Zwei neue, jedoch teurere Varianten

Die Planung zur Verkehrssanierung Aarwangen–Langenthal Nord geht voran. Die Streckenführung steht. Aktuell werden drei Tunnels abgeklärt. Sie kosten bis zu 58,6 Millionen Franken.

Gesittete Runde (v. l.): Kreisoberingenieur Roger Schibler, Aarwangens Gemeindepräsident Kurt Bläuenstein, Baudirektor und Regierungspräsident Christoph Neuhaus, Beat Siegrist als Gemeindepräsident von Thunstetten-Bützberg sowie Komiteevertreter Samuel Jenzer.

Gesittete Runde (v. l.): Kreisoberingenieur Roger Schibler, Aarwangens Gemeindepräsident Kurt Bläuenstein, Baudirektor und Regierungspräsident Christoph Neuhaus, Beat Siegrist als Gemeindepräsident von Thunstetten-Bützberg sowie Komiteevertreter Samuel Jenzer.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Chantal Desbiolles

Zweifel und offene Fragen blieben. Kreisoberingenieur Roger Schibler und Baudirektor Christoph Neuhaus (SVP) konnten sie am Dienstagabend bis zuletzt nicht ausräumen. Und dies, obwohl Schibler vor sicherlich dreihundert Interessierten in der Mehrzweckanlage Byfang mehrmals versprochen hatte.

Sollte durch die geplante Verkehrssanierung Aarwangen–Langenthal Nord Schleichverkehr entstehen, werde man flankierende Massnahmen treffen, um ihn zu unterbinden. Denjenigen Schleichverkehr, über den sich während des Informationsanlasses vornehmlich die Einwohnerinnen und Einwohner von Thunstetten-Bützberg heute beklagen, führt er auf die heutige Stausituation ohne Zubringer zurück.

Die Umfahrung, davon sei er als Kreisoberingenieur überzeugt, werde nicht zu noch mehr Schleichverkehr führen.Darauf deuteten die ersten Erkenntnisse aus den Verkehrserhebungen hin – der Fachmann nennt sie Knotenstromzählungen –, die im Sommer durchgeführt worden seien.

Diese Messungen sollen eine Prognose möglich machen, wo wie viel Verkehr 2024 in Langenthal, Bützberg und Aarwangen fliessen wird – berechnet wird die Belastung mit und ohne Umfahrung.

330 oder 565 Meter mehr

Die geplante Umfahrungsstrasse besteht aus 3,6 Kilometern Strasse, einer 470 Meter langen Brücke über die Aare und einem 500 Meter langen Tunnel durch den Spichigwald zwischen Aarwangen und Langenthal. Inzwischen prüfen die Planer zwei weitere, längere Tunnelvarianten.

«Tunnel mittel» geht von einem um 330 Meter längeren Bauwerk aus, das tiefer in den Boden gelegt werden muss. Dadurch wird der Tunnel unter dem Bützbergtäli hindurch auf einer Länge von insgesamt 830 Metern vor den Hardwald geführt.

Die Bützbergstrasse würde bei dieser Variante entlang der Umfahrung leicht gegen Norden umgelegt. Stützmauern, ein Lüftungssystem und eine zweite Tunnelzentrale treiben die Kosten in die ­Höhe: 34,2 Millionen Franken kostet diese Variante.

«Tunnel lang» führt über 1065 Meter im Boden direkt auf den Kreisel der Bern-Zürich-Strasse. Die Bützbergstrasse wird unterquert, dasselbe gilt für alle Bächli unterwegs. Kostenpunkt: 58,6 Millionen Franken. Sowohl diese als auch die zweitlängste Variante tangieren den Grundwasserhöchststand.

Die Schleicher im Griff

Bleibt als Drittes die Lösung aus dem Vorprojekt, die nun «Tunnel kurz» heisst. Weil diese Variante Teil der Abstimmung im ver­gangenen Frühling war, sind die Kosten dafür im 136-Millionen-Projekt inbegriffen. Garantiert in den Griff bekommen werde man den Schleichverkehr auch ohne verlängerten Tunnel, warb Schibler.

Die kurze Tunnellänge sei volkswirtschaftlich sinnvoll und vertretbar. Die Kernfrage aber sei: Rechtfertigen sich die Mehrausgaben für die gewonnenen ökologischen Mehrwerte? Diese Fragen werden abgewogen. Im November sollen auch die ­Ergebnisse aus der Mitwirkung zu den Tunnellängen präsentiert werden.

Keinen Hehl daraus, welche Länge er bevorzugt, machte Regierungspräsident Neuhaus. Er argumentierte mit dem Offensichtlichen. Den hohen Kosten für wenige Meter mehr an Tunnel und der Gefahr, der ein neuerlicher Kredit durch ein weiteres mögliches Referendum ausgesetzt wäre: dem politischen Tod.

Die Befürchtungen bleiben

Samuel Jenzer als Vertreter des überparteilichen Komitees, das eine alternative Linienführung lanciert hatte, favorisiert den längsten Tunnel. «Aus den bekannten Gründen», erklärte er in der anschliessenden Podiumsdiskussion.

Die Problematik sieht er in der Einfahrt in die Zürich-Bern-Strasse: Rückstau in Richtung Bützberg sei vorhersehbar. «Dass wir uns nicht von der Linienführung der Wirtschaftsstrasse Oberaargau lösen können, schadet.»

Beat Siegrist als Gemeinde­präsident von Thunstetten-Bützberg (SP) wurde nicht müde, zu betonen, dass sicherlich der Verkehr durch die Umfahrung in seiner Gemeinde massiv zunehmen werde. «Die Befürchtungen überwiegen bei uns ein wenig.»

Abweichen nur minimal

Aarwangens Gemeindepräsident Kurt Bläuenstein (FDP) stellte klar, dass die Linienführung nun gegeben ist. «So, wie abgestimmt worden ist, muss gebaut werden.»

Abweichungen seien nur im Bereich von wenigen Metern überhaupt noch möglich. Auch begründete er nochmals den Entscheid des Aarwanger Gemeinderats, der im März den Industrieanschluss hat fallen lassen.

Mit Navi nach Huttwil

Mit den Landeigentümern wird nun laut Schibler der Projekt­perimeter definiert und die Standortgemeinden überhaupt bei der Planung aktiv mitein­bezogen. Bis Ende Jahr sollen die technischen Grundlagen für die Verfeinerung des Projekts vor­liegen. 2022 möchte der Kanton mit dem Bau beginnen. Fünf Jahre später soll die Umfahrung befahren werden können.

Zweifel und offene Fragen blieben, wie sich nach vielen erklärenden Worten und konkurrierenden Haltungen in der Fragerunde zeigte. Was er denn nun als Bürger noch gegen die Linienführung tun könne, wollte einer wissen.

Eine Votantin bat Kreisoberingenieur Schibler, im Navi seines Autos Huttwil einzugeben – es werde ihn über den Hoger durch Thunstetten führen. Schliesslich schlug ein Aarwanger vor, die gesamte Umfahrung in den Boden zu verlegen.

Langenthaler Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt