Zwar kein Betrüger, aber wenig glaubhaft

Der Architekt, der vor fünf Jahren Gelder von mehreren Bauherren veruntreut hatte, wurde nun in zweiter Instanz vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen. Die dreijährige Freiheitsstrafe bleibt aber bestehen.

Albtraum statt Traum: Der nun auch vom Obergericht verurteilte Architekt stopfte mit dem Geld von Bauherren eigene Löcher.

Albtraum statt Traum: Der nun auch vom Obergericht verurteilte Architekt stopfte mit dem Geld von Bauherren eigene Löcher. Bild: Symbolbild Fotolia

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Weil ein Architekt aus dem Oberaargau ihre Zahlungen missbräuchlich verwendet hatte, verwandelte sich der Traum vom Eigenheim für drei Ehepaare sowie einen Mann zum echten Horrortrip. Der beschuldigte Architekt geriet mit seiner Firma im Sommer 2012 in Konkurs. Aus­löser dafür war der Handel mit US-amerikanischen Optionen. Als das Geld knapp wurde, verwendete der Geschäftsmann Zahlungen von Bauherren dafür, die Löcher zu stopfen.

Die Deliktsumme belief sich auf ungefähr 1,6 Millionen Franken. Da das für die Handwerker gedachte Geld nicht ankam, mussten die Kunden selber viel Geld in die Hand nehmen, teils in unfertige Häuser einziehen oder ihr erträumtes Eigenheim gar verkaufen.

Im September 2015 hatte sich der Architekt vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau zu verantworten. Dieses befand ihn der Veruntreuung, des Betrugs sowie der Misswirtschaft schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren – wovon zwei bedingt – und einer Geldstrafe in Tages­sätzen von total 41'600 Franken. Zudem wurden ihm die Verfahrenskosten auferlegt. Das Regionalgericht war in seiner Urteilsverkündung besonders streng, da der Angeklagte jegliche «wirkliche Reue» habe vermissen lassen.

Berufung eingelegt

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte bereits vier Tage später Berufung an. Der Architekt verlangte, in allen Punkten von Schuld und Strafe freigesprochen zu werden. Sein Anwalt kritisierte das Vorgehen der Vorinstanz. Auf diese Anschuldigungen ging das Obergericht aber nicht ein.

Insbesondere die Beanstandung, der Untersuchungsgrundsatz sei von den Strafunter­suchungsbehörden nur einseitig befolgt worden, wies das Ober­gericht vehement zurück. Die Staatsanwaltschaft sei ihren Untersuchungspflichten vollumfänglich nachgekommen. Sie habe sowohl die den Beschuldigten belastenden wie auch die ihn entlastenden Umstände gleichermassen sorgfältig untersucht.

Zudem folgte die zweite Instanz der Beurteilung des Regionalgerichts, welches die Aussagen des Angeklagten während des Verfahrens als wenig glaubhaft erachtet hatte. Er habe es mit der Wahrheit nicht immer so genau genommen und nur so viel zugegeben, wie man im gerade nachweisen konnte. Demgegenüber hatte die Vorinstanz die Aussagen der Privatkläger als insgesamt glaubhaft erachtet. Alles in allem hielt das Obergericht die Analyse und Würdigung der Vorinstanz für überzeugend und vollständig, wie in seinen Urteilsunterlagen zu lesen ist.

Geldstrafe reduziert

Letztlich entschied die zweite Instanz aber, den angeklagten Architekten von der Anschuldigung des Betrugs freizusprechen. Somit korrigierte es das Urteil des Regionalgerichts. Wie das Obergericht in seiner Begründung schreibt, setzt der Tatbestand des Betrugs eine unrechtsmässige Bereicherungsabsicht voraus. Und diese sei im Falle des Oberaargauers Architekten nicht gegeben gewesen. Denn der Geschäftsmann habe sich mit dem Geld der Bauherren nicht selbst bereichern wollen. Er habe vielmehr beabsichtigt, die Hypothek bei der Bank zu begleichen.

Hingegen für schuldig erklärt wurde der Angeklagte auch von der höheren Instanz in den Punkten der Veruntreuung, Misswirtschaft sowie der Unterlassung der Buchführung in seiner GmbH. Das Obergericht hielt an der von der Vorinstanz auferlegten Freiheitsstrafe von drei Jahren fest, die Geldstrafe reduzierte es indes auf 120 Tagessätzen zu 160 Franken. Das macht total 19'200 Franken anstelle der vom Regionalgericht angeordneten 41'600 Franken aus. Der Angeklagte kann das Urteil an das Bundesgericht weiterziehen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 01.10.2017, 16:29 Uhr

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