Gadmen

Der Tunnel ist fast fertig saniert

GadmenDer Wasserfalltunnel unterhalb der Sustenpasshöhe steht vor seiner Fertigstellung. Die Sanierungsarbeiten sind schneller vorangeschritten als erwartet. Im nächsten Jahr ist der unterste Bäreggtunnel an der Reihe.

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Sustenpass, am Wyssenbach, exakt 2000 Meter über Meer: Es herrschen angenehme 14 Grad, kaum ein Lüftchen und prächtiger Sonnenschein. Neben dem bergseitigen Ostportal des Wasserfalltunnels stehen drei Herren in leuchtend orangen Sicherheitsjacken um aufgetürmte Steinplatten. Diese dienen als behelfsmässige «Bürotische».

Bausitzung draussen an der frischen Luft statt in einem stickigen Baucontainer.Die drei Männer sind: Paride Pizzoferrato vom Oberingenieurkreis, der Projektleiter Gesamtsanierung der Strassentunnel am Sustenpass; Thomas Bühler, Projekt- und Bauleiter der Bächtold & Moor AG Bern, und Sebastian Gasser, Bauführer der Gasser Felstechnik AG.

Zeitrückstand aufgeholt

«Ja, wir sind sehr zufrieden mit der Fertigstellung des Tunnels», sagt Gasser. Dies sei gar nicht selbstverständlich, da die Sanierungsarbeiten im Mai wegen Wintereinbrüchen erst am 11. Mai und mit zehn Tagen Verspätung beginnen konnten. «Dann stiessen wir beim Absenken der Fahrbahn auch noch auf massiven Fels, sodass wir gerade noch vor der Passöffnung mit sorgfältig kalkulierten Sprengungen 30 Kubikmeter wegsprengen mussten», erzählt Sebastian Gasser.

«Wir stiessen beim Absenken der Fahrbahn auf massiven Fels, sodass wir mit sorgfältig kalkulierten Sprengungen 30 Kubikmeter wegsprengen mussten.»Sebastian Gasser
Bauführer

Sorgfältig, weil das vor drei Jahrzehnten erbaute Tunnelportal aus Natursteinen durch die Druckwellen der Sprengungen keinesfalls Schaden nehmen durfte. Auch musste das neue Innengewölbe des Wasserfalltunnels mit einem Fundament abgestützt werden; ein solches war hier bisher noch nicht vorhanden, im Gegensatz zum weiter unten liegenden Gschlettertunnel, der letztes Jahr saniert worden ist.

Den Verantwortlichen gelang es, während der vergangenen 22 Wochen die zehn Tage Rückstand wettzumachen. «In den nächsten Wochen werden wir noch eine mehrere Meter grosse, alte Natursteinmauer abbrechen, die oberhalb des Westportals über dem Tunnel hängt», sagt Bauingenieur Thomas Bühler. Auch Fahrbahnkofferung und Randsteine werden vor der Wintersperre noch fertiggestellt, während der Deckbelag erst im nächsten Frühling aufgetragen wird: «Dazu ist es jetzt zu kalt», sagt Projektleiter Paride Pizzoferrato.

Der Kurventunnel wartet

Nun erstrahlt also ein Jahr nach dem Gschletter- auch der Wasserfalltunnel in neuer Frische. Und schon läuft die Vorbereitung zur Sanierung des untersten der drei Bäreggtunnel, die sich unterhalb des Steingletschers befinden. «Da es sich bei diesem um einen Kurventunnel handelt, wird dieser nicht wie die anderen eine Betonschalung, sondern eine Spritzbetonschicht bekommen», sagt Gasser.

«Und diese Arbeiten können wir wegen des Betonstaubs nur bei totaler Sperrung der Strasse ausführen», so Pizzoferrato. Auch soll die Fahrbahn des bis heute relativ engen Bäreggtunnels verbreitert werden, um künftig Streifkollisionen beim Kreuzen vermeiden zu können. Entsprechend wird für die Planer die Anpassung des Fundaments eine ­Herausforderung werden. Die Sanierungsarbeiten an der Bäregg werden im Frühling beginnen, sobald die Schneeräumung bis dort vorgedrungen ist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.10.2017, 06:19 Uhr

Der Sustenpass und seine 17 Tunnel

Die Sustenpassstrasse ist auf dem unteren Abschnitt bis Gadmen ganzjährig offen und befahrbar. Der obere Teil zur 2224 Meter hohen Passhöhe ist nur während fünf Monaten geöffnet.
Mit der Passöffnung verändert sich jeweils auch die Bedeutung der Strasse. So ist sie im Winter für Gadmen die lebenswichtige Verbindung zum Tal, während im Sommer der Tourismusverkehr in der Bergwelt über den Sustenpass dominiert. Die Sustenpassstrasse wird im Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz als Objekt von nationaler Bedeutung eingestuft.

Um den Fortbestand der unzähligen, überaus wertvollen Elemente der Passstrasse als weitgehend intaktes Ensemble zu erhalten, hat der Kanton Bern einen Richtplan erstellt und durch den Regierungsrat genehmigen lassen. Die Mitte der Vierzigerjahre gebaute Passstrasse ist mit 17 Tunneln bestückt. Diese wurden in den späten Achtzigerjahren mehrheitlich ausgeweitet und provisorisch mit Spritzbeton versehen. Teilweise sind Fundamente erstellt worden, damit später ein Betongewölbe und eine Längsentwässerung eingezogen werden können.

Bei den zwei untersten Tunneln (Wiler und Furen) ist die Innenschale vor 11 und 15 Jahren bereits ausgeführt worden. Im letzten Jahr wurde auch der Gschlettertunnel oberhalb von Gadmen total saniert. Entsprechend sind diese drei Tunnel in einwandfreiem Zustand, während bei den übrigen Galerien regelmässig Wasser von der Decke rinnt, was bei tiefen Temperaturen zu Vereisung an der Decke und vereisten Fahrbahnen führen kann.

Im nächsten Frühjahr beginnen die Sanierungsarbeiten im untersten der drei Bäreggtunnel unterhalb des Steingletschers und somit die dritte und letzte Etappe im Rahmen der mit sechs Millionen Franken veranschlagten Gesamtsanierung. Weitere Tunnel wie der Scheiteltunnel auf der Passhöhe und an der Grenze zum Kanton Uri sollen in einem späteren Indstandstellungsprojekt überholt werden, denn am Sustenpass sind noch ein Dutzend weitere Tunnel sanierungsbedürftig. bpm

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