Zurück zur Natur – auf einem Pfad

Langenthal

Dem Freizeitgebiet Hirschpark-Schulwald wird in Langenthal ein weiteres Angebot hinzugefügt: ein Erlebnisweg für Kinder. Erzielt werden soll damit ein besseres Verhältnis zu Wald und Umwelt.

Die Elemente bestehen aus natürlichen Materialien. Fürs Fuchslabyrinth etwa wird Totholz verwendet.

Die Elemente bestehen aus natürlichen Materialien. Fürs Fuchslabyrinth etwa wird Totholz verwendet.

(Bild: Illustration/zvg)

Patrick Jordi@jordipatrick

Kinder wollen unterhalten sein und zum Spielen aufgefordert werden. Kaum einer weiss das besser als Christoph Lehmann, Bereichsleiter Kinderanimation bei Tokjo, der Kinder- und Jugendfachstelle der Region Langenthal. Lehmann ist Projektleiter des geplanten Erlebnispfads im Langenthaler Schulwald. Im dazugehörigen Konzept listet er Gründe dafür auf, weshalb die Animation «dringend notwendig» sei: fortschreitende Konsumorientierung, Veränderungen im öffentlichen Raum, Druck des sozialen Wandels.

Dass sich Kinder mit der Natur verbunden fühlen und Freude am Spielen im Freien haben, dafür sorgt Tokjo eigentlich schon heute: mit dem Spielwagen. Nun soll im Wald auch noch ein Erlebnispfad hinzukommen. Warum? «Neben den Angeboten in Vereinen und Institutionen fehlt Kindern und Familien oft eine naturgetreue und aktivierende Möglichkeit zur gemeinsamen Auseinandersetzung mit der ­Natur», führt Christoph Lehmann aus. Normale Spielplätze könnten diesbezüglich nur un­zureichend Ersatz bieten.

Kinder sind weniger draussen

Sich mit der Natur auseinandersetzen? Das ging früher auch ­ohne Erlebnispfad. Kinder bauten im Wald eine Hütte, machten ein Feuer oder stauten ein Bächlein. Wer den Ausführungen von Kinderanimator Lehmann folgt, merkt: Heute sind solche Naturerlebnisse offenbar nicht mehr selbstverständlich. «Die Kinder bewegen sich auf kleinerem Raum», sagt Lehmann. Er spielt damit auch auf die schwindenden Flächen im öffentlichen Raum an. Dazu führen etwa eine verdichtete Bauweise oder der ­zunehmende Verkehr. Einfach gesagt: Kinder halten sich heute weniger in der freien Natur geschweige denn im Wald auf.

Aus diesen Gründen sollen sich Kinder und deren Begleitpersonen künftig zwischen Hirschpark und Brätliplatz Haslibrunnen auf eine Entdeckungsreise begeben können. Der Erlebnispfad führt durch den Schulwald – eine Parzelle, die der Stadt Langenthal ­gehört. Start- und Zielpunkt soll der gleiche sein wie jener des Vita-Parcours, jedoch mit separater Beschilderung.

Von hier aus verläuft der Pfad grösstenteils über bestehende Waldwege. Die gesamte Strecke beträgt rund 1,7 Kilometer und soll von Kindern im Alter von sechs bis elf Jahren in 45 bis 60 Minuten reiner Laufzeit absolviert werden können. Da die Kinder unterwegs spielen, erforschen und ausprobieren – es wurden acht Standorte definiert, die mit Spielelementen ausgestattet werden sollen –, rechnen die Initianten mit einer Gesamtzeit von drei bis vier Stunden.

Mit dauerhaftem Holz bauen

Bauliche Eingriffe sind also unumgänglich. Die Projektverantwortlichen wollen jedoch dafür sorgen, dass die Stationen möglichst gut in die bestehende Situ­ation integriert werden können. Betonfundamente sollen nur dort verwendet werden, wo es die Statik erfordert. Ansonsten wird im Konzept empfohlen, für die Spielelemente Robinienholz zu verwenden, da dieses besonders dauerhaft sei. Mit knallbunten, überdimensionierten oder sonst wie deplatziert wirkenden Installationen ist nicht zu rechnen. Stattdessen wird mit den Elementen der Bezug zur Natur gesucht. Etwa beim sogenannten Fuchslabyrinth: Dieses soll mit Zäunen aus Totholz geformt werden. Die so aufgestellten Wände würden vielen Kleintieren einen Lebensraum bieten, heisst es im Konzept von Tokjo.

Dass das vorgeschlagene Areal mit dem Errichten des Erlebnispfads zum Tummelplatz für Kinder und Familien wird, stellt Christoph Lehmann nicht in Abrede. Mit der Vielzahl an Angeboten im Schulwald wird bewusst umgegangen. Man will sich mit den verschiedenen Nutzern des Waldabschnitts vernetzen und gut kommunizieren. «So kann ein weiteres gewinnbringendes Angebot in der Natur umgesetzt werden, ohne sich gegenseitig zu behindern und weitere Waldabschnitte neu erschliessen zu müssen», zeigt sich Lehmann überzeugt. Die Verantwortlichen betonen, dass sich die Tierwelt und die Forstwirtschaft daran gewohnt seien, im Schulwald Einschränkungen vorzufinden.

Burger hatten was zu sagen

Apropos Forstwirtschaft: Abgekommen sind die Projektverantwortlichen von der ursprüng­lichen Idee, den Erlebnispfad auch auf die benachbarte Parzelle der Burgergemeinde Langenthal auszudehnen. Diese habe im ­Planungsprozess ihre Bedenken hinsichtlich der Forstnutzung ­geäussert. «Daraufhin haben wir das Projekt wieder etwas redimensioniert», sagt Lehmann.

Mit dem Pfad wird an eine Geschichte angeknüpft, die bei Tokjo schon heute für die Kinderanimation eingesetzt wird: Im Wald sollen die Kinder in die Welt der beiden Kobolde Pixie und Murkel eintauchen. Kosten sollen der Bau und die Umsetzung rund 77'000 Franken. Zurzeit bestehen zugesicherte Beiträge von rund 54'000 Franken. Als Hauptsponsor tritt die Mobiliar auf.

Das Baugesuch der Kinder- und Jugendfachstelle kann bis zum 27. Dezember am Einwohnerschalter Langenthal eingesehen werden.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt