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Wo der Markt vom Märit lernt

Lücken zwischen den Ständen und Ramsch­anbieter, die sich in letzter Minute breitmachen: Das soll am Jahrmarkt Vergangenheit sein. In zwei Wochen startet der Traditionsanlass mit neuem Konzept.

Tradition für Tradition: Alexander Grädel und Helen Wegmüller vor dem Brunnenplatz, auf dem auf die Gestaltung besonders Wert gelegt werden soll.
Tradition für Tradition: Alexander Grädel und Helen Wegmüller vor dem Brunnenplatz, auf dem auf die Gestaltung besonders Wert gelegt werden soll.
Thomas Peter

Werden die Kinder flügge, können auch die Eltern oder Grosseltern etwas von ihnen lernen. Diese Erfahrung macht nun auch der städtische Jahrmarkt in Huttwil, wobei man in seinem Fall nicht von einem Kind, sondern von einem Adoptivkind sprechen kann.Seit 1467 ist das Huttwiler Marktrecht belegt.

Tatsächlich dürfte es noch viel älter sein, hängt es doch mit dem mittelalterlichen Stadtrecht zusammen, das Huttwil 2013 Anlass zu einer 700-Jahr-Feier gab. Erst 20-jährig ist dagegen der Huttwiler Wiehnachtsmärit, für den der Verkehrsverein Pro Regio 1996 seine Vorbilder in Deutschland fand. In Nürnberg oder Frankfurt zum Beispiel geht ihre Tradition fast so weit zurück wie in Huttwil die des Jahrmarktes.

Doch inzwischen zeigen die Macher des Wiehnachtsmärit de­nen des Jahrmarktes, wie man Besucher und Käufer anlockt: In den vier Tagen am ersten Adventswochenende ist zwischen den Markthäuschen jeweils fast kein Durchkommen mehr, während an den Marktmittwochen wenige Besucher nur über grosse Lücken von einem Stand zum nächsten finden.

Die Einsamkeit der Händler

«Kommen wenige Besucher, können sich Markthändler zum Teil nicht einmal mehr miteinander unterhalten», stellt Alexander Grädel fest. Zu gross sind die Lücken zwischen den Ständen. Er muss es wissen, denn das Spycher-Handwerk seiner Eltern in Schwarzenbach ist regelmässig an Märkten anzutreffen.

«In Huttwil sind wir dabei, seit es uns gibt», sagt er. Zudem findet auf dem Areal des Spycher-Handwerks einer der saisonalen Themenmärkte statt, der Historische Handwerkermarkt im Juli.

Festgestellt hat Alexander Grädel dabei, dass Huttwil in Markthändlerkreisen nach wie vor einen guten Ruf geniesse. «Man trifft immer wieder Händler von weit her an, die es deswegen neu versuchen», sagt er. «Waren sie einmal da, kommen sie jedoch kaum mehr wieder, weil die Realität nicht mehr dem Ruf entspricht.»

«Man trifft immer wieder Händler an, die es versuchen. Waren sie einmal da, kommen sie jedoch kaum mehr wieder, weil die Realität nicht mehr dem guten Ruf des Markts entspricht.»

Alexander Grädel, als Gemeinderat zuständig für den Jahrmarkt

Es sei deshalb gut, ja höchste Zeit, dass Huttwil seine Jahrmärkte überdenke und anpasse. Seit Jahresbeginn kann Alexander Grädel dabei nun an vorderster Front mitwirken, denn er wurde in den Gemeinderat gewählt und erhielt dort das Ressort öffentliche Sicherheit. Es ist für die Jahrmärkte zuständig.

Noch stärker an der Front steht allerdings Helen Wegmüller. Sie arbeitet beim Verkehrsverein Pro Regio und ist die neue Marktchefin. Dem Verein hat der Gemeinderat die Organisation der Jahrmärkte übertragen, nachdem jener den Wiehnachtsmärit und weitere saisonale Themenmärkte erfolgreich lanciert hatte.

Vorbild: Der Wiehnachtsmärit zieht die Besucherinnen und Besucher zu Tausenden an. Bild: Thomas Peter
Vorbild: Der Wiehnachtsmärit zieht die Besucherinnen und Besucher zu Tausenden an. Bild: Thomas Peter

Erlebnis für die Kinder

Helen Wegmüller mag als Huttwiler Marktchefin neu sein, ihre Markterfahrungen reichen viel weiter zurück: «Ich bin in Sumiswald aufgewachsen», erklärt die Bäuerin und Tourismusfachfrau aus Leimiswil. «Dort gehörte der Jahrmarkt zu den Jahreshöhepunkten meiner Kindheit. Wir durften dafür jeweils einen Batzen aus unserem Kässeli nehmen und damit ‹gänggele, händele›, wie wir wollten.»

Diesen direkten Kontakt mit den Leuten, den kein Internet und kein Einkaufszentrum so intensiv bieten könne, liebe und schätze sie noch heute. Sie möchte, dass auch ihre Kinder das erleben können. In Sumiswald ist das heute nicht mehr möglich, denn die Jahrmärkte wurden eingestellt. Um so mehr freut sich Wegmüller darauf, dazu beizutragen, dass dies nicht auch noch in Huttwil passiert.

Nun steht sie vor dem Bewährungstest. Am 8. März ist in Huttwil wieder Jahrmarkt. Weil tatsächlich vieles neu ist, wird sie an diesem Tag von Walter Rohrbach, dem Geschäftsführer von Pro Regio, und Nicole Stalder, ihrer Vorgängerin in der Gemeindeverwaltung, unterstützt.

Parkieren wie bisher

Neu ist vor allem das Marktareal. Es konzentriert sich auf den alten Städtlikern rund um den Brunnenplatz mit der Marktgasse und der Stadthausstrasse. «Es ist das Areal des Wiehnachtsmärit», zieht Helen Wegmüller den Vergleich zum Vorbild. Nicht von diesem kopiert wird jedoch das Verkehrs- und Parkierungsregime. Die Bahnhofstrasse bleibt befahrbar, Autos müssen wie bisher auf der Ribimatte und im Oberdorf abgestellt werden.

Dem besonderen Cachet rund um den Städtlibrunnen soll zudem Rechnung getragen werden, indem dort die Händler konzentriert werden, die traditionelle Marktstände verwenden. Für ­diese hat die Gemeinde neue Blachen angeschafft. Darüber hinaus soll der Markt wieder ein ­attraktives Ausflugsziel für Familien am schulfreien Mittwochnachmittag werden.

Ein Karussell – und kostenlos

Im Pärkli an der Viehmarktstrasse werden die Kinder Schafe beobachten und streicheln können. Das Karussell, das weiterhin dort anzutreffen sein wird, ist zudem am nächsten Markt für alle Kinder kostenlos. Helen Wegmüller legt Wert auf die Bezeichnung. «Es ist kein Rösslispiel, sondern wartet mit tollen Feuerwehrautos und Töffs auf.»

Bibliothek und Ludothek warten mit Geschichten und Spielen auf. Weil der Markttermin zudem in die Woche vor der Huttwiler Fasnacht fällt, können sich die ­Kinder auf dem Brunnenplatz schminken lassen.

Die Vorschriften des Schweizer Marktverbandes wollen es, dass freie Plätze vermietet werden müssen, wenn Händler unangemeldet anreisen. Auf dem neuen Areal werden Unangemeldete weniger Chancen haben. «Am 8. März habe ich praktisch keinen freien Platz mehr», sagt Helen Wegmüller.

Wie beim Wiehnachtsmärit kann so die Qualität des Angebots besser gesteuert werden. Pro Regio informiert in diesen Tagen über den traditionellen Versand zu den Neuerungen.

Helen Wegmüller verspürt unabhängig davon Vorfreude und Erwartungen bei den Huttwilerinnen und Huttwilern. «Ich bin nicht die Einzige, die den 8. März kaum erwarten kann.»

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