Die Hornisse, die nie fliegen wird

Die Luftwaffe lässt ein zweites originalgrosses F/A-18-Modell herstellen. Die Erfahrungen des ersten fliessen ein, damit die Ausbildung der Rettungsmannschaften im Umgang mit Waffen und Treibstoff realistischer gestaltet werden kann.

Spektakulärer Löschangriff auf einen Kampfjet F/A-18 auf dem Militärflugplatz Meiringen – dabei handelt es sich aber um das Ausbildungsmodell in Originalgrösse.<p class='credit'>(Bild: Urs Stoller)</p>

Spektakulärer Löschangriff auf einen Kampfjet F/A-18 auf dem Militärflugplatz Meiringen – dabei handelt es sich aber um das Ausbildungsmodell in Originalgrösse.

(Bild: Urs Stoller)

17 Meter lang, 11,7 Meter Spannweite, 4,6 Meter hoch. Von aussen ist fast nur von Profis und an der Immatrikulation X-5099 zu erkennen, dass da keine echte F/A-18 Hornet (Hornisse) auf dem Vorfeld steht. Es ist ein Mockup aus Holz, Metall und Kunststoff im Massstab 1:1. Seit 2013 wird es für die Ausbildung der Unfall­pikettmannschaften der Luftwaffe benutzt.

Da eine echte Hornisse empfindlich und teuer ist, kann damit nur eingeschränkt trainiert werden. Bei einem Bestand von heute noch 31 Maschinen ist zudem selten eine für das Training verfügbar. Der Ausbildungs- und Trainingsbedarf ist dennoch hoch, deshalb wird in Seftigen bei der Firma Hugo Wolf AG ein zweites überarbeitetes Modell gebaut (X-5098).

Die Einsatzszenarien

Die Hornet der Schweizer Luftwaffe trägt im Einsatz scharfe Waffen. Der Umgang damit ist nicht ungefährlich und wird laufend trainiert. Riskant wird es nicht nur für den Piloten, sollte eine Maschine eine Notlandung machen.

Die Einsatzkräfte des Unfallpiketts müssen die Kanone, die Lenkwaffen, die Täuschkörper gegen Lenkwaffen und den Kabinendach- und Schleudersitzabschuss zum Selbstschutz sichern, bevor die Rettung des Piloten beginnen kann. Andreas Willener, Chef Unfallpikett des Militärflugplatzes Meiringen, erklärt, wozu das Modell genutzt wird:

  • Flugunfallpikett: Ausbildung der Mannschaften in RS und WK sowie der Profiorganisationen auf den Flugplätzen. Anfahren an das Mockup mit den Löschfahrzeugen, Wassereinsatz, Sichern der Waffen und Piloten-Retten.
  • Flugzeugschlepper-Fahrer: Verschieben der Maschine in der engen Felsenkaverne.
  • Flugzeugbergung: Eine richtige F/A-18 benötigt einen 100- Tonnen-Pneukran zum Hissen. Das kann trainiert werden. Das Montieren des Hissgeschirrs erfolgt wie beim Original, und sollte dies mal am Mockup anstossen, so ist die Reparatur des Schadens nicht so teuer wie bei einer echten Hornet.

Willeners Fazit: «Mit dem Training am Mockup steigt die Erfahrung und die Qualität der Leute.» Mit Anpassungen wie neuer Software der Tablettsteuerung, einem echten Schleudersitz, einem hydraulisch einziehbaren Bugfahrwerk für «Nasenlandungen» sowie zusätzlichen Rauchgeneratoren im Bereich der Lenkwaffen wird die X-5098 «kampfwertgesteigert».

Wenn noch das geplante Brandausbildungszentrum auf dem Flugplatz Payerne realisiert wird, wird die Qualität der Ausbildung laut Willener «massiv verbessert». Aktuell erhalten die Soldaten zwar jeweils in der Rekrutenschule eine Woche Spezialausbildung in einem Brandausbildungszentrum in Holland, in den Wiederholungskursen ist dies aber nicht machbar.

Das Mockup im Bau

Hergestellt wird das Mockup von der Firma Hugo Wolf AG in Seftigen. Sie hat bereits das erste produziert. «Es stecken circa 10'000 Arbeitsstunden im Projekt. Die Baudauer beträgt 14 Monate», sagt Inhaber und Geschäftsleiter André Sommer.

Die Unterkonstruktion – also das Gerippe – besteht aus sogenannten Spanten, welche sich aus drei Schichtplatten Fichte zusammensetzen. Das Ganze wird mit Multiplexsperrholz beplankt. «Diese Werkstoffe sind sehr flexibel und angenehm zum Verarbeiten. Wichtig für die Beständigkeit, Langlebigkeit und Stabilität ist aber die Ummantelung mit Glasfaser und Kohlefaser. Der Verbund mit den Werkstoffen ist der Schlüssel.»

Das neue Mockup X-5098 wird auf dem Militärflugplatz Payerne stationiert, die ­X-5099 als mobiles Trainingsgerät auf den anderen Flugplätzen eingesetzt. «Durch die Auslieferung der zweiten Maquette werden sich die Strassentransporte der nicht flugtüchtigen Hornisse reduzieren», sagt Andreas Willener. Er ist sichtlich zufrieden, seine Verbesserungsvorschläge wurden beim Neubau mehrheitlich berücksichtigt.

Berner Oberländer

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