Der Strom ist museumsreif

Schattenhalb

Elektrizität im Reichenbachtal: Die Stiftung Kraft und Wasser stellte an einer Soirée im Hotel ­Rosenlaui ihr Projekt für die ­Belebung des Kraftwerks Schattenhalb 2 vor.

Die Maschinen des Kraftwerks Schattenhalb stammen weitgehend von 1926 und sollen wenn möglich wieder in Betrieb genommen werden.<p class='credit'>(Bild: Christian Helmle)</p>

Die Maschinen des Kraftwerks Schattenhalb stammen weitgehend von 1926 und sollen wenn möglich wieder in Betrieb genommen werden.

(Bild: Christian Helmle)

Seit 2010 steht das Kraftwerk Schattenhalb 2 in der Nähe der Bergstation der Reichenbachfallbahn still. Wert ist es einen Franken, denn diesen Preis verlangt die Bernische Kraftwerke AG von der Stiftung Kraft und Wasser, die es übernommen hat und die es als nationales Denkmal für die Stromproduktion erhalten will.

Der Stiftungsrat setzt sich aus speziell für dieses Projekt engagierten Leuten und Mitgliedern der Regionalgruppe Interlaken-Oberhasli des Berner Heimatschutzes zusammen.

In der Anlage wurde aufgeräumt und geputzt. Am 25. September wurde das Projekt im Rahmen einer Soirée im Hotel Rosenlaui vorgestellt. Thema des Abends war die Geschichte der Elektrizität und des Bahnbaus im Reichenbachtal.

Ende des 19. Jahrhunderts waren Eisenbahn und Strom das angesagte Tandem für die Erschliessung der Bergwelt. Hunderte von Gipfeln und Pässen kamen ins Visier von innovativen Ingenieuren und forschen Geldgebern.

Radiojournalist Heinz Schild, bekannt auch als Initiant des Jungfrau-Marathons, stellte die waghalsigen Umwege vor, welche die damals von verschiedener Seite geplante Bahn über die Grosse Scheidegg hätte nehmen sollen: zum Bachalpsee oder gar aufs Faulhorn, wo ein besonders kühner Ingenieur einen Zeppelinlandeplatz und einen Militärflughafen vorsah.

Es begann mit Strom

Eine Basis war bereits gelegt. Pionier war der Schattenhälbler Elias Flotron-Willi. 1899 wurde die Reichenbachfall-Standseilbahn eingeweiht, der Wasserfall wurde beleuchtet. Eine kleinere Anlage produzierte Strom, bis 1909 die für den Bahnbau ausgelegte Zentrale in Reichenbach fertiggestellt war.

Da die Grosse-Scheidegg-Bahn auf sich warten liess, gabs nicht genug Abnehmer für den Strom. Deshalb wurde eine Karbidfabrik in Meiringen gebaut. Was dann wiederum zu Stromknappheit führte, und so entstand 1926 die Kraftwerkzentrale Schattenhalb 2. Der Maschinenpark in ihrem Innern ist weitgehend original erhalten, der bauliche Zustand ist gut, aber das Gebäude ist eher schwer zugänglich.

Deshalb plant die Stiftung jetzt einen einfachen Zugangsweg von der Bergstation der Reichenbachfallbahn aus. Die Baubewilligung ist erteilt. «Unser Wunschtraum wäre es, die Maschinen in der Zentrale in Bewegung zu zeigen», sagte Stiftungspräsident Simon Weiss. Dazu braucht es aber eine Wasserentnahme aus dem Reichenbach. Diese soll mit grösstmöglicher Rücksicht auf den Reichenbachfall erfolgen, wie Weiss orientierte.

Mit der Stromproduktion liesse sich der Betrieb des historischen Kraftwerks knapp finanzieren. Es zeigte sich am Abend, dass hier um Akzeptanz gekämpft werden wird. Gastgeber Andreas Kehrli stellte seine Arbeitskraft für Sanierung und den musealen Aspekt von Schattenhalb 2 zur Verfügung. Aber ohne Stromproduktion: Der Reichenbachfall soll nicht tangiert werden, ebenso wenig wie der Reichenbach weiter oben für den von der BKW AG geplanten Bau des Kraftwerks Schattenhalb 4.

Berner Oberländer

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