Zu Bed and Breakfast bei der «Hübelihäx»

Walterswil

Annette und Reinhard Hasler-Pfaffen ­bewegen sich ausserhalb der üblichen Pfade, haben aussergewöhnliche Hobbys, ein Herz für Tiere – und empfangen gern Gäste.

Das Ehepaar Hasler-Pfaffen vor ihrer ­«idyllischen Wohlfühloase», wie sie ihr Haus nennen.

Das Ehepaar Hasler-Pfaffen vor ihrer ­«idyllischen Wohlfühloase», wie sie ihr Haus nennen.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Ein herzliches Lächeln, leuchtende Augen, lange weisse Haare. Das ist Annette Hasler-Pfaffen. «D Hübelihäx», wie sie von den Leuten im Dorf auch genannt wird. «Wahrscheinlich, weil ich das Herz auf der Zunge trage», vermutet die 52-jährige Walterswilerin. Dabei sieht sie gar nicht wie eine Hexe aus.

Auch das an einem Hang gelegene Hübeli lassen die seit Tagen ersehnten Sonnenstrahlen freundlich und einladend erscheinen. Unzählige Bienen summen im Wintergeissblattbusch neben der Terrasse, von wo aus auch der neu angelegte Schwimmteich zu sehen ist.

Eine idyllische Wohlfühloase. «Es war das Haus meiner Grosseltern und Urgrosseltern», sagt Annette Hasler. «Ich selber bin unten im Dorf aufgewachsen.»

Seit bald drei Jahren bietet sie auf dem Hübeli ein Bed and Breakfast an. Das liebevoll eingerichtete Gästezimmer befindet sich in einer Dépendance. In der Ecke steht ein kleiner Schwedenofen. Vier Fenster durchfluten das Zimmer mit Licht. An der Wand neben dem Bett hängt eine alte Gepäckablage aus einem Eisenbahnwagen, neben dem Eingang steht eine Kommode ohne Türen.

«Ich mag keine geschlossenen Möbel, offen sind sie viel freundlicher», erklärt die Hausherrin. Als Nachttisch dient eine alte Holztruhe. Sorgfältig ausgewählte und liebevoll platzierte Gegenstände sind auf dem ganzen Anwesen zu finden. «Auf dem Hübeli läuft die Zeit etwas anders», so Annette Hasler.

Ziegen aus dem Zirkus

Unter dem Gästezimmer liegt ein Hühner- und Kaninchenstall. Etwas weiter unten steht ein grosser Ziegenstall. Ein rot-weisser Kater kommt und holt sich seine Streicheleinheiten ab. Viele der Tiere sind Verzichtstiere, die auf dem Hübeli ihren Lebensabend verbringen dürfen.

Zwei der Ziegen kommen aus dem Zirkus Monti, bei dem Annette Hasler vor längerer Zeit arbeitete. «Ich bin viel in der Welt herumgekommen», sagt sie. Ihr liebster Ort war Ibiza. «Dort fand ich bei einer Familie Anschluss und wurde wie eine Tochter aufgenommen.»

Sie musste umsatteln

Die spanische Gastfreundschaft hat sie mit nach Hause in die Schweiz genommen. «Wenn mich das Fernweh packt, steht hinter dem Haus ein Wohnwagen», sagt sie. So kann sie gehen, wann sie möchte, meist reicht der Gedanke daran aus, um das Fernweh wieder etwas verblassen zu lassen.

«Wenn mich das Fernweh packt, steht hinter dem Haus ein Wohn­wagen.»Annette Hasler-Pfaffen

«Zuletzt habe ich als selbstständige Putzfrau gearbeitet», sagt Annette Hasler. Durch eine schmerzhafte Arthrose in den Händen wurde diese Arbeit jedoch immer schwieriger. Schweren Herzens suchte sie nach einer anderen Tätigkeit. Und so kam ihr Idee des Bed and Breakfasts.

Der Feuerwerker

Ihr Mann, Reinhard Pfaffen, hilft ihr dabei – wenn er nicht gerade als heilpädagogischer Lehrer arbeitet. Zudem hat er ein aussergewöhnliches Hobby. Seine Leidenschaft ist das Feuerwerk. «Bereits mit zwölf Jahren habe ich zu Hause bei meinen Eltern mein erstes selbst konstruiertes Feuerwerk entzündet und danach die Zimmerdecke frisch streichen müssen», sagt er mit einem schelmischen Lächeln. Seitdem habe ihn das Feuer nicht mehr losgelassen.

War es anfangs ein gelegentliches Hobby, investiert er heute unzählige Stunden in die Feuerwerkevents und reist mit seinem umgebauten Feuerwehrauto als «Börni Rauch» durch die ganze Schweiz. Vor sieben Jahren hat er für einen Event einen Grossauftrag erhalten. Um den Auftrag nicht zu verlieren, musste er eine Einzelfirma gründen.

Häufig sind es Anlässe, bei denen im Team eine vorbereitete Holzkonstruktion nach Plan aufgebaut, mit Feuerwerkskörpern bestückt und danach entzündet werden. Eine hohe Kunst sind indes die Indoorfeuerwerke. Hier arbeitet Reinhard Pfaffen meist mit Trockeneis, Rauchmaschinen und Indoorzuckerstöcken.

«Während meiner Zeit im Zirkus Wunderplunder vor etwa 18 Jahren habe ich als Pyrotechniker im Zelt gearbeitet», erklärt der ebenfalls 52-Jährige mit Stolz. Diese Erfahrung fliesst in seine heutigen Ideen mit ein.

Berner Zeitung

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