«Den Schlauch öffnen reicht nicht»

Interlaken

Der Verein Verkehrsinitiative ist überzeugt: Die Zeit ist reif für einen neuen Verkehrsrichtplan für Interlaken. Ebenso überzeugt sind die Initianten, die Abstimmung am 4. März zu gewinnen.

Bus und Velo, mehr ist im Schlauch nicht erlaubt. Die Verkehrsinitiative will ihn aber wieder für alle Verkehrsteilnehmer öffnen.

(Bild: Bruno Petroni)

Schön ausgewogen: Nachdem vor knapp zwei Wochen die Gegner der Verkehrsinitiative ihre Argumente formuliert hatten, war nun am Mittwochabend die Reihe an den Initianten selber. An einem Medientreffen erklärten sie, warum der Interlakner Souverän am 4. März ihrer Verkehrsinitiative zustimmen soll. Auf die Schlussfrage nach einer Prognose antworteten die Vereinsmitglieder fast unisono: «Wir werden ge­winnen.»

Doch was macht sie so sicher, welche ihrer Trümpfe im Argumentarium sollen stechen? Im Mittelpunkt steht der gültige Verkehrsrichtplan aus dem Jahr 1999 – der dem heutigen und dem künftigen Verkehrsaufkommen laut Vereinspräsident Bruno Reinle «nicht mehr gerecht wird».

«Hat nicht funktioniert»

«Richtpläne haben eine durchschnittliche Lebensdauer von fünfzehn bis zwanzig Jahren», erklärte Vereinsmitglied und Jurist Thomas Trafelet. Den Verkehr auf die Umfahrungsstrassen zu verlagern, «hat nicht funktioniert», ebenso wenig wie aus dem Schlauch, also dem Höheweg-Abschnitt zwischen Postplatz und Harderstrasse, eine Begegnungszone zu machen. «Der Schlauch ist eine unschöne Betonlandschaft», doppelte Fredi Daumüller nach, und sei eines Weltkur­ortes unwürdig.

Apropos Schlauch: Dass hier die vielen Reisecars und die Busse nicht mehr kreuzen könnten, sind sich auch die Gegner des Fahrverbotes bewusst. Aber, so Fredi Daumüller, stelle sich dieses Problem erstens nur während etwa vier Saisonmonaten und zweitens gelte es, die Reisecars schon viel früher «abzufangen», also beim West- und beim Ost­eingang des Dorfes.

Patrick Müller, ebenfalls einer der Väter der Verkehrsinitiative: «Interlaken braucht ein Carkonzept.» Dieses müsse genauso wie der Verkehrsrichtplan «visionär» sein. Bruno Reinle: «Das Reisebusregime mit zu vielen unübersichtlichen Stellen ist inexistent. Veranschaulicht wird dies am besten am Bahnhofplatz Interlaken-Ost.»

Kritik an den Behörden

Eines machten die Initianten klar: «Es reicht nicht, den Schlauch zu öffnen», sagte Patrick Müller. Nein, es brauche weitere Massnahmen, um die Wohngebiete von Durchgangs- und Suchverkehr zu entlasten – ­ zumal Wegweiser zu den Umfahrungsstrassen gänzlich fehlten.

Auch die vielen «Zubringer gestattet»-Hinweise seien verwirrend, und Verstösse dagegen seien ohnehin kaum zu kontrollieren. Unter dem Verkehr leide nicht «nur» das Nordquartier, sondern auch die Bewohner an und um die General-Guisan-Strasse, ergänzte Hans-Jörg Dällenbach. Damit sind in diesem Bereich laut Bruno Reinle sogar die Schulwege unsicherer ge­worden.

Umgekehrt meinte Thomas Trafelet, er habe «den Eindruck, dem Gemeinderat gehe es nur um den Schlauch». Vorwürfe an dieselbe Adresse richtete auch Bruno Reinle: «Die Bereitschaft der Behörden, uns entgegenzukommen, ist nicht vorhanden.» Dies habe sich schon bei der Debatte über die Resultate der nicht ständigen Verkehrskommission gezeigt – Resultate notabene, von denen Fredi Daumüller «enttäuscht» war, wie er rückblickend zusammenfasste.

«Eine Bürgerbewegung»

Die Frage nach dem genauen Budget für die nun gestartete ­Abstimmungskampagne der Initianten blieb an diesem Abend unbeantwortet. Ein Budget sei zwar vorhanden – aber das dazu notwendige Geld noch nicht, sagte Patrick Müller und schmunzelte. Immerhin verriet er, dass der Verein KMU Interlaken und Umgebung einen Beitrag von 10'000 Franken überwiesen habe.

Unterstützung erhofft man sich nun auch von den rund 900 Einwohnern, welche die im September 2014 eingereichte Initiative unterschrieben hatten. «Die überwiegende Mehrheit wusste sehr wohl, was sie unterschrieb», ist Thomas Trafelet überzeugt. Damit erwiderte er die von Gegnern oft geäusserte Behauptung, viele der gesammelten Unterschriften seien in Unkenntnis der Folgen gemacht worden.

Und Patrick Müller schliesslich definierte die Befürworter der Initiative als «eine Bürgerbewegung, nicht eine elitäre Bewegung».

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