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Oberaargauer sind ernüchtert

NationalratDer Oberaargau ist im Nationalrat nicht vertreten. Auch die gut 85000 Stimmen von Christian Hadorn (SVP) reichten nicht. Die besten Chancen hätte wahrscheinlich Dieter Widmer (BDP) gehabt – aber der kandidierte nicht. Sollen die Wähler künftig Nichtoberaargauer streichen?

Kein einziger Oberaargauer Kandidat schaffte es in den Nationalrat. Völlig unerwartet kam dies nicht. Trotzdem ist die Ernüchterung gross. Eine einzelne Partei kann dies kaum ändern, die ganze Region müsste zusammenspannen. Darin waren sich die Gescheiterten gestern einig. «Wir Oberaargauer müssten konsequent alle Kandidaten aus andern Wahlkreisen streichen, so wie das die Oberländer schon lange tun. Aber wollen wir das wirklich? Wir sind doch weltoffen», sagt Christian Hadorn (SVP). «Ich erhielt 85313 Stimmen und bin nicht gewählt – was kann ich denn noch tun?» Ins gleiche Horn stösst Markus Meyer (SP): «Wenn der Oberaargau einen Nationalratssitz erobern will, dann muss er zusammenstehen. Andere machen uns das vor. Die Oberländer vertreten ihre regionalen Interessen hemmungslos.» Für Meyer steht fest: Oberaargauer starten mit einem klaren Handicap. Auch in der SP seien in den letzten Jahren praktisch nur noch Städter gewählt worden. Da habe er es als Roggwiler mit dem Rücken zur Kantonsgrenze besonders schwer. «In Bern wäre ich wohl gewählt.» An ein Nachrutschen während der Legislatur glaubt Meyer nicht. Falls es Hans Stöckli in den Ständerat schafft, ist er wiederum erster Ersatz. Die Neuen machen kaum Platz. Dass ein Nationalrat für die Region gut wäre, ist für Markus Meyer keine Frage: «Ich sehe ja, was mein Grossratsmandat der Gemeinde bringt.» An den richtigen Köpfen fehle es dem Oberaargau keineswegs. Als Beispiele nennt er Kurt Schär oder Christian Hadorn. Sein persönliches Resultat kommentiert er so: «Nüchtern betrachtet hatte ich gegen einen TV-Star und den Berner Stadtpräsidenten ganz einfach keine Chance.» Nimmt man das Resultat von Dieter Widmer (BDP) bei den letzten Grossratswahlen als Massstab, dann hätte der wahrscheinlich die besten Chancen gehabt, einen Nationalratssitz in den Oberaargau zu holen. Widmer lacht und sagt: «Ich habe am Sonntag die Resultate im Rathaus hochinteressiert mitverfolgt und muss zugeben, ich hätte wohl tatsächlich sehr nahe dran sein oder vielleicht sogar gewählt werden können.» Aber Widmer kandidierte nicht und bereut dies auch nicht: «Meine neue Arbeit im Spital ist spannend und fordert mich. Sie wäre mit dem 50- bis 60-Prozent-Pensum eines Nationalrates im Moment kaum vereinbar.» Widmer hofft, dass es gelingt, in den nächsten vier Jahren geeignete Kandidaten aufzubauen. «Das Emmental hat auch lange geklagt, es fühle sich nicht vertreten, und dann änderte sich das plötzlich.» Einer, der die Zukunft noch vor sich hat, ist der Grünliberale Kurt Schär. Diesmal landete der erfolgreiche Unternehmer – Schär leitet die Huttwiler Biketec AG – zwar lediglich auf dem 3.Ersatzplatz. Für den 46-jährigen Roggwiler indes keine Enttäuschung. Als Vertreter eines kleinen Wahlkreises sei es schwierig, in Bern und der Agglomeration Stimmen zu holen. Schär hatte sich auf den letzten Listenplatz setzen lassen – was er trotz seiner Nichtwahl wieder so machen würde. Obwohl es noch nicht geklappt hat, will Kurt Schär weiter politisieren und das Kopräsidium der Berner Grünliberalen behalten. Bescheidene Stimmkraft «Die Stimmkraft des Oberaargaus ist halt bescheiden», sagt Stefan Costa, Geschäftsführer der Region Oberaargau und zuvor persönlicher Mitarbeiter von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Dass eine Wahl trotzdem möglich gewesen wäre, beweist laut Costa das Beispiel des grünliberalen Unternehmers Jürg Grossen in Frutigen. Das hätte er auch Kurt Schär zugetraut. Dem Selbstbewusstsein aller Oberaargauer hätte ein Wahlerfolg zweifellos gutgetan, da ist sich Costa sicher. Wenn es um regionale Themen wie den Autobahnzubringer geht, dann misst er der Zusammensetzung der Verkehrskommission allerdings mehr Bedeutung zu als dem Einfluss eines einzelnen Nationalrates. «Zudem brauchen solche Anliegen überkantonale Koalitionen.» Für den Oberaargau sei es deshalb wichtiger, im Kanton gut vertreten zu sein. Da pflichtet ihm auch Robert Sutter, Präsident der Region Oberaargau, bei. Dafür ein Bundesrat Übrigens: Die bescheidene Vertretung des Oberaargaus im Bundeshaus hat Tradition: Seit 1988 sass immer nur maximal ein oder gar kein Oberaargauer im Nationalrat. Zwischen 1983 und 1987 dagegen waren es mit Ulrich Ammann (FDP), Gottlieb Geissbühler (SVP) und Kurt Meyer (SP) gleich drei. Zurzeit stellt der Oberaargau mit Johann Schneider-Ammann (FDP) immerhin einen Bundesrat. rgw/sae>

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