125-jährig und nur ein bisschen müde

Wilderswil

Damit die Dampflok H 2/3, Nr. 5 der Schynige-Platte-Bahn im Jubiläumsjahr 2018 vermehrt die Nostalgiestrecke der Berner-Oberland-Bahnen (BOB) erklimmen kann, revidiert der Verein Lok 5 Lunge und Oberbau der alten Dame. Der Verein sichert somit das Überleben der einzigen SPB-Dampflok.

Blick in den offenen Kessel der Dampflok Nr. 5.<p class='credit'>(Bild: Guido Lauper)</p>

Blick in den offenen Kessel der Dampflok Nr. 5.

(Bild: Guido Lauper)

«Die Belegschaft der SPB ist im Winterhalbjahr mit dem Unterhalt der nostalgischen Fahrzeuge der SPB ausgelastet, findet also kaum Zeit, die noch letzte Dampflok in Schuss zu halten», begründet Martin Schwertfeger den am 5. März 2015 gegründeten Verein Lok 5.

«Damals hatten wir mit dem Vorstand begonnen», ergänzt der Vereinspräsident, «heute sind wir 345 Mitglieder, vorwiegend aus der Region Nordwest- und Ostschweiz.» Damit der Verein seine Aufgabe auf Dauer wahrnehmen könne, sei er aber auf weitere Mitglieder angewiesen. «Zahlend oder direkt anpackend», sagt Schwertfeger, «mithelfen kann jeder, selbstverständlich auch Frauen.» So führt die Ehefrau eines pensionierten Lokführers, der aktiv anpackt, die Vereinskasse.

In der vergangenen Winterpause der SPB, die jeweils von Ende Oktober bis Anfang Juni dauert, hatten vier Männer unter der Leitung des Dampfspezialisten Schwertfeger bereits Achsen und Fahrgestell der «Bergsteigerin» revidiert. Und dabei 649 Arbeitsstunden gegen Spesenentschädigung geleistet. Diesen Winter sei der Oberbau an der Reihe.

«Der eidgenössische Kesselinspektor hat die defekten Stehbolzen im Kessel beanstandet, die auf sein Geheiss dringend zu ersetzen sind», erklärt Schwertfeger. Mehrere stählerne undichte Stehbolzen müssten ersetzt werden, die mit circa 160 «Kollegen» Feuerbüchse und Kessel zusammen halten. Nebst den Arbeiten, welche die Freiwilligen in der SPB-Werkstätte im Wilderswil ausführen, erfolgen die Sandstrahlarbeiten bei den Kraftwerken Oberhasli KWO.

Erscheinungsbild von dazumal

Ebenfalls gründlich überholt wird das Führerhaus. «Nach den Malerarbeiten in der ‹Elefantenkarosserie›, Interlaken, wird die Lok im ursprünglichen anthraziten und schwarzen Erscheinungsbild erstrahlen», freut sich Schwertfeger und präzisiert: «Bis sie Ende Mai 2018 zu ihrem ersten Einsatz aufbricht, steht uns mit etwa 1000 Arbeitsstunden ein sportliches Ziel bevor.»

Dann wird sie wie jedes Jahr vor Saisonbeginn zum Wiederaufbau der Fahrleitung im lawinengefährdeten Hang zwischen der Mittelstation Breitlauenen und dem Grätlitunnel eingesetzt. Der Abbau im Herbst erfolgt jeweils mit einer Elektrolok, die nach dem Niederlegen der Fahrleitung samt Masten ohne elektrischen Strom abwärts verkehrt. Da – wie im Normalbetrieb – die durchs Bremsen erzeugte Energie in Widerständen auf der Lok in Wärme umgewandelt wird.

Wie es sich für eine Jubilarin gehört, sollen die Nostalgiker aus dem In- und Ausland in der Saison 2018 vermehrt in den Genuss von Dampffahrten kommen. Wohlwissend um die Konkurrenz durch mehrere Vereine im Berner Oberland, appelliert Martin Schwertfeger an die Bevölkerung: «Damit die 1894 gebaute Lok H 2/3 Nr. 5 längerfristig überleben kann, sind wir auf weitere Mitglieder angewiesen.»

Unterstützung bestätigt

Verwaltungsrat der BOB zu der die SPB gehört, steht dem Verein Lok 5 positiv gegenüber», sagt Martin Schwertfeger. Mediensprecherin Patrizia Bickel erläutert die Meinung der BOB: «Der Verein geniesst unsere volle Unterstützung. Die anstehende Revision der Lok 5 unterstützen wir auch finanziell.»

«Im Hinblick auf das 125-Jahr-Jubiläum der SPB im kommenden Jahr kommt die Revision zu einem sehr passenden Zeitpunkt. Wir begrüssen es, dass sich ein Verein um den Erhalt von historischem Bahnmaterial kümmert. Dessen Arbeit entspricht damit auch einer der Zielsetzungen der Schynige-Platte-Bahn.»

Berner Zeitung

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