Kandergrund

Aus für Ausfischerei am Blausee

KandergrundLaien fischen künftig nicht mehr am Blausee: Nachdem sich der Tierschutz im Herbst eingeschaltet hatte, gibts kein Ausfischen mehr. Dennoch ist das Thema für die Organisatoren noch nicht ganz erledigt.

Der Schweizer Tierschutz (STS) hat beim Ausfischen des Blausees etliche Verstösse gegen die Tierschutzgesetzgebung auf Video festgehalten.
Video: STS

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Ausfischen, das war einmal: Die Organisatorin, die Blausee AG, hat entschieden, den Anlass nicht mehr durchzuführen. «Der Verwaltungsrat ist sich bewusst, dass das Ausfischen eine jahrzehntelange Tradition am Blausee hat und ein grosses Interesse am Thema Fisch und Forellen in der breiten Öffentlichkeit besteht», heisst es einer Mitteilung.

Denn der Anlass stand in der Kritik: Tierschützer hatten beim Ausfischen des Blausees Verstösse gegen die Tierschutzgesetz­gebung beobachtet. Der Dachverband der Berner Tierschutz­organisationen reichte bei der zu­ständigen Staatsanwaltschaft Anzeige gegen die Blausee AG ein, wegen Inkaufnahme von Tierquälerei.

Beim traditionellen Ausfischen des Blausees letzten Oktober hätten Vertreter des Dachverbandes und des örtlichen Tierschutzvereins «miterlebt und dokumentiert, wie gefangene Fische von Laien, darunter auch von Kindern, am Haken zappelnd herumgezeigt und fotografiert wurden», erklärte damals der Tierarzt und Dachverbandspräsident Rolf Frischknecht damals.

Damit nicht genug: «Mit Zangen wurde an noch lebenden Fischen herumoperiert, um die Haken aus dem Maul zu entfernen. Rund acht Tonnen Fisch, das sind mehr als 20'000 Einzeltiere, konnten von jedermann, von Hinz und Kunz, gefangen, getötet und anschliessend käuflich erworben werden.»

Die Blausee AG schreibt in ihrer jüngsten Mitteilung: «Der Entscheid, das Aus­fischen einzustellen, wurde unabhängig von den laufenden Diskussionen bezüglich Fischen ohne Fischerpatent gefällt.»

Tierschutz ist erleichtert

«Wir begrüssen diesen Entscheid ausdrücklich», sagt Frischknecht. Der Anlass habe schon in den Neunzigerjahren zu Diskussionen geführt, im vergangenen Herbst hätten sich aufgebrachte Spaziergänger an die Behörden gewandt, deshalb hätte man handeln müssen.

«Das Problem war die mangelnde Kontrolle vor Ort und dass Laien, also Fischer ohne Sachkundeausweis, gefischt haben.» Der Tierschutz habe aber nichts gegen die Fischerei, wenn ­diese professionell durchgeführt werde. «Wenn am Blausee ausgebildete Leute fischen, haben wir damit kein Problem.»

Frischknecht erklärt, natürlich aufgewachsene Fische, von Profis gefangen, hätten als Lebensmittel einen hohen ethischen Wert, anders als vielleicht Nutztiere, die nicht artgerecht gehalten würden.

Zu viele Leute

Mitbesitzer und Verwaltungsrat André Lüthi von der Blausee AG sagt: «Schon als wir die Blausee AG übernommen haben, war das Ausfischen ein Diskussionspunkt.» In der gestrigen Mitteilung heisst es zwar, die Vorkommnisse im Herbst hätten nichts mit dem jetzigen Entscheid zu tun.

Aber: «Wir können uns vorstellen, das Ausfischen in Kleingruppen wieder anzubieten.» Das sei jedoch erst eine Idee. Man wolle weg von Masse hin zur Klasse. «An Spitzentagen haben sich 100 bis 200 Leute um den Blausee versammelt, das war eindeutig zu viel.»

Nun werde zusammen mit Experten geprüft, in welcher Form in Zukunft interessierten Personen unter fachkundiger Anleitung das Fischen und Basiswissen rund um das Thema Fisch und Forellen nähergebracht werden könne. (Berner Oberländer)

Erstellt: 07.03.2017, 10:11 Uhr

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