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Wer nicht tanzt, stirbt

Das eigenwillige Bandprojekt «Moder und Sauerland» von Valerio Moser und Lukas Allemann gibt eine neue EP heraus und spielt am Donnerstag im Chrämerhuus Langenthal.

Valerio Moser und Lukas Allemann sind das Elektropop-Duo Moder und Sauerland. Bild: PD
Valerio Moser und Lukas Allemann sind das Elektropop-Duo Moder und Sauerland. Bild: PD

Es braucht schon ziemlichen Mut, um solche Musik zu machen. Oder haben die zwei einfach nichts zu verlieren? So ganz schlau wurde man aus dem Erstling «Glitzer für die Jammernden» von Moder und Sauerland nicht. Die Verwirrung war aber wohl beabsichtigt, hat doch das Duo nicht nur ein Faible für eigenwillige Titel, sondern auch eine Aversion gegen herkömmliche Songstrukturen.

Da spielten zwei mit einer eindeutig punkigen Attitüde, mit schrillen Elektrosamples und mal jaulenden, mal psychedelischen Gitarren. Textlich ins Zentrum gerückt wurde die Selbstentfremdung, mit der Menschen in der Moderne konfrontiert sind, und nicht die opportunistische Selbstoptimierung, die diese von uns verlangt.

«Ich bin keine Maschine / ich werd nicht funktionieren», hiess es, und damit das Ganze und nicht einfach nur der Liedaufbau funktionierte, mussten eben gängige musikalische Muster über Bord geworfen werden. Endlich wieder mal eine Platte, die auf Eingängigkeit pfeift, dachte man. Das war so ziemlich Anti-Pop und war nicht immer angenehm zu hören.

Moder und Sauerland, das sind der Berner Lukas Allemann und der Langenthaler Valerio Moser. Allemann ist für Gitarren und Samples zuständig und nannte sich schon in seinen Soloprojekten Sauerland.

Moser, amtierender deutschsprachiger Slam-Poetry-Meister und Inhaber so ziemlich jeden anderen Titels in der Szene, schreibt die Texte und spricht, singt, schreit, rappt sie vor. Dass durch einen falschen Tastenschlag – ein freudscher Vertipper? – aus Moser Moder wurde, ist wohl eine schicksalhafte Fügung. Nicht nur, weil es den Geist der Musik gut einfängt, es klingt auch einfach besser.

Moderpop nennen die zwei nun ihre neuen Songs, und tatsächlich ist das alles etwas poppiger und weniger sperrig. Aber nicht seichter – dafür sorgen die Texte: «Und dann redest du dir ein / deine Arbeit werd gebraucht / Und dann druckst du ganze Tage lang nur Formulare aus / Bis du nicht mehr kritisch fragst, nur funktionierst, dich nicht mehr traust / Doch was drin ist, das muss raus: Also lasst uns tanzen.»

Thematisch kreist die neue Veröffentlichung des Duos um das Thema Tanz: den Tanz als Balz im Club. Als Rebellion und Protest gegen die Sinnlosigkeit im Job und zu Hause.

Als das Einzige, was noch übrig bleibt, in dieser an Visionen und Utopien armen Zeit. Der Tanz als letztes Lebenszeichen also. Damit zielen Moder und Sauerland nicht mehr nur auf Hirn und Herz, sondern auch auf Hüfte und Beine. Bald sollen mehr Songs folgen. Man darf gespannt sein.

Moder und Sauerland: «Lazerliebe/Tanz», 7"-Vinyl. Die EP-Taufe findet übermorgen ab 21 Uhr im Chrämerhuus in Langenthal statt.

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