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25 000 Zuschauer – ein indirekter Rekord

Ein Konzert weniger im Zelt als 2016 und doch fast die Rekordmarke von 26 000 Zuschauern erreicht: Die 25 000 Besucher von 2017 sind aus diesem Blickwinkel ein grosser Erfolg des Gstaad Menuhin Festival.

Prosit Jonas Kaufmann (Mitte). Der Münchner Startenor kommt wieder nach Gstaad.
Prosit Jonas Kaufmann (Mitte). Der Münchner Startenor kommt wieder nach Gstaad.
zvg/Raphaël Faux

Kontinuierlich hat das Gstaad Menuhin Festival die letzten ­Jahre publikumsmässig zugelegt. Letztes Jahr erreichte das Besucherbarometer 26 000 Eintritte – bei insgesamt 70 Konzerten, 7 davon im Gstaader Zelt. «Heuer werden es 25 000 Zuschauer sein», verkündet Festival-Intendant Christoph Müller – bei gleicher Anzahl Gesamtkonzerte, aber einem Zeltkonzert weniger.

Geht man davon aus, dass die durchschnittliche Auslastung des Zelts bei 65 Prozent liegt, so wird die Marke von 26 000 mindestens egalisiert, womit von einem indirekten Rekord gesprochen werden kann. Erst recht, da in diesem Sommer die Besucherpräsenz in den Zeltkonzerten nur gerade einmal unter der 1000er-Marke lag: beim Amerikaner Cameron Carpenter, der mit seiner Monsterorgel am 10. August Verrücktes bot. «So etwas Besonderes muss Platz haben, auch künftig», sagt Müller.

Zweisimmen profitiert

Auch sonst zeigt sich der künstlerische Leiter glücklich: «In den Kirchen haben wir eine 10-Prozent-Steigerung gegenüber 2016. Die Auslastung der Fixplätze lag bei 76 Prozent.» Weil die Kirchgemeinde Saanen nach wie vor die Beschränkung der ersten vier Wochen Konzertbespielung in der Kirche Saanen mit einem weiteren Wochenende und einem Sonderkonzert mit Spezialbewilligung (heuer jenes mit Sol Gabetta und Cecilia Bartoli, siehe unten) aufrechterhält, profitiert Zweisimmen.

Dort kriegt man nicht erst seit dieser Saison hochkarätige Interpretinnen und Interpreten zu hören und zu sehen: Sie füllt sich auch immer besser und stösst auf erfreuliche Resonanz, wie Müller verkündet: «Es ist eine wunderschöne und die zweitgrösste Kirche des Festivals – sie verlangt nach einer höheren Auslastung.» Deshalb wird sie auch entsprechend mit Klassikergrössen «gefüttert» – bei weniger hohem Preisniveau.

Zufrieden ist Müller auch mit dem Verlauf der Conducting Academy. Diese wird neu von Jaap van Zweden geleitet und bietet jungen Dirigiertalenten die Möglichkeit, während der dreiwöchigen Präsenz des neuen Gstaad-Festival-Orchestra-Dirigenten zu reifen. «Hier wünsche ich mir eine bessere Auslastung der günstig angebotenen Academy-Konzerte. Schliesslich werden hier Karrieren geschmiedet.»

Gut lief für Müller auch das Digitalprojekt, bei dem sich 600 Leute registrieren liessen. Das Discovery-Projekt wurde rund 300 Kindern als Spezialpaket angeboten (barocke Vogelstimmen mit Flötist Maurice Steger und Sopranistin Nuria Rial) und erfreute sich grosser Beliebtheit.

Motto 2018: «Les Alpes»

Der Blick voraus im nächsten Jahr lautet auf das Thema «Les Alpes». Hier werden besonders romantische Kompositionen von Mendelssohn, Brahms, Richard Strauss und Wagner in verschiedene Kammermusikzyklen bezüglich Alpenmotive unter die Lupe genommen. Dazu gehören auch musikalische Naturgewalten und -schilderungen etwa von Haydn und Schubert sowie sämtliche Kompositionen, die Brahms in seiner Thuner Zeit niederschrieb. Der Geiger Daniel Hope wird sich zum Auftakt des Festivals der Jahreszeiten-Themen annehmen. Verknüpfungen von Vivaldi und Piazzolla im Tango- und Crossover-Modus sind angedacht, aber auch ein Haydn-Oratorium, das der charismatische Chorleiter Paul McCreesh in der englischen Sprache zur Aufführung bringen will.

In den Kammermusikkonzerten werden Namen wie die beiden Pianisten Rudolf Buchbinder (Österreich), András Schiff (Ungarn) und Khatia Buniatishvili (Georgien) mit zwei bis drei Auftritten herausstechen. Patricia Kopatchinskaja (zweimal) und die höchst beliebte Sol Gabetta (fünfmal) im Streicher­bereich dürften erneut für hohe Besucherquoten sorgen, ebenfalls Janine Jansen, die in einem Rezital in der Kirche Saanen zu erleben sein wird.

Jonas Kaufmann kehrt zurück

Im Opernfach wird die erneute Verpflichtung von Startenor Jonas Kaufmann am 18. August 2018 für entsprechende Magnetwirkung und Verkaufszahlen sorgen. Kaufmann, der schon am 22. August 2015 in Gstaad auftrat, wird den ersten Akt von Wagners «Walküre» bestreiten – zusammen mit dem Gstaad Festival Orchestra (GFO) und seinem Dirigenten Jaap van Zweden. Erneut sind Konzerte im Ausland vorgesehen, diesmal in Deutschland und Österreich. Ein weiteres Konzert bestreitet das GFO am 11. August mit der Pianistin Hélène Grimaud. Wieder mal dabei ist auch der ­russische Dirigent Valery Gergiev, der an zwei Konzerten das Orchester des Marinsky-Theaters in St. Petersburg leiten wird.

Nächstes Jahr wird das Kinderprojekt wieder kantonal bestritten. Brahms wird dabei im Zentrum stehen mit einer Inszenierung von Tanz und Perkussion. Die Kinder können vor dem grossen Schlusskonzert am 1. September am Nachmittag mit Sol Gabetta und Vilde Frang zusammentreffen, die abends im Zelt auftreten – zusammen mit dem Orchester der Scala Milano unter der Leitung von Christoph von Eschenbach.

Am Samstag um 19.30 Uhr wird das Gstaad Menuhin Festival mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Gianandrea Noseda im Zelt abgeschlossen. Khatia Buniatishvili spielt anstelle des zweiten Klavierkonzerts von Prokofjew das zweite von Sergei Rachmaninow. Weiter im Programm: Tschaikowskys Vierte und Edward Elgar.www.gstaadmenuhinfestival.ch

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