Beatenberg

Der treue Bähnler

BeatenbergEr arbeitet dort, wo andere ihre Freizeit geniessen: Christoph Hurst aus Beatenberg leitet den Betrieb der Niederhornbahnen. Bald wird er wieder die Schulbank drücken.

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Die Augen von Christoph Hurst fokussieren sechs Bildschirme, jeder zeigt einen Abschnitt der Strecke Beatenbucht–Beatenberg. Kein Baum ist auf die Geleise gekippt, kein Reh hat sich darauf verirrt: Hurst drückt am Kommandopult den roten Knopf, die Standseilbahn fährt los.

Seit 19 Jahren arbeitet Christoph Hurst, 45-jährig, aus Bea­tenberg, für die Niederhornbahnen. Zuerst verkaufte er Billetts und chauffierte die Standseilbahn auf den Beatenberg. Dank seinem erlernten Beruf Automechaniker übernahm Hurst zunehmend technische Aufgaben. «Autos und Bahnen ähneln sich in vielen Bereichen. Eine Schraube anzuziehen, funktioniert an allen Maschinen gleich.» Heute leitet er den Bahnbetrieb.

Kein Arbeitstag sieht gleich aus. Zwischen acht und achtzehn Uhr springt Hurst dorthin, wo es ihn braucht: «Von der Beatenbucht bis auf das Niederhorn, ich bin überall unterwegs.» Warten viele Leute am Ticketschalter, übernimmt er Aufgaben des Kassenpersonals, etwa die Freigabe der Bahn. Stehen Sicherheitskontrollen an, steigt er auf Masten und prüft die Seilrollen. In der Höhe geniesst er die Aussicht auf See und Berge.

Als Ausgleich zu seiner Arbeit setzt Christoph Hurst auf Sport: In der Männerriege Beatenberg spielt er Volleyball, im Stade de Suisse feuert er YB an. Am liebsten aber ist ihm das Eishockey. Nur wenn es nicht anders geht, verpasst er ein Heimspiel des SC Bern. Letztes Jahr reiste er ­sogar nach München, um sein Lieblingsteam in der Champions Hockey League zu unterstützen. Begleitet wird er von Kollegen aus Beatenberg. Oder von seiner Frau und der 18-jährigen Tochter: Dann nämlich, wenn sein 15-jähriger Sohn für das Nachwuchsteam des SC Unterseen-Interlaken verteidigt.

Knackpunkt Wetter

Etwa die Hälfte seiner Zeit verbringt Christoph Hurst in seinem Büro bei der Station Beatenberg. Das Bundesamt für Verkehr fordere immer wie mehr Dokumente, mit denen es den Bahnbetrieb nachvollziehen kann. «Zunehmen sollte die Büroarbeit nicht mehr. Lieber arbeite ich draussen auf der Strecke.» Doch auch dort kann es garstig werden. Selbst bei Regen und Sturm muss er manchmal raus, denn Fristen für Sicherheitskontrollen richten sich nicht nach dem Wetter.

Schwer fällt Christoph Hurst auch, zu entscheiden, wann der Wind zu fest weht, sodass er die Bahn nicht laufen lassen kann. Ein System warnt ihn ab einer Windstärke von 12 Metern pro Sekunde, ab deren 16 heult ein Alarm. «Oft vertraue ich auf die Einschätzungen meiner Mitarbeiter. Im Zweifel halten wir die Bahn lieber einmal zu viel an.»

Reklamationen von Passagieren gebe es in solchen Situationen selten. Anders bei schönem Wetter: Zu warm sei die Luft in der Kabine, zu lange die Schlange vor der Kasse oder zu gering die Zahl der Sitzplätze. «Älteren Leuten, denen ich nicht zumuten kann, dass sie stehen müssen, organisiere ich einen Sitzplatz.» Anderen rät er, nicht zu den Stosszeiten zu kommen, an Arbeitstagen etwa oder am Nachmittag. Auch wenn er nicht alle zufriedenstellen kann: «Ich mag den Kontakt mit den ­Gästen.»

Höchste Ausbildung

Ab September wird dieser Kontakt seltener. Viel mehr trifft er ab dann auf Mathematik, ­Elektrotechnik und technisches Zeichnen. Er will Seilbahnfachmann werden, den höchsten Beruf, den es im Bereich Seilbahntechnik gibt. «Ich spüre eine Unge­wissheit, wie es sein wird, nach 20 Jahren wieder zur Schule zu gehen. Aber die Vorfreude überwiegt.»

2 Jahre dauert die Aus­bildung in Meiringen, Teilzeit. Danach soll Hurst die technische Leitung der Niederhornbahnen übernehmen, mit der im Moment eine externe Firma betraut ist.

Wo arbeiten Sie? Wie arbeiten Sie? Im «Forum» stellen wir regelmässig Menschen in ihrem beruflichen Umfeld vor. Interesse? Melden Sie sich! redaktion@bernerzeitung.ch (Vermerk: «Mein Job»). (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.08.2018, 16:12 Uhr

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