«Wir waren noch nie so weit wie jetzt»

Aarwangen

An der Wirtschaftslandsgemeinde der Region Oberaargau ergibt eine Konsultativabstimmung ein ganz klares Votum für die Umfahrung von Aarwangen. Die Variante Null+ sei blosse «Pflästerlipolitik» und löse die Verkehrsprobleme nicht.

Wirtschaftslandsgemeinde: Vor Vertretern aus Politik und Wirtschaft erläuterte Regierungsrätin Barbara Egger das Vorprojekt zur Verkehrssanierung Aarwangen-Langenthal Nord.<p class='credit'>(Bild: Marcel Bieri)</p>

Wirtschaftslandsgemeinde: Vor Vertretern aus Politik und Wirtschaft erläuterte Regierungsrätin Barbara Egger das Vorprojekt zur Verkehrssanierung Aarwangen-Langenthal Nord.

(Bild: Marcel Bieri)

Dominic Ramel

Es sei ein «ganz besonderer Tag», sagte Charlotte Ruf, Präsidentin der Region Oberaargau, am Donnerstagabend bei der Eröffnung der Wirtschaftslandsgemeinde im Whisky House in Aarwangen. Sie meinte den Start der Mitwirkung zur Verkehrssanierung Aarwangen-Langenthal Nord, der just am Donnerstag erfolgte.

Bis zum 13. November können alle Interessierten zum Vorprojekt Stellung nehmen. Es gelte, sich zwischen zwei Wegen zu entscheiden. Entsprechend sorgfältig müssten die Vor- und Nachteile der beiden Varianten Umfahrung und Null+ (Optimierung der bestehenden Ortsdurchfahrt von Aarwangen) abgewogen werden.

Indes: Bei der klaren Mehrheit der anwesenden Vertreter aus Politik und Wirtschaft sind die Meinungen bereits gemacht. Das machten die Voten deutlich; die Variante Null+ sei blosse «Pflästerlipolitik» und löse die Verkehrsprobleme nicht, so der Tenor.

Das zeigte aber auch eine Konsultativabstimmung am Schluss des Anlasses. Für die Variante neue Umfahrungsstrasse hoben fast alle ihre Hand – nach den Befürwortern der Variante Null+ fragte Ruf gar nicht mehr.

«Wir waren noch nie so weit wie jetzt», sagte Regierungsrätin Barbara Egger (SP) mit Blick auf das jahrelange Ringen um eine Lösung der Verkehrsprobleme im Raum Aarwangen-Langenthal. Sie stellte das Vorprojekt mit den beiden Varianten vor und beantwortete zusammen mit Kreisoberingenieur Roger Schibler und Projektleiter Daniel Zoller Fragen.

Die Ortsdurchfahrt von Aarwangen ist laut Egger «ein echtes Nadelöhr», die heutige Situation nicht mehr tragbar. Nun gelte es, sich zwischen zwei Wegen zu entscheiden. Gestützt auf die Mitwirkungseingaben, wird der Regierungsrat im Frühling 2016 den Variantenentscheid fällen.

«Denkt an die Kinder»

Der Gemeinderat von Aarwangen sei einstimmig für die Umfahrung, sagte Gemeindepräsident Kurt Bläuenstein (FDP). Nur so werde das Dorf vom Schwerverkehr entlastet.

Als Verwaltungsratspräsident der Aare Seeland mobil AG und als Grossrat sprach sich auch Thomas Rufener (SVP) für die Umfahrung aus. Die Bahnbetreiberin favorisiere diese Variante wegen der Sicherheit und einer allfälligen Taktverdichtung. Explizit noch nicht Stellung nahm Rufener als Stadtpräsident von Langenthal. Denn der Gemeinderat habe die Haltung der Stadt noch nicht beschlossen.

«Denkt an die Kinder», sagte Lucas Burkhard (parteilos), Gemeindepräsident von Schwarzhäusern. Diese müssten auf ihrem Schulweg mehrmals die Strasse mit den vielen Lastwagen überqueren. Die Variante Null+ würde da nur geringe Verbesserungen bringen. «Lösung» sei für diese Variante ein grosses Wort.

«Auf jeden Fall Geld vom Bund»

Die einzigen kritischen Voten kamen von Stefan Herrmann (EVP, Gemeindepräsident Rütschelen) und Fredy Lindegger (Grüne, VCS). Herrmann wies darauf hin, dass der Oberaargau nicht in Aarwangen/Langenthal ende, und fragte nach Massnahmen in Richtung oberes Langetental/ Huttwil bei der Variante Umfahrung.

Schibler sagte, dass solche in Langenthal bei der Bützberg- und der Ringstrasse geplant seien. Und Zoller ergänzte, dass der Verkehr primär die Stadt zum Ziel habe. Daher sei in Richtung Huttwil nichts vorgesehen.

Auf die entsprechenden Fragen von Lindegger antwortete Egger, dass die Betriebs- und Unterhaltskosten der beiden Varianten noch nicht quantifizierbar seien; aber sie wären bei der Umfahrung sicher höher, was in die Bewertung der Varianten eingeflossen sei.

Und noch nicht bekannt sei auch die Höhe der erwarteten Bundesgelder. «Aber es gibt auf jeden Fall Geld vom Bund», sagte Egger. Denn die Verkehrssanierung sei Teil der flankierenden Massnahmen des Bundes zum Sechsspurausbau der Autobahn.

Berner Zeitung

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