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Zu Gast bei Wanderfreunden

Die Naturfreunde Herzogenbuchsee wollen einen Beitrag zur Integration leisten. Zusammen mit einer Freiwilligengruppe nehmen sie Flüchtlinge und Asylbewerber mit auf eine zweitägige Wanderung. Das Angebot stösst auf grosses Interesse.

Eine Wanderung in die Buchsiberge? Ob das bei den Flüchtlingen in Buchsi und den Bewohnern des Asylzentrums in Aarwangen gut ankommt? Konfrontiert mit dem Vorhaben der Naturfreunde, stellt man sich diese Frage unweigerlich. Diese Menschen sind aus Krisengebieten geflüchtet und sehen sich nun einer ungewissen Zukunft gegenüber. Was interessiert sie da die schöne Landschaft des westlichen Oberaargaus?

Doch siehe da: Rund fünfzig Personen haben sich bis Anfang dieser Woche dafür angemeldet – eine Hälfte ungefähr aus Buchsi und Umgebung, die andere aus Aarwangen. «Wir hatten eigentlich mit zwanzig Anmeldungen gerechnet», sagt Fredy Hubacher, Präsident der Buchser Sektion der Naturfreunde Schweiz. «Dann wären wir schon zufrieden gewesen.»

«Ins Gespräch kommen»

Die Idee für die Wanderung, die unter dem Motto «Zäme ungerwägs sy» am Wochenende stattfindet, kam von Hubacher selbst. «Ich hatte einen Fernsehbeitrag über eine eintägige Wanderung mit Flüchtlingen gesehen. Das wäre doch etwas für Buchsi, dachte ich mir.» Annemarie Maurer, der Wanderleiterin, hatte der Präsident damit einen Floh ins Ohr gesetzt. «Sie war sogleich Feuer und Flamme.» Woraufhin die Naturfreunde Kontakt mit den freiwilligen Flüchtlingshelfern in Buchsi und den Verantwortlichen des Asylzentrums Aarwangen aufnahmen. Aus einer einfachen Idee heraus war nun ein konkretes Projekt geboren.

Die Naturfreunde verfolgen mit ihrer Aktion klare Absichten. «Die Flüchtlinge bleiben vor allem unter sich, haben wenig Veränderung in ihrem Alltag und kennen ihre Umgebung schlecht», erzählt Fredy Hubacher. «Wir wollen ihnen deshalb eine Abwechslung zu ihrer normalen Wohnumgebung ermöglichen und ihnen zeigen, was es rund um Buchsi alles zu sehen gibt.» Zudem möchten die Naturfreunde einen Beitrag zur Integration leisten. «Diese läuft vor allem über den Austausch mit Deutschsprechenden, also über die Sprache», meint Hubacher.

«Mit der Wanderung bieten wir den Flüchtlingen die Möglichkeit, Schweizer aus der Region kennen zu lernen und mit diesen ins Gespräch zu kommen.» Allfällige Verständigungsprobleme sollten dabei kein Hindernis sein, ist sich Ruedi Eichenberger sicher, der einmal in der Woche in Buchsi Flüchtlingen Deutsch unterrichtet und ebenfalls an der Wanderung teilnimmt. «Die Flüchtlinge sind nicht sprachlos. Einige von ihnen sprechen bereits recht gut Deutsch.» In Buchsi wohnen Eritreer und Iraker.

Über acht Stunden unterwegs

Die Wanderung führt die Naturfreunde und ihre Gäste am Samstag von Buchsi aus über Thörigen hinauf auf die Wäckerschwend. Dort wird im Naturfreundehaus übernachtet, wo es drei Schlafräume mit total 28 Betten gibt. Weil diese nicht dafür ausreichen, alle unterzubringen, bieten die Organisatoren den Spätanmeldern einen Autotransport an, der sie am Samstagabend hinunter in ihren Wohnort und am Sonntagmorgen wieder hinaufbringt. Andere Flüchtlinge, vor allem Familien mit kleineren Kindern, so berichtet Eichenberger, hätten sich schon von Beginn an nur für den Samstag angemeldet.

Für die Rückreise am Sonntag rechnet Eichenberger mit rund 25 Wanderern. Die Gehzeit beträgt insgesamt etwas mehr als acht Stunden. Dass sie die Flüchtlinge und Asylbewerber damit überfordern könnten, glaubt Hubacher nicht. «Es sind einfache Wanderungen, und wir werden genügend Pausen einlegen.» Zudem gibt es die Möglichkeit, die Wanderung abzukürzen und zum Beispiel ab der Lueg den Bus nach Burgdorf zu benützen.

Kochen und Lotto spielen

Für die Betreuung sind rund ein halbes Dutzend Personen von den Naturfreunden und der Freiwilligengruppe zuständig. Einige von ihnen werden auch mit den Flüchtlingen übernachten. Zuvor wird es noch ein gemeinsames Abendprogramm mit Kochen, Essen und Spielen geben. Mehrere Frauen hätten aus eigener Initiative etwas ans Essen beisteuern wollen, freut sich Eichenberger.

«Eine Eritreerin will Injera zubereiten, eine ostafrikanische Spezialität mit gesäuertem Fladenbrot, eine andere wird Kuchen backen. Bei so vielen Teilnehmern sind solche Beiträge doppelt willkommen.» Um in einen Austausch zu kommen, wollen die Teilnehmer auch gemeinsam spielen: «Vielleicht wäre Lotto das Richtige», sagt Fredy Hubacher und schmunzelt. Die Regeln dieses Spieles liessen sich bestimmt rasch vermitteln.

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