560 Meter Doppelspur reichen aus

Leissigen

Ursprünglich plante die BLS mit einer 1050 Meter langen Doppelspurstrecke in Leissigen. Nun stellten die Verantwortlichen der BLS der Bevölkerung eine Va­riante vor, bei der 560 Meter als Kreuzungsstelle ausreichen.

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(Bild: sgb/Quelle: BLS)

Samuel Günter@samuel_guenter

Am Montag traten die Verantwortlichen der BLS vor die Bevölkerung Leissigens. Thema: die Verlängerung der Kreuzungsstelle, welche massive Auswirkungen auf die Gemeinde haben wird.

Leissigen und die Bahn, das ist in den letzten Monaten ein heikles Thema. Mit dem Ansinnen, den geplanten Doppelspurausbau unterirdisch zu realisieren, stiess die Gemeinde auf verschlossene Türen.

Auch wehrte man sich vehement, aber vergebens gegen die Umstellung des regionalen öffentlichen Verkehrs von der Bahn auf die Strasse. Feindbild der Leissiger ist die Regionalkonferenz, die sich für die Umstellung starkgemacht hat.

Gemeindepräsident Bruno Trachsel teilte in seinem Rückblick auch einige Seitenhiebe in diese Richtung aus. So habe die Gegenseite im Grossen Rat Unwahrheiten verbreitet. «Aber das ist Vergangenheit», meinte er. «Ich bin überzeugt, dass wir mit der BLS gut zusammenarbeiten und in Gesprächen Lösungen finden werden, die für alle stimmen.»

Haus kann bleiben

Und tatsächlich hatten die Vertreter der BLS gute Nachrichten im Gepäck: Vor zwei Jahren ging man noch von einer 1050 Meter langen Kreuzungsstelle aus. «Durch Anpassungen ist es uns gelungen, sie fast zu halbieren», erklärte Projektleiter Arthur Hitz.

Die Kreuzungsstelle misst neu noch 560 Meter und reicht von der Ostseite des Bahnhofs bis zur Underi Ey beim Dorfeingang. Wegen der Zuglängen von 420 Metern sei dies das absolute Minimum. «Dadurch ist keine Versetzung des Hauses am Läntiweg 5 und 7 nötig.» Diese sorgte in der Vergangenheit für Verstimmung in Leissigen.

Auf der einen Seite wird es aber Eingriffe ins Dorfbild geben, dies verheimlichten die BLS-Vertreter nicht. So müsste die Schneise, welche die Bahn durch Leissigen schlägt, im Bereich der Kreuzungsstelle auf circa 11 Meter verbreitert werden. Dies gehe nicht ohne Landverlust.

Auch die Bauarbeiten werden Leissigen tangieren. So werde der Baustellenverkehr die Strassen belasten. «Was geht, werden wir am Tag durchführen, aber es wird auch Nachtarbeit geben», meinte Ueli Schäffeler, Leiter Netzentwicklung.

«Weiter wird es zwei bis drei längere Totalsperren des Bahnverkehrs geben, und auch an verschiedenen Wochenenden muss ein Bahnersatz eingesetzt werden.»

Land wird frei

Auf der anderen Seite bringe das Projekt der Gemeinde auch Vorteile, erklärte Schäffeler. So könne durch die Sanierung der Schienen und Weichen sowie der Streckung der Kurvenradien der Lärm reduziert werden.

Weiter lagere die BLS mit dem Projekt den Güterverkehr vom Bahnhof nach Leissigenbad aus. «Das bedeutet: kein Rangieren mehr im Dorf.» Und am wichtigsten: Im Dorfzentrum werde Land an guter Lage frei.

«Es ist im Interesse der BLS, dass sich die Standortgemeinden gut entwickeln und ein attrak­tives Zentrum haben», erklärte Joël Buntschu, Leiter Projekt- und Arealentwicklung. Entsprechend wolle man das nicht mehr genutzte Areal zusammen mit der Gemeinde planerisch entwickeln und bebauen.

Es handelt sich um eine Fläche von 11 200 Quadratmetern. Davon können 8700 baulich genutzt werden. Die Parzelle nördlich des Bahntrassees soll als ökologische Ausgleichsfläche genutzt werden, und auch zusätzliche Parkplätze sind vorgesehen.

Allerdings dürfe bis zur Realisierung viel Zeit vergehen. Buntschu rechnet mit zehn bis zwölf Jahren. Erst stünden nun Standort- und Marktanalysen an. «Dabei werden wir eng mit der Gemeinde zusammenarbeiten.» Man werde sich auch die Möglichkeit offenhalten, dereinst wieder Züge in Leissigen halten zu lassen, hielt Schäffeler auf eine Frage aus dem Saal fest.

Gespräche mit 50 Parteien

Das Projekt muss aus zwei Gründen durchgeführt werden: Einerseits tue eine Erneuerung der Schienen und Weichen not. Andererseits ist die Verlängerung der Kreuzungsstelle Bedingung für die direkte Verbindung Interlaken–Zürich. «Das Projekt soll 2022 abgeschlossen sein, weil es zeitlich mit anderen fahrplan­relevanten Bauvorhaben abgestimmt ist.»

Noch stehen viele Aufgaben ab. Laut Projektleiter Hitz müssen mit rund 50 Parteien Gespräche über Land und Rechte geführt werden. «Unser Ziel ist es, mit allen eine einvernehmliche Lösung zu finden.»

Ein letzter Seitenhieb

Weshalb man ausgerechnet in Leissigen die Kreuzungsstelle einrichten müsse?, wollte eine Bewohnerin wissen. «Einerseits wegen des Fahrplans, anderseits sind die Möglichkeiten der Strecke beschränkt», meinte Hitz. Mehrere Personen votierten dafür, die Speiseleitungen in den Boden zu verlegen.

Diese verlaufen höher als die normalen Leitungen und stören das Ortsbild. Dies wäre möglich aber sehr teuer, meinte Hitz. «Gemäss der Behauptungen der Regionalkonferenz spart die BLS ja dank der Umstellung auf den Busbetrieb 9 Millionen Franken, dann müsste das doch drinliegen», erwiderte ein Leissiger.

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