Brienzersee: Jetboot-Betrieb boomt

Bönigen

Umweltschützer versuchten im Frühjahr 2014 erfolglos, einen Jetboot-Betrieb auf dem Brienzersee zu verhindern. Seitdem hat sich das familienfreundliche Gleitfahrzeug etabliert, der Betrieb boomt.

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«Unsere Gegner haben uns sehr beim Marketing geholfen», erklärt Simon Hirter (38) von der Jetboat Interlaken GmbH. Noch im Frühjahr 2014 liefen Natur- und Umweltschützer wie etwa Franz Weber von Helvetia Nostra landesweit Sturm gegen die Geschäftsidee, mit einem Jetboot über den Brienzersee zu sausen. Man befürchtete unter anderem Ruhestörungen oder etwelche andere Emissionen.

«Soft adventure» für Gäste

Die Gründer der Jetboat Interlaken GmbH, Simon Hirter (Bönigen) und Philipp Hausammann (Interlaken), gaben nicht auf. Das schnittige Wasserfahrzeug bestand die kantonale Schiffsprüfung, und benötigt, da es nur zwölf Plätze hat, keine Bewilligung. So gab es für die Gegner keine juristische Handhabe, den Betrieb zu verhindern, der denn auch am 1.Mai 2014 startete.

Mit Gratisfahrten für Seeanstösser sorgten die Betreiber für Goodwill. Das Boot ist laut dem Schifffahrtsamt das sauberste Boot auf Brienzer- und Thunersee. Mittlerweile hat sich das 55 Stundenkilometer schnelle und mit 68 Dezibel eher leise Boot als «Soft adventure» für in- und ausländische Gäste optimal etabliert.

Dies auch dank der Unterstützung des TOI Interlaken. Das Boot fährt in etwa 50 Minuten von Bönigen über Iseltwald zum Giessbach. Unterwegs erzählt der Fahrer Wissenswertes über den See oder auch Sagen, wie etwa die von der Brienzersee Schifferin.

Hirter erklärt: «Man sitzt ausgesprochen bequem im Jetboot, Gefahren bestehen keine. Ob Kinder ab fünf Jahren, Betagte oder Menschen mit Handicaps – es ist eine Aktivität für jedermann.» Das Boot gleite praktisch ohne Reibung auf dem Wasser und vollführe jeweils bei einem Stopp eine 360-Grad-Drehung. «Das ist immer sehr lustig, alle freuen sich darauf.»

Den Brienzersee habe man gewählt, weil es dort weniger Wind und Verkehr als auf dem Thunersee gebe, die Aussicht und Natur atemberaubend sei und die Wasserqualität optimal. Bei jeder Fahrt kostet der Fahrer, sowie meist einige Gäste, das Wasser aus dem Trinkglas.

Wasseraktivitäten boomen

Das Angebot von Jetboat passe auch ins aktuelle Konzept von Schweiz Tourismus, den Zugang zum Wasser zu fördern, hält Simon Hirter fest. Auch dank der Partnerschaft mit Espace Media boomte der Betrieb in dieser Saison. Hirter berichtet: «Im ersten Jahr hatten wir rund 3000 Gäste. Heuer waren es bereits über 5000, wovon etwa die Hälfte Familien.»

Zunehmend nutzen auch inländische Vereine oder Firmen das Angebot. So hat sich etwa auch schon der Trachtenverein Bönigen über den See chauffieren lassen. «Das war quasi der Ritterschlag für unser Geschäft», freut sich Hirter. Derzeit dominiert mit etwa 40 Prozent der Anteil der Gäste aus dem Mittleren Osten.

Zwei weitere Arbeitsstellen

Die insgesamt sechs Mitarbeiter erwirtschafteten laut dem Unternehmen heuer einen Umsatz im sechsstelligen Bereich. Im Jahr 2016 sollen zwei weitere Stellen geschaffen werden.

Mittlerweile werden die innovativen Jetbootbetreiber durchaus positiver wahrgenommen als beim Start. Denn im letzten Sommer eilten sie teils entkräfteten, gegen den Wind kämpfenden Paddlern zu Hilfe und unterstützten auch die Polizei bei der Bergung eines havarierten Segelbootes.

«Mitglieder des Fischereivereins gaben sogar an, es sei beruhigend, das Jetboot bei etwaigen Problemen vor Ort zu wissen», sagt Simon Hirter.

Berner Zeitung

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