Interlaken

30'000 feierten in Interlaken

InterlakenRockig, sentimental und funkig mit ziemlich viel Rauch: Das Dorf Aarmühle, das seit 125 Jahren Interlaken heisst, stieg mit Dodo, Baschi, Polo, Hanery Amman, Gleitschirmen und Feuerwerk fulminant ins Jubiläumsjahr ein.

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Vor 125 Jahren stellte die Gemeinde Aarmühle im Berner Oberland das Gesuch, fortan Interlaken heissen zu dürfen. Ein Marketingcoup, der seinesgleichen sucht. Ein argentinischer Bierbrauer, der seinen Gerstensaft Inter­laken nennt, hat Gemeindepräsident Urs Graf erklärt, wieso er das tut: schöne Landschaft und ein einprägsamer Name.

Seit zwölf Jahren berührt Interlaken am 1. Januar die Berge, mit dem Event, das touristisch korrekt Touch the Mountains heisst. Dieses Jahr wars aber ganz in Mundart: irgendwie Züridütsch bei Dodo, Baselbieter Dialekt bei Baschi und Bödeliberndeutsch bei Polo. International die Musik. Die Soli von Hanery Amman am Klavier und der Sound seiner Band berührten das Publikum ohne Worte.

Touch the Mountains bescherte Dodo, der diesen Sommer mit dem Reggaesong «Hippie Bus» Gold eingefahren hatte, etwas Besonderes. «Es war das schönste Neujahr meines Lebens», sagte er.

Er durfte nämlich nach seinem Auftritt, bei dem zwischen ihm und dem Publikum alles stimmte, mit Beni Kälin bei der Lowa Air Show über Interlakens Magic-Lichter schweben, in Formation mit andern fünf beleuchteten Gleitschirmen. Chrigel Maurer, der Adler von Adelboden, war etwas früher dran: Er stieg zu Fuss auf den Harder und zeigte noch bei Tageslicht vor der Jungfrau Topakrofiguren: Helikopter und Infinity Tumblings.

Baschi, aufgeregt, weil er mit einer neuen Band spielte, war nach dem aktionsgeladenen Auftritt auch ohne Gleitschirmflug glücklich. Seine Fans auch. Im Backstagebereich traf Polo ein. Bunter Hippiestrick, Zöttelikappe in den Reggaefarben. Die Setliste stand da noch nicht.

Iris Huggler, Organisatorin des Events, holte Polo persönlich einen Glühwein. Für sie war es vor allem wichtig, das Konzertende zu kennen: Die Feuerwerker mussten informiert werden. Die Bandmusiker dagegen nahmen es gelassen, denn eines war sicher: Wie bei Bob Dylan in seiner Never-Ending-Tour würden die grossen Hits der Interlakner Mundartrock-Pioniere gespielt werden.

«Sälu», sagte Polo auf der Bühne. Vor vier Jahren sei er mit Hanery zum letzten Mal aufgetreten, mit den bewährten ­40-jährigen Songs. Nicht so ganz klappte es denn auch mit einem Happy-Birthday-Ständchen fürs 125-jährige Interlaken, das virtuose Klavierintro endete irgendwie solo. Sehr gut klappte alles andere: «Teddybär» (der Schweizer Reggae der ersten Generation), «d Rosmarie», «Rote Wii» und «Alperose». Das Publikum hörte zu; weit seitlich der Bühne wurden die Refrains mitgesungen, während sich die Schuhe mit Höhematteerde vollsogen.

Schön klappte auch das grosse Piz-Gloria-Pyromusical. Nur für die Zuschauer, die im Südosten der Höhe standen, ging die Musik etwas unter. So schien es nach dem ersten Knallerbild, als ob das Pulver bereits verschossen wäre. Es leuchteten nur stille rote Ampeln am Boden, etwas später tauchten kleine gelbe Lichtbögen auf. Dann aber ging es am Himmel mit Sternen und Glitzerstreifen wieder richtig los, hauptsächlich in den Reggaefarben Rot, Gold und Grün. Zum Beatles-Song «All You Need Is Love» gabs sogar Herzen. Und am Schluss ein glänzend-gleissendes Höllenfeuer: AC/DC waren auf dem «Highway to Hell».

Sicher war das kein Wegweiser für das Festjahr 2016, über das Gemeindepräsident Urs Graf am frühen Nachmittag auf dem Schlosshof von Interlaken sprach. Ein Jahr mit 125 Gratisveranstaltungen, von Interlaknerinnen und Interlaknern und für die 6000 Miteinwohner organisiert, steht dem Dorf bevor, dessen Namen mehr als 99 Prozent der Schweizer kennen.

Unter der stattlichen Anzahl von Zuhörern war der bernische Landvogt des Jahres 1613, dargestellt von Peter Wenger. Er hatte seinerzeit den Untertanen nach deren Protest wieder Gutjahresgaben zukommen lassen, und sie durften am Neujahrsabend ein Fest feiern, aus dem 403 Jahre später eine grosse Sause mit rund 30 000 Teilnehmern geworden ist.

Glanz und Gloria, Rock und Pop, Sicherheit und Verkehrsordnung: Gratis ist das nicht. Für Speis und Trank – auch beim kleinen Landvogttheater ­– zahlten die Festbesucher selber. Für die 600 besten Plätze vor der Bühne wird ein Obolus entrichtet. Nicht so erfolgreich war der Verkauf von Fanpins, der dieses Jahr zur Sicherung weiterer Touch-the-Mountains-Gratisneujahrskonzerte angeboten wurde. (Berner Oberländer)

Erstellt: 03.01.2016, 19:38 Uhr

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