtung Siedlungsgebiet gelangen. Die Reichweite von Abbrüchen ist vom Massenvolumen abhängig. Im schlimmsten Fall könnte sich der Wirkungsraum bis in den Bereich Zilfuri ausbreiten, wo sich unter anderem das Kraftwerk und die Wasserversorgung befinden. Auch weitere Faktoren wie Druckwelle, Splitterwirkung und Staubausbreitung sind zu berücksichtigen. Je nach Ablagerung und Niederschlagsmengen werden zeitlich etwas verzögert Murgänge erwartet, die Auswirkungen beidseits des Oeschibachs bis hin zur Einmündung in die Kander haben könnten.

Auch wenn das Eintreten des Worstcase-Szenarios zum heutigen Zeitpunkt unwahrscheinlich erscheint, greift das im letzten August aufgezogene Sicherheitskonzept aber nach wie vor. Und das Gebiet rund um den Oeschinensee ist weiterhin uneingschränkt begehbar, wie der Kandersteger Gemeinderatspräsident Urs Weibel auf Anfrage bestätigt.

Infoanlass am 4. April

Gemeinsam mit Experten informiert die Einwohnergemeinde anlässlich eines Informationsabend am 4. April um 20 Uhr im Gemeindesaal Kandersteg über Gefahren, Auswirkungen und Massnahmen rund um den rutschenden Spitze Stein.Bruno Petroni

Berner Oberländer

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