Wo die Flüchtlinge in Wohnungen leben können

237 Flüchtlinge sind aktuell im Oberaargau von der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe in Mietwohnungen untergebracht – seit dem 4. April auch 12 Eritreer an der Weyermatt­strasse in Herzogenbuchsee.

An der Weyermattstrasse 2 in Herzogenbuchsee wohnen seit Anfang April 12 Eritreer.

An der Weyermattstrasse 2 in Herzogenbuchsee wohnen seit Anfang April 12 Eritreer.

(Bild: Thomas Peter)

Sebastian Weber

Seit etwas mehr als drei Wochen gibt es an der Weyermattstrasse 2 in Herzogenbuchsee neue Bewohner. Die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe hat dort 12 Männer aus Eritrea untergebracht. Die Asylsuchenden, alle haben eine lange Flucht hinter sich, haben sich offenbar gut eingelebt. «Wir haben von ihnen positive Rückmeldungen erhalten, genau wie von den Nachbarn und der Polizei», sagt Fabienne Notter. Sie ist ist die Leiterin Asylkoordination der Regionalstelle Burgdorf. Diese ist auch für den Oberaargau zuständig und kümmert sich dort im Auftrag des kantonalen Migrationsdienstes um die Unterbringung der Asylsuchenden, die in Gemeinden in Privatwohnungen leben.

Die Räumlichkeiten, eine 6-Zimmer- sowie eine 3-Zimmer-Wohnung, wurden von der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe auf unbefristete Zeit gemietet. Sie waren zuletzt von Sozialhilfebezügern bewohnt worden und sind vom privaten Vermieter vor dem Einzug der Asylsuchenden sanft saniert worden.

Freiwillige helfen

Die Asylsuchenden werden in Herzogenbuchsee von der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe betreut. Für eine bessere Integration der Neuzuzüger arbeitet diese aber auch mit einer Freiwilligengruppe der reformierten Kirche zusammen, die sich mittlerweile formiert hat. Diese besteht aus einer Kerngruppe von rund 12 Personen und wird von Pfarrer Johannes Weimann und Pfarrerin Alice Pohl Lienhard geleitet. Zu ihren Aufgaben gehört es, den Asylsuchenden beim Leben in der Gemeinde unter die Arme zu greifen. So gab es etwa bereits eine Führung durchs Dorf.

Ak­tuell ist man dabei, alte Fahrräder neu aufzurüsten, um den Eritreern mehr Mobilität zu ermöglichen. Die Freiwilligen sollen ­diese künftig auch bei Wohnfragen, der Stellensuche oder beim Deutschunterricht unterstützen. Gerade Letzteres ist besonders wichtig. «Die Asylsuchenden müssen lernen, hier zu wohnen. Damit sie später selbst in der ­Lage sind, eine Wohnung zu ­mieten», sagt Fabienne Notter. Hierfür sei das Erlernen der Sprache unerlässlich. «Doch von den 12 Männern, die neu in Herzogenbuchsee wohnen, können aktuell nur 4 einen Deutschkurs besuchen. Die anderen stehen auf einer Warteliste.» Weshalb sie sehr froh sei, dass die Freiwilligengruppe auch einen Sprachkurs anbieten wolle.

«Das erhöht den Druck»

Die drei Regionalstellen Bolligen, Konolfingen und Burgdorf der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe sind zusammen für ein Gebiet zuständig, das über 170 Gemeinden umfasst. In diesen betreut sie insgesamt 1200 Asylsuchende (Ausweis N) und vorläufig aufgenommene Menschen (Ausweis F). Die Regionalstelle Burgdorf alleine hat in ihrem Gebiet rund 433 von ihnen in Wohnungen untergebracht. Davon lebten Anfang ­dieses Monats rund 237 in der ­Region Oberaargau. Sie verteilen sich auf 15 verschiedene Gemeinden (siehe Kasten). Die meisten (66 Personen) sind in Wohnungen in Langenthal untergebracht, gefolgt von Huttwil (33) und Wangen an der Aare (22). In ­Herzogenbuchsee wohnen neben den 12 Männern von der Weyermattstrasse noch zwei Familien mit je 3 Personen.

Komfortabel ist die Situation für die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe deswegen aber keineswegs. «Wir brauchen dringend weitere Wohnungen», sagt Fabienne ­Notter. «Wir haben immer mehr Menschen, die in Durchgangszentren untergebracht werden. Das erhöht den Druck auf uns, ­genügend neue Wohnungen zu ak­qui­rie­ren.» Sie freue sich daher über jeden Privaten, der bereit sei, seine Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Wenige bei Gastfamilien

In den meisten Fällen werden die Wohnungen von der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe gemietet. Es ­gebe jedoch auch Flüchtlinge, die einen Mietvertrag hätten unterschreiben können und ihre Wohnung selbst finanzierten, erzählt Fabienne Notter. Dieser Anteil sei jedoch verhältnismässig klein. Ebenso wie jener der Asylsuchenden, die in Gastfamilien untergebracht werden konnten. Genaue Zahlen gibt es hierzu vonseiten der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe keine.

Zum Vergleich aber: Die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH) hatte bereits 2014 ein Projekt für die Unterbringung von Flüchtlingen und Asylsuchenden bei Privaten lanciert. Laut SFH-Mediensprecher Stefan Frey konnten aber bisher im Oberaargau nur 8 Personen bei 2 Familien platziert werden. Im ganzen Kanton Bern konnte die SFH bislang rund 25 Personen an ungefähr 15 Familien vermitteln.

Finanzielle Aufwände entstehen für die Oberaargauer Gemeinden, die Asylsuchende in Wohnungen untergebracht haben, keine. Für die Unterbringung und die Betreuung kommt die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe auf. Ausserdem gibt es einen Leistungsvertrag mit dem Kanton. Dieser sieht vor, dass die betreuten Personen 400 Franken pro Monat für ihren Grundbedarf ­erhalten. Je nach Sonderleistungen, etwa für Schulmaterial oder Transportkosten, steigt dieser Betrag noch.

Berner Zeitung

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