Der Mountain Drive No Limits kam in Fahrt

Erlenbach

Der Rundweg am Stockhorn bietet alles: Aussicht auf den Hinterstockensee und eine Reihe von Hörnern, Spiel- und Rastplatz. Er ist jetzt mit einem neu entwickelten Rollstuhl befahrbar.

Die 13-jährige Rollstuhlfahrerin Marlène Thomi bewältigt mit dem Elektro-Rollstuhl den steilen Weg vom Chrindi zum Seehüttli problemlos.

Die 13-jährige Rollstuhlfahrerin Marlène Thomi bewältigt mit dem Elektro-Rollstuhl den steilen Weg vom Chrindi zum Seehüttli problemlos.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Res Jutzeler aus Erlenbach hatte vor 20 Jahre im freiburgischen Sugiez eine Begegnung. Für eine Rollstuhlfahrerin gings am Fuss einer Treppe einfach nicht mehr weiter. Er wunderte sich: Mondlandungen waren möglich, aber für Rollstuhlfahrer waren Treppenstufen unüberwindbare Hindernisse.

Seither tüftelt er, zusammen mit Partnern in der JST Multidrive AG.Gestern nun wurde am Stockhorn einer Festgemeinde eine Weltpremiere vorgestellt. Ein Rollstuhl namens Mountain ­Drive No Limits Stockhorn ist entwickelt worden, und er erlaubt es, den Rundweg No Limits am Hinterstockensee zu befahren, trotz Steigungen von bis zu 32 Prozent, Kies, grösseren Steinen oder aufgeweichten Stellen.

Leistung von bis zu 700 Watt

Ein ausgetüfteltes System mit sechs Rädern machts möglich. Die Rollstühle wurden von den Firmen Espria GmbH und RCM Estech AG mitentwickelt. Sie haben einen batteriebetriebenen Elektromotor, der eine Leistung von bis zu 700 Watt hat. Sie lassen sich per Stick steuern, entweder vom Rollstuhlfahrenden selber oder von einer Begleitperson. Michael Ueltschi, Verwaltungsratspräsident der JST Multidrive AG, glaubt an die Entwicklung und erwartet, dass sie auch andernorts zum Einsatz kommt.

Die 13-jährige Rollstuhlfahrerin Marlène Thomi zeigte der ­Gesellschaft, wie gut sie auf dem Rundweg zurechtkommt und auch, dass die Fahrt echt Spass macht. «Let’s have fun» sei das Synonym von Multi-Drive, schreibt die Firma.

Alfred C. Schwarz begrüsst die Gäste «hoch zu Ross». Bild: Anne-Marie Günter

Maya Greuter, Präsidentin der Stiftung Cerebral, freute sich in ihrer Ansprache über die Neuentwicklung. Sie weiss, dass damit erstmals auf entspannte Art ein Bergerlebnis für die ganze Familie möglich wird. Die Stiftung übernahm die Kosten für drei der vier bunten Rollstühle, die jetzt am Stockhorn ausgeliehen werden. Den vierten spendete der Verein Freunde des Stockhorns.

Für Dora Andres, Präsidentin des 2014 gegründeten Vereins, passt das Angebot sehr gut zu den Vereinszielen: Er will das Kultur- und Erlebnisangebot am Stockhorn fördern. Der Rundweg ist dafür mithilfe von Sponsoren und Rotariern ausgebaut worden, die steile Stelle bei der Station Chrindi Richtung See wurde asphaltiert.

Beim 2016 erbauten Seehüttli hat die Stiftung Wasserzyt aus Spiez neu einen Brunnen bauen lassen. Bergwasser wird in einen aus einer grossen Weisstanne gemachten Trog eingeleitet. Ueli von Niederhäusern, Verwaltungsrat der Stockhornbahn, freut sich über die Entwicklung des Unternehmens, das nächstes Jahr 50 Jahre alt wird und zum Jubiläum die untere Bahnsektion vollständig erneuern wird. Die Stockhornbahn ist, wie Geschäftsführer Alfred C. Schwarz ausführte, die einzige Bahn, die einen Verleihservice von geländegängigen Rollstühlen betreibt.

Berner Oberländer

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