Der nächste wichtige Schritt für die V-Bahn

Grindelwald

Ein Meilenstein für das V-Bahn-Projekt: Die Verbindungsstollen bei der Station Eigergletscher wurden am Freitag durchbrochen. Die Arbeiten laufen plangemäss.

Die letzten Zentimeter der Stollen für die künftige Bergstation des Eigerexpresses werden gesprengt. Video: Martin Bürki

Schneefall, beissende Kälte und ein brausender Wind: Die Verantwortlichen der Jungfraubahnen hätten sich am gestrigen Tag, an dem ein wichtiger Meilenstein des V-Bahn-Projekts erreicht wurde, zweifellos angenehmere Bedingungen gewünscht.

Und sie wurden zusammen mit Vertretern der beteiligten Baufirmen und Medienschaffenden auf eine Geduldsprobe gestellt. Die Züge hatten Verspätung – eine Folge des starken Windes und der notwendigen Schneeräumungsarbeiten.

Kurz vor 12 Uhr – rund anderthalb Stunden später als geplant – war es dann doch so weit: Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler betätigte höchstpersönlich den Zünder des Sprengsatzes. Mehrere kurz aufeinander folgende Knalle: Die letzten Kubikmeter Felsmasse aus den zwei Verbindungsstollen zwischen der künftigen Bergstation des neuen Eiger-Expresses sowie der Bahnstation Eigergletscher waren aus dem Berg gesprengt.

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Rund 40 Meter lang sind die Stollen – lang genug dafür, den Meilenstein mit dem Ritual der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Tunnelbauer, zu begehen. Arbeiter beglückwünschten sich gegenseitig zu diesem freudigen Ereignis. Man merkte: Die Sprengarbeiten auf über 2300 Metern über Meer bei oft widrigen Wetterbedingungen waren ein Kraftakt.

60 anstatt 30 Millionen

Richtig: Zwei Verbindungsstollen sind es. Nicht bloss einer wie ursprünglich angedacht. Dies aus einem einfachen Grund: «Die Reisenden sollen sich nicht kreuzen müssen», erklärte Urs Kessler. Somit gibt es je einen Stollen für die bergwärts und die talwärts reisenden Personen.

«Wir wollen in die Qualität investieren», so der Direktor der Jungfraubahnen. «Das Bauprojekt ist auf die nächsten 50 Jahre ausgelegt; da steht die Gästelenkung im Vordergrund.» Ein zusätzlicher Verbindungsstollen bedeutet auch höhere Kosten: Die Bauarbeiten auf dem Eigergletscher sind neu mit 60 anstatt 30 Millionen Franken veranschlagt.

Die Arbeiten an den beiden Verbindungsstollen begannen im vergangenen Juni. Am Freitag, ziemlich genau 9 Monate nach Beginn der Arbeiten, folgte der Durchstich, und zwar innerhalb des vorgesehenen Zeitplans. Keine Selbstverständlichkeit, denn die Bauarbeiten waren zwischenzeitlich zwei Monate im Verzug. Zusätzliche Kosten in Millionenhöhe wurden für Wintermassnahmen ausgelöst, um Zeit zu gewinnen.

Bauarbeiten auf Kurs

Das Werk bei der Station Eigergletscher ist natürlich noch nicht abgeschlossen. In den nächsten Wochen ist man hier mit Felssicherungsarbeiten beschäftigt. Ab April bis Dezember 2019 folgen die Betonarbeiten, um bis zur Fertigstellung Ende 2020 rechtzeitig mit dem Innenausbau sowie der Installation der Seilbahntechnik zu starten. Am 12. Dezember 2020 sollen die ersten Gäste mit dem Eiger-Express von Grindelwald Grund nach Eigergletscher transportiert werden.

Bereits am 14. Dezember dieses Jahres wird plangemäss die neue Gondelbahn von Grindelwald nach Männlichen eröffnet. Auch hier befänden sich die Bauarbeiten auf Kurs, sagt Urs Kessler. «Am 31. Juli wollen wir den Rohbau des Terminals Grindelwald Grund inklusive Bahnstation Rothenegg fertiggestellt haben.»

Nach einer langjährigen Planungsphase des 470-Millionen-Baus, der von diversen Einsprachen gebremst worden war, laufen nun offenbar zumindest die Bauarbeiten wie am Schnürchen. Auch Schneefall, beissende Kälte und brausender Wind haben der V-Bahn nicht viel entgegenzusetzen. «Ich hoffe, dass dies der letzte stürmische Tag für dieses Projekt war», so Kessler.

Berner Oberländer

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