Madiswil

Wo Politik Abwechslung in den Arbeitsalltag bringt

MadiswilHansueli Grogg und Lydia Lehmann gehören zu den Mitarbeitenden der Werkstätte für Behinderte, die das Material für die Gross- und Regierungsratswahlen verpacken. Darauf sind sie stolz.

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Konzentriert ergreift Hansueli Grogg einen Wahlprospekt der SVP, je einen von Grünliberalen, Juso, SVP, Pnos, Jungen Grün­liberalen, SP und Roberto Mangante und legt sie auf eine Beige. Die nächsten kommen um 90 Grad gedreht obendrauf. Im Oberaargau künden sich die kantonalen Wahlen vom 25. März an.

Draussen mit den ersten Kandidatenporträts an den Strassenrändern. Drinnen in der Werkstätte der Stiftung WBM Madiswil mit Paletten voller Werbe- und Abstimmungsmaterial.273 Gramm wiegt der Umschlag, den alle rund 58'000 Wahlberechtigten im Oberaargau erhalten werden. Insgesamt knapp 1,6 Tonnen Papier lagerten gestern also in der WBM-Werk­stätte.

Ende März wird Hansueli Grogg die Listen von SVP, Pnos, Jungen Grünliberalen, SP und Roberto Mangante wieder zur Hand nehmen. «Ich gehe regelmässig abstimmen und wählen», sagt der 61-jährige Roggwiler. Politik sei für ihn sehr wichtig, ­ergänzt er, hingen doch sein Gehalt und seine Rente von ihren Entscheiden ab.

Soziales System unter Druck

Um Beispiele ist er nicht verlegen: Im Rahmen der Spardebatte im Berner Grossen Rat seien auch Massnahmen diskutiert worden, die zu Lohnkürzungen in den Werkstätten für Behinderte geführt hätten.

Und zuvor, bei der fünften Revision der Invalidenversicherung, habe das Volk auf eidgenössischer Ebene Rentenkürzungen zugestimmt. Das zeigt ihm: «Unser soziales System ist unter Druck geraten.» Dabei ­seien Menschen wie er auf dieses angewiesen, um Grundbedürfnisse wie Wohnen und Ernährung befriedigen zu können.

Gross anschauen wird Hansueli Grogg die vielen bunten Prospekte allerdings nicht, bevor er sein persönliches Wahlcouvert bestückt. Er sei Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, erklärt er, und werde die vorgedruckte Liste dieser Partei benützen.

«Was für mich in der Politik sehr wichtig ist: Anstand und Respekt für ­Andersdenkende.»Hansueli Grogg

Sich selbst bezeichnet der Roggwiler als gemässigt links, an Parteiversammlungen geht er allerdings nicht. Bei Sachabstimmungen bemühe er sich aber jeweils schon, eine eigene Meinung zu bilden. Und was ihm in der Politik sehr wichtig ist: Anstand und Respekt für Andersdenkende.

Hansueli Grogg ist aber froh, dass sowohl in seinem Wohnort wie auch in seinem Heimatort Langenthal Sozialdemokraten das Präsidium besetzen. In Roggwil hätten zum Beispiel Kräfte vorwiegend aus der SP dafür gesorgt, dass das gut funktionierende Alterszentrum im Moment vor einem Erweiterungsbau stehe.

Einen Tisch weiter in der WBM trägt Lydia Lehmann Drucksachen von EDU, Grünen, FDP und Unabhängiger Liste zusammen. Ihr Vater sei zwar Mitglied der SVP-Vorgängerin BGB gewesen, hält sie fest.

Sie selbst gehöre aber keiner Partei an und interessiere sich deshalb jeweils für die Personen, die kandidieren würden. «Es hat solche darunter, die man von vergangenen Wahlen kennt, aber auch noch Unbekannte.»

«Ich kann mir ein Taschengeld zur Rente hinzu­­­ver­dienen.»Lydia Lehmann

Seit ihre Eltern gestorben sind, wohnt die Wyssacherin im Wohnheim der WBM. Und obschon sie bereits 65-jährig ist und eigentlich nicht mehr arbeiten müsste, ist sie täglich in der Abteilung Montage und Verpackungen anzutreffen. «Ich kann mir so ein Taschengeld zur Rente hinzuverdienen», sagt sie.

Hansueli Grogg und Lydia Lehmann sind sich einig: Dass sie beim Verpacken des Wahlmaterials mitarbeiten können, erfüllt sie mit Stolz, denn sie könnten damit einen wichtigen Beitrag zur Demokratie leisten und gleichzeitig zeigen, wie exakt sie arbeiten würden.

Damit am Schluss jeder Stimmberechtigte die vollständigen Unterlagen in der Post vorfindet, sind in der ausgeklügelten und ausgetesteten Verarbeitungsstrasse mehrere Kontrollstellen eingerichtet.

Lernende und Schüler helfen

Für die beiden Mitarbeitenden der WBM bedeutet das Verpacken des Wahlmaterials zusätzlich eine spannende Abwechslung im Arbeitsalltag. Das gilt selbst für Hansueli Grogg, der sonst gerne in seinem abgetrennten Montageraum arbeitet. Diesen Aspekt des Auftrages heben auch Regierungsstatthalter Marc Häusler und WBM-Geschäftsführer Stephan Weber hervor.

Seit den letzten Wahlen vor vier Jahren bleiben die Mitarbeitenden der WBM dabei nicht unter sich. Damals organisierten WBM und das Statthalteramt erstmals, dass Mitarbeitende von Gemeindeverwaltungen und dem Statthalteramt beim Verpacken mithalfen – vorwiegend Lernende. Dieses Jahr packten nun auch Schüler aus Kleindietwil, Aarwangen und der Berufsschule Langenthal mit an.

15 Arbeitstage rechnet Stephan Weber total ein, bis alles Wahlmaterial verpackt ist. Dann wird es den genau 58'413 Stimmberechtigten zugestellt – darunter auch Hansueli Grogg und Lydia Lehmann, die dann längst wieder ihrer gewohnten Arbeit nach­gehen. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 14.02.2018, 11:13 Uhr

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