An der oberen Grenze

Meiringen

Ausverkauftes Haus und ein Oberländer Sieg: Das Haslital Mountain Festival ging erfolgreich über die Bühne. Fürs nächste Jahr warten mehrere Herausforderungen.

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Nathalie Günter@nathalieguenter

Ein Pärchen schlendert am Samstagabend in Meiringen Richtung Boulder-Arena in der umgebauten Tennishalle. «Oh, wir kommen wohl nicht mehr rein», sagt sie mit Blick auf ein Plakat. Sie sind nicht die Einzigen. Die Boulder-Arena ist seit Samstagnachmittag ausverkauft. Doch das Organisationskomitee um Präsident Christian Willi hat vorgesorgt und auf die Schnelle in der Kletterhalle nebenan ein Public Viewing eingerichtet. Geschätzte 150 Leute nutzen die Möglichkeit und schauen sich das Kletterspektakel auf der Leinwand an.

«Es ist das erste Mal, das wir ausverkauft sind», sagt Willi zur 4. Ausgabe des Haslital Mountain Festival. Ausverkauft heisst: 1100 Tickets gingen weg, total sind mit Helfern, Medien und den Sportlern und Trainern 1500 Personen in der Boulder-Arena. Und die Zuschauer, die sich rechtzeitig ein Ticket gesichert haben, erleben Sportklettern auf höchstem Niveau und honorieren dies mit einer tollen Stimmung.

Spektakulärer Ondra

Den Anfang machen die besten 6 von 115 angetretenen Herren. Der Ausnahmekönner Adam Ondra, der eigentlich lieber draussen klettert, ist mit Blick auf Olympia 2020 in Meiringen erstmals mit dabei – und nach jahrelanger Abwesenheit überhaupt zurück im Weltcup. Und der 26-jährige Tscheche weist die vier Japaner und den Koreaner im Final auf die Plätze.

Als Einziger schafft er den vierten Boulder, der einen sogenannten Riss enthält – einer Spalte ähnlich, die überwunden werden muss. Solche Boulder kletterten die Asiaten (bis jetzt) nicht. Ondras Art zu klettern begeistert, er vermag das Publikum mitzureissen. Darum sagt auch Christian Willi: «Ich hoffe, dass er nächstes Jahr wiederkommt.» Die Chancen stehen gut, «das Publikum war unglaublich», lässt Ondra nach dem Final verlauten.

Bei den Damen geht der Sieg ebenfalls nach Europa: Weltmeisterin Janja Garnbret ist momentan das Mass aller Dinge. Die Slowenin holt sich den Sieg im ersten Weltcup der Saison. Gut für die Stimmung und die Schweiz: Die Zürcher Ex-Weltmeisterin Petra Klingler, klarer Publikumsliebling in Meiringen, klettert im Final mit und platziert sich am Ende auf dem fünften Rang.

Stimmung gut, alles gut?

OK-Präsident Christian Willi ist sehr zufrieden. «Das Festival verlief reibunglos, wir sind mittlerweile – nach vier Jahren – ein eingespieltes Team.» Was ihm Sorgen bereitet, ist die Infrastruktur. Diese stosse an ihre Grenzen, soll das Festival in dieser Form weitergehen. «Der Anlass ist mittlerweile so gross und beliebt, dass wir bei der Infrastruktur handeln müssen.»

«Der Anlass ist mittlerweile so gross und beliebt, dass wir bei der Infrastruktur handeln müssen.»Christian Willi, OK-Präsident

Da kein anderer Standort als die Tennishalle infrage kommt, muss diese optimiert werden. Eine Möglichkeit wäre gemäss Willi, seitlich einen grösseren Ausgang zu schaffen, womit auch mehr Zuschauer reindürften. Dass der Anlass weitergeht, steht nicht zur Diskussion. Willi: «Die nächsten zwei Jahre sind wir als Auftaktweltcup fix gebucht, und der internationale Verband würde gerne einen Mehrjahresvertrag mit uns abschliessen.»

Und auch die personellen Ressourcen müssten überdacht werden. Aktuell arbeiten die OK-Mitglieder wie alle übrigen 200 Helfer ehrenamtlich. Dieses Jahr leisteten alle zusammen 3300 Helferstunden, die Vorbereitungen nicht eingerechnet. «Hier müssen wir prüfen, ob wir künftig zum Beispiel eine professionelle Geschäftsstelle einrichten wollen», so Willi. Derbereits am Samstagmittag ausverkaufte Finaltag und die Beliebtheit des Anlasses veranlassen Willi und sein Team, aufs nächste Jahr neue Lösungen zu erarbeiten.

Oberländer Meister

Mussten sie am Freitag zu den zwanzig Kilo Risotto noch zehn Kilo nachkochen, geht es am Sonntag für die Küche wie auch die übrigen Helfer etwas ruhiger zu und her. An der Schweizer Meisterschaft der U-12, der U-14 und der U-16 herrscht in der Boulder-Arena eine lockere, familiäre Stimmung.

Schweizer Meister bei der U14: Leon Niederberger aus Oberhofen. Bild: PD/David Schweizer

Und es gibt am späteren Nachmittag Oberländer Jubel: Der Oberhofner Leon Niederberger von der SAC-Sektion Blümlisalp sichert sich den Schweizer Meistertitel bei den U14, sein Teamkollege Levin Straubhaar aus Uetendorf wird Vierter. Kurz nach Ende der Schweizer Meisterschaft am Sonntagabend ist es dann wieder an den Helfern, Gas zu geben. Denn bereits am Dienstagabend wird in der Halle wieder Tennis und Badminton gespielt.

Resultate Weltcup: www.ifsc-climbing.org

Resultate Schweizermeisterschaft: www.digitalrock.de

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