Das Fahrverbot bleibt bestehen

Interlaken

Kein neuer Verkehrsrichtplan, keine Aufhebung des Fahrverbotes im «Schlauch»: Die Abstimmung über die Verkehrsinitiative endete mit einem recht klaren Nein.

Weiterhin nur für den ÖV: Das Verkehrsverbot im «Schlauch» wird nicht aufge­hoben.

(Bild: Bruno Petroni)

«Es wird sehr knapp», prognostizierten Befürworter und Gegner der Verkehrsinitiative unisono vor der Abstimmung. Seit Sonntag um 12.47 Uhr ist es nun offiziell: Nein, es wurde nicht «sehr knapp», sondern überraschend recht deutlich. 984 stimmten gegen, 853 stimmten für die Vorlage. Das ergibt ein Verhältnis von 54 Prozent Nein- zu 46 Prozent Ja-Stimmen. Insgesamt gingen 56,3 Prozent der stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner an die Urne.

Damit fand der heftigste Abstimmungskampf auf kommunaler Ebene seit vier Jahren sein Ende. 2014 hatte man sich um einen Hotelbau auf dem gemeindeeigenen Des-Alpes-Areal gestritten. Nun gings um einen neuen Verkehrsrichtplan, der das Fahrverbot auf dem Höheweg-Abschnitt zwischen Postplatz und Harderstrasse, dem sogenannten Schlauch, aufheben und die Wohnquartiere vom Durchgangsverkehr entlasten sollte. Im Gegensatz zur Des-Alpes-Vorlage folgte die Mehrheit jetzt also der Empfehlung von Behörden und Parlament. Doch was verhalf ihnen zum Vorsprung?

«Konstruktiv weiterarbeiten»

David Bühler vom gegnerischen Komitee «Pro Interlaken» ortet einen Hauptgrund für das Nein im «Grundsatz der Vernunft»: «Obwohl auch die Gegner nicht mit allem zufrieden sind, zieht es die Mehrheit vor, in kleinen Schritten vorwärtszugehen statt wieder vorne zu beginnen.» Er sei froh, dass «es sich nicht um ein Zufallsmehr gehandelt hat, und auch die hohe Stimmbeteiligung freut mich».

Zugleich gelte es aber begründete Stimmen der Anwohner ernst zu nehmen. Es brauche weitere Verkehrsmassnahmen, wozu auch das Carkonzept gehöre. David Bühler, der von 2015 bis 2017 die nicht ständige Verkehrskommission präsidiert hatte: «Der Gemeinderat hat nun Rückendeckung und genügend Freiraum erhalten, um konstruktiv weiterzuarbeiten.»

«Nicht in die Schublade»

Auf eine solche Weiterarbeit hofft man auch bei den unterlegenen Befürwortern. Bruno Reinle, Präsident des Vereines Verkehrsinitiative Interlaken: «Wir erwarten, dass die Vorschläge der Kommission für flankierende Massnahmen nicht einfach in der Schublade verschwinden.»

Drei Gründe nennt Reinle, die wohl zur Niederlage der Initianten beigetragen hätten. «Ich vermute, dass die Einwohner im Ostquartier eher Nein gestimmt haben. Zweitens hatten wir keine Behörde und auch keine einzige Partei auf unserer Seite. Zudem bestand eine gewisse Angst vor einem neuen Verkehrsrichtplan.» Insgesamt, so Reinle, «ist meine Enttäuschung riesig. Wir hatten einen Sieg erwartet.» Der Verein werde sich nun auflösen.

«Sehr erleichtert»

Wie David Bühler ist auch Gemeindepräsident Urs Graf «sehr erleichtert, dass es kein Zufallsmehr gab». Für ihn ist klar: «Die Mehrheit will ein verkehrsberuhigtes Zentrum, und der ‹Schlauch› bleibt zu.» Die Initiative sei «sehr extrem formuliert gewesen», was wohl zur Ablehnung beigetragen habe.

Doch Urs Graf erwähnt auch die 46 Prozent Ja-Stimmen: «Wir haben von ihnen implizit den Auftrag erhalten, weitere Massnahmen zur Optimierung zu realisieren.» Dabei müsse man sich aber bewusst sein, «dass es keine Lösung gibt, die 100 Prozent der Einwohner befriedigt».

Und wie beurteilen Urs Grafs Amtskollegen auf dem Bödeli das Abstimmungsergebnis mit der Absage an einen neuen Verkehrsrichtplan, der ohne sie eh nicht zustande käme? Jürgen Ritschard, Gemeindepräsident von Unterseen: «Wir haben nun eine gesicherte Ausgangslage für die Verkehrssituation». Man werde im Rahmen der Unterseener Ortsplanungsrevision weitere Gespräche führen. Und für Mattens Gemeindepräsident Peter Aeschmann ist damit klar, «dass die bisherige gemeinsame Arbeit nicht nochmals neu gemacht werden muss.»

Berner Oberländer

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