Brienz

Bei Container 6 ist bald Schluss

BrienzMit ihrem Mundartrock haben sie sich in der Schweizer Musikszene eta­bliert und unzählige Konzerte gespielt. Jetzt setzen die vier Jungs zum «Grande Finale» an.

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2003 spielten sie noch in der Unterseener Schulaula. Drei Jahre später standen die vier Brienzer Jungs im Hallenstadion auf der Bühne. Als Gewinner eines Nachwuchswettbewerbs spielte Container 6 das Vorprogramm für niemand Geringeres als Christina Aguilera. Der 20-minütige Auftritt vor über 10 000 Zuschauern war der Durchbruch. Es folgten drei Studioalben mit anschliessender Tour. 2016 schafften es Container 6 mit ihrem Tonträger «Beschti Zyt» in die Top 30 der Schweizer Albumcharts.

Jetzt steht die Band kurz vor der Auflösung. Nur noch zwei Konzerte spielen Tom Glatthard, Christian Perren, Christoph Kiser und Kaspar Hösli. «Grande Finale» nennen es Container 6. Als Abschiedsbühne dienen am 18. November das Restaurant Goldener Anker in Interlaken und am 13. Januar das Hotel Wetterhorn in Hasliberg.

Die Zeit fehlt

«Wir wollen nicht einfach still und heimlich abtreten und dann irgendwann in drei Jahren mal sagen ‹Nenei, Container 6 gibts eigentlich schon lange nicht mehr›», sagt Christian Perren. Deshalb wolle man den Fans und Unterstützern nochmals zwei gelungene Abende bieten. «Uns fehlt einfach die Zeit dafür, weiterzumachen», sagt Christoph Kiser. Studium, und Arbeit schränken die Zeit für die Musik immer mehr ein. «Für uns kommt es nicht infrage, etwas zu machen, was unseren eigenen Ansprüchen nicht genügt», sagt Kaspar Hösli.

Der Bandraum bleibt

Im Streit trennen sich Container 6 nicht. «Es ist ja nicht so, dass wir uns nach so langer Zeit plötzlich nicht mehr leiden können», sagt Gitarrist und Sänger Christian Perren. Aber wenn man so lange zusammen Musik mache, sei die Motivation irgendwann nicht mehr bei allen gleich hoch. Hinzu kommt die örtliche Distanz: Studium und Arbeit haben auch hier einiges verändert. «Brienz bleibt aber unser gemeinsamer Nenner», sagt Bassist Christoph Kiser. Deshalb bleibt der Bandraum in der Heimat.

Zum gemeinsamen Experimentieren in den Kelleräumen treffen sich die vier Jungs auch weiterhin. «Wir haben uns da zum Proben getroffen und manchmal auch einfach eine halbe Stunde lang irgendwelchen psychedelischen Plunder gespielt», erinnert sich Christian Perren. «Und ich glaube, dabei haben wir auch gemerkt, was Musik eigentlich ausmacht und uns am meisten gefällt.» In den letzten Jahren, in denen sich Container 6 mit ihrem «Mundie-Rock» zu einer Marke aufgebaut haben, sei es schwieriger geworden, Neues auszuprobieren. «Da ist man nicht mehr so frei, wie wir es früher waren», sagt Christian Perren weiter.

Glatthard solo unterwegs

Container 6 treten zu einer Zeit ab, in der Musik auf Schweizerdeutsch so populär scheint wie selten. Fünf Mundartalben stehen in den Top 20 der Charts. In den Anfängen der Band war das noch anders. Es gab Plüsch. Und es gab die Dauerbrenner von Patent Ochsner und Züri West.

Dass sich Container 6 für Berndeutsch entschieden haben, hat aber einen ganz einfachen Grund: «Wir konnten halt damals alle kein Englisch», sagt Drummer Kaspar Hösli. Das Konzept passte. Ein Wechsel der Sprache stand später nicht zur Debatte: «Wir haben in Mundart einfach die bessere Möglichkeit, uns auszudrücken», sagt Hösli.

Tom Glatthard plant bereits die musikalische Zukunft nach Container 6. Er will solo weitermachen. So, wie es mit Ritschi (ehemals Sänger der Band Plüsch) und Trauffer (ehemals Sänger bei Airbäg) zwei Künstler aus der Region bereits erfolgreich vorgemacht haben. Noch hält sich Tom Glatthard bedeckt und will noch nicht viel über seine musikalische Zukunft verraten. «Der neue Trauffer werde ich nicht. Aber vielleicht eine Alternative zu ihm.» Zuvor wollen die vier Brienzer Jungs noch mal für das «Grande Finale» von Container 6 auf der Bühne stehen.

(Berner Oberländer)

Erstellt: 14.09.2017, 06:15 Uhr

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