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Wie der gelbe Riese den Wandel vollzieht

In fünf Jahren hat die Post im Oberaargau 10 von 23 Filialen geschlossen. Bis auf eine wurden alle durch Agenturen in ansässigen Geschäften ersetzt.

Kein Ersatz wurde für die Poststelle am Löwenplatz geschaffen. Diese wurde vor gut einem Jahr geschlossen.
Kein Ersatz wurde für die Poststelle am Löwenplatz geschaffen. Diese wurde vor gut einem Jahr geschlossen.
Thomas Peter

Eine Meldung um die andere, die Erklärungen sind jeweils nahezu identisch: Die Poststellen sehen sich einer rückläufigen Nutzung gegenüber, weil sich die Gewohnheiten der Kunden ändern.

«Der Alltag ist digitaler und mobiler geworden», stellt Markus Flückiger fest, der Kommunikationsverantwortliche des Bereichs Postnetz Mitte. SMS, E-Mail und Internetbanking verdrängen die klassischen Postdienstleistungen.

«Der Alltag ist ­digitaler und mobiler geworden.»

Markus Flückiger, Post

Gleichzeitig verliert der Postschalter an Bedeutung; immer weniger Briefe, Pakete und Einzahlungen gehen über den Tresen. Die Wirtschaftlichkeit der Filialen sinkt dadurch. Erst werden die Öffnungszeiten eingeschränkt, schliesslich wird die Poststelle geschlossen.

Neun Agenturen eröffnet

Dieser Strukturwandel passiert flächendeckend. Allein im Verwaltungskreis Oberaargau ist nahezu die Hälfte von 23 Poststellen innert fünf Jahren ausser Betrieb genommen worden. Die Post, sagt Flückiger, passe sich den veränderten Kundenbedürfnissen an: Sie schaffe neue Angebote und Zugangsmöglichkeiten, beispielsweise über Postagenturen mit Partnern wie Volg.

Neun Agenturen sind in den letzten fünf Jahren im Oberaargau entstanden. So schloss die letzte Poststelle der Gemeinde Seeberg im Ortsteil Grasswil im August 2012; eine Agentur wurde im Volg-Laden der Landi im Ortsteil Seeberg integriert. Seither wird die Briefzustellung von Wynigen aus organisiert.

Nur rund zwei Monate später ging die Poststelle in Wyssachen zu, seither betreibt die Käsereigenossenschaft Dürrenbühl im Dorf eine «Post light». 2013 ging der gelbe Riese eine Partnerschaft mit der Landi Eriswil ein und vollzog die Schliessung der dortigen Filiale im Mai.

Auch in Ursenbach musste die Poststelle physisch weichen; die Dienstleistungen blieben aber auch nach März 2014 im Gemeindehaus: auf der Verwaltung statt wie zuvor separat. Es folgte die Agentur in Niederönz, integriert in die Agox GmbH, seit der Schliessung der Poststelle im Februar vor fast zwei Jahren. Und jene in Oberbipp, im neuen Volg-Laden im Mai 2015.

In Thörigen erbringt seit August 2015 die Verwaltung ein Minimum an Postdienstleistungen im neuen Gemeindehaus. Seit letztem Sommer müssen auch Attiswil und Wynau ohne klassische Poststelle auskommen; hier sind seit Juli und August Agenturen in Volg-Läden in Betrieb.

Bereits bekannt ist, dass auch die Rohrbacher Poststelle zugeht und im März durch die «bewährte Lösung» ersetzt wird. Die Liegenschaft an der Bahnhofstrasse 9 in Rohrbach beabsichtigt, die Post laut Sprecher Markus Flückiger zu verkaufen.

Das Postnetz im Verwaltungskreis Oberaargau.
Das Postnetz im Verwaltungskreis Oberaargau.

Protest ändert nichts

Vielerorts ging dieser Abbau nicht ohne Gegenwehr vonstatten. Waren es nicht die Exekutiven der betroffenen Gemeinden, die sich für den Erhalt der Post­filiale starkmachten, so waren es die Einwohner – wie jüngst in Melchnau, wo 881 Unterschriften gegen die Schliessung gesammelt wurden. Wie in allen anderen Fällen trägt auch hier der Protest keine Früchte.

Die Post anerkenne die Bemühungen «als Zeichen für die Verbundenheit mit der Post sowie als Wertschätzung für die Qualität des Dienstleistungsangebots und für die gute Arbeit des Personals vor Ort», so Flückiger.

«Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass es aufgrund der rückläufigen Nutzung aus Sicht der Post nicht länger möglich ist, in Melchnau eine eigenständige Poststelle mit kundenfreundlichen Öffnungszeiten wirtschaftlich zu betreiben.» Wann eine Agentur die Post in Melchnau ablöst, ist weiterhin offen.

Wirtschaftlichkeit und Umfeld

Bei der Überprüfung einer Poststelle sind laut Flückiger deren Nutzung, die Situation am Standort sowie das Umfeld massgebend. Eine solche Überprüfung erfolge stets im Dialog mit den Betroffenen vor Ort, insbesondere mit den lokalen Behörden. «Erst dann werden Entscheide gefällt.»

Nicht in der Peripherie, sondern im Zentrum schloss übrigens die einzige Poststelle, die nicht zumindest durch einen anderen Zugang ersetzt wurde: In Langenthal werden nach der Schliessung der Löwenpost seit Februar 2016 Kunden ausschliesslich am Bahnhof bedient.

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